Die Lage ist angespannt: Nach der Corona-Pandemie steht die Games-Branche weltweit vor großen Herausforderungen, die auch vor den deutschen Videospielfirmen nicht Halt machen. Viele deutsche Entwicklerstudios mussten bereits Stellen abbauen oder ihre Studios ganz schließen.

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Wirtschaft in Berlin

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Auch das deutsche Videospielunternehmen Innogames war davon betroffen. 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter musste Innogames im April 2023 entlassen. „Es war das erste Mal, dass wir sowas machen mussten und natürlich war es sehr schmerzhaft“, sagt Geschäftsführer Hendrik Klindworth vom Hamburger Entwickler und Publisher von Mobile- und Browsergames.

Mit derzeit 350 Mitarbeitenden gehört es laut des Magazins Games-Wirtschaft zu den größten Games-Studios in Deutschland – und hat das Auf und Ab der letzten Jahren direkt zu spüren bekommen. Nun verschärft der Zollkrieg von US-Präsident Donald Trump die wirtschaftliche Lage der Games-Branche.

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Corona-Pandemie bescherte Games-Branche Rekordumsätze

Auf den ersten Blick scheint die hohe Fluktuation der vergangenen Jahre widersprüchlich, erlebte doch die Videospielbranche durch die Corona-Pandemie mit den Lockdowns und den eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten einen massiven Boom: Um 58 Prozent ist der Umsatz seit 2019 am Games-Markt hierzulande gestiegen, teilt der Geschäftsführer Felix Falk vom Branchenverband Game auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Das bestätigt auch Geschäftsführer Hendrik Klindworth: Kurzfristig sorgte die Corona-Pandemie für einen Boom in der Games-Branche. Viele Entwicklerstudios profitierten von den gestiegenen Spielerzahlen – und investierten ihre Gewinne in ambitionierte Projekte und den Ausbau des Personals, in der Annahme, dass der Boom anhält oder keine Trendumkehr eintritt. So auch Innogames: Die Suche nach Mitarbeitern lief zu dieser Zeit auf Hochtouren.

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Doch mit dem Ende der Pandemie ging die Zahl der Spieler und damit das Kaufinteresse zurück. Es kam zum sogenannten „Corona-Slump“. Laut Branchenverband Game lag der Umsatz für PC, Konsole und Mobilgeräte im Jahr 2024 bei insgesamt 5,5 Milliarden Euro – sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Laut Felix Falk gab es 2024 weniger Top-Veröffentlichungen als im Blockbuster-Jahr 2023 und die Nachfrage nach Spielekonsolen ging zurück. Hendrik Klindworth weist auf weitere Trends wie höhere App Store-Gebühren und neue Datenschutzauflagen hin. Die Folge: Viele Unternehmen mussten im Zuge der Krise zahlreiche Arbeitsplätze abbauen.

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Verschärfter Wettbewerb nach Gewinneinbrüchen

Mit den 2010er Jahren könne die Marktsituation nach den Pandemiejahren für Mobile- und Browsergames aber nicht verglichen werden, so Klindworth. Denn der Markt für Mobile Games sei in den vergangenen zehn Jahren sehr stark gewachsen. Für die 2020er Jahre prognostiziert Klindworth ein moderates Wachstum, das nicht das Niveau der letzten Dekade erreichen werde.

Der Markt ist herausfordernder geworden, Next-Level sozusagen.

Hendrik Klindworth, Mitgründer und Geschäftsführer von Innogames

„Es gibt keinen Raum mehr für Ineffizienzen“, sagt Klindworth über das verschärfte Wettbewerbsumfeld. „Der Markt ist herausfordernder geworden, Next-Level sozusagen.“ Das wirke sich derzeit auch auf den Erfolg neuer Spiele aus: „Im Jahr 2010 war es noch weitaus einfacher, erfolgreiche Spiele zu entwickeln.“

Kosten für Spielentwicklung steigen enorm

Viele Spieler konsumierten Spiele, die bereits seit etwa zehn Jahren auf dem Markt seien. Gerade diese Spiele seien sehr weit entwickelt. Die Konsequenz und zugleich Herausforderung für die Games-Branche: „Neue Spiele müssen etwas Neues und Interessantes bieten, das auch einen Grund liefert, etwas Neues anzufangen.“

Diesen Eindruck teilt auch Dennis Korf, Geschäftsführer des Berliner Spieleentwicklers Wooga, und fügt hinzu, dass der Produktionswert mobiler Spiele in den letzten Jahren enorm gestiegen sei. „Die Entwicklung von neuen Spielen bis zum globalen Launch ist dadurch deutlich kostenintensiver als noch vor zehn Jahren“, so Korf.  

Verstärkt wird der finanzielle Druck laut Geschäftsführer Hendrik Klindworth durch die Konkurrenz, allerdings nicht durch Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon, die seit einiger Zeit auch im Spielemarkt mitmischen wollen. Vielmehr sind es neben den klassischen Freizeitaktivitäten vor allem Social-Media-Plattformen wie TikTok, die den finanziellen Druck erhöhen. Denn diese, so Klindworth, kosten die Menschen vor allem eines: Zeit.

Trumps Zölle belasten die Games-Branche

Neben dem Druck der Social-Media-Plattformen verunsichern auch die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle auf Produkte aus aller Welt die Branche. So herrsche in der Branche ein hohes Maß an Unsicherheit, sagt der Hamburger Geschäftsführer. Neben den Zöllen hält er die Unberechenbarkeit Trumps für problematisch: „Unberechenbarkeit verhindert letztlich eines: Investitionen.“

Denn die Unsicherheiten würden am ehesten zu Einsparungen bei Freizeitaktivitäten wie Videospielen führen, „Games werden darunter leiden“. Dennoch blickt Geschäftsführer Klindworth optimistisch in die Zukunft. Von der Politik wünscht er sich vor allem langfristig stabile Förderungen, die im besten Fall über Jahrzehnte Bestand haben. Denn gerade für kleine Entwicklerstudios sei eine verlässliche Förderung existenziell.

Dem stimmt auch Felix Falk zu: „Das Ziel in Deutschland muss es sein, ein starkes Games-Ökosystem aufzubauen und zu stützen. Je umfassender dieses System ist, desto stabiler wird es auch in herausfordernden Zeiten.“ Immerhin: CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, den „Games-Standort“ stärken zu wollen. Die Gaming-Branche sorge für Fortschritt und Innovationen, habe ein „großes kulturelles, wirtschaftliches und technologisches Potenzial“, heißt es im Koalitionsvertrag. Sie seien ein Kulturgut, daher wolle man steuerliche Anreize schaffen. Wie diese allerdings konkret aussehen, ist noch unklar.