Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dem US-Präsidenten Donald Trump am Donnerstag bei seinem Besuch in Washington die Hand reicht, dürfte die Geste genau beobachtet werden. Denn Merz ist für einen festen Händedruck bekannt – Trump ebenfalls. Beobachterinnen und Beobachter interpretieren dessen Handschläge seit Jahren als bewusste Machtdemonstrationen.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Ein Beispiel dafür ereignete sich im März 2017, als die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zum ersten Mal auf ihren neuen US-Amtskollegen traf. Auf die Bitte der Fotografen nach einem Handschlag wandte Merkel sich direkt an Trump: „Sollen wir Hände schütteln?“ Trump reagierte nicht – als hätte er ihre Frage nicht gehört. Es war ein Moment, der um die Welt ging.

So war es auch am 10. Februar 2017, als Trump dem japanischen Premierminister Shinzo Abe die Hand reichte – und diese 19 Sekunden lang nicht mehr losließ. Abe lächelte gezwungen, rollte schließlich genervt mit den Augen. Kanadas Premierminister Justin Trudeau wählte bei seinem Treffen mit dem US-Präsidenten eine andere Strategie. Er reagierte mit einem festen, kontrollierten Händedruck, um dem „Zug“ zuvorzukommen – und behielt Beobachtern zufolge so die Kontrolle über die Geste.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Donald Trump: Wieso sein Handschlag mit Macron für Aufsehen sorgte

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ging ebenfalls in die Offensive. Beim NATO-Gipfel im Mai 2017 trafen sich die Hände der Politiker für fünf Sekunden in einem festen Händedruck, durch den sich ihre Fingerknöchel weiß färbten. Später sagte Macron offen: „Mein Händedruck mit ihm war nicht unschuldig.“ Es sei wichtig, zu zeigen, dass man „selbst bei symbolischen Dingen keine kleinen Zugeständnisse“ mache. Trump kommentierte später, Macron „liebt es, meine Hand zu halten“.

News aus den USA

Das Handschlag-Duell der beiden Präsidenten setzte sich auch in Trumps zweiter Amtszeit fort. Kurz nach seinem Wahlsieg besuchte Trump auf Einladung des französischen Präsidenten die Wiedereröffnung der Pariser Kathedrale Notre Dame. Dort hielten sich die beiden Politiker ganze 17 Sekunden lang die Hände – was Beobachterinnen und Beobachter später als ein regelrechtes Tauziehen beschrieben.

Auch 2025 sorgte ein Händedruck zwischen den beiden Präsidenten für Aufsehen. Eigentlich wollten Trump und Macron im Februar bei einem Treffen über den Krieg in der Ukraine sprechen. Doch zuvor schüttelten sie sich lange und unbeholfen die Hände, zogen an den Armen – selbst ein gemeinsames Lachen konnte die Absurdität der Situation nicht überspielen. Als sie die Hände losließen, klopfte Macron Trump noch aufs rechte Knie.

Donald Trump und Emmanuel Macron schütteln sich die Hände und lachen
US-Präsident Donald Trump und der französische Präsident Emmanuel Macron geben sich bei einer Veranstaltung im Weißen Haus die Hand und lachen. © AFP | JIM WATSON

Experten: Trumps demonstriert „Dominanz“ mit Handschlag

Der berüchtigte Handschlag ist längst Gegenstand wissenschaftlicher Analysen. Die Forscherinnen und Forscher Peter Wignell, Kay O’Halloran und Sabine Tan beschreiben 2018 Trumps Handschläge in einer Analyse als körperliche Machtdemonstrationen. Der Ablauf sei dabei fast immer gleich: Trump greife schnell zu, ziehe sein Gegenüber ruckartig zu sich heran und halte die Hand ungewöhnlich lange fest. „Indem er als Erster zugreift und den anderen aus dem Gleichgewicht bringt, nimmt er diesem die Möglichkeit, gleichwertig zu reagieren. Er könnte zwar zurückziehen, aber Trump hat bereits im wörtlichen Sinne die Oberhand gewonnen, indem er zuerst Dominanz demonstriert“, so die Analyse. Der anderen Person blieben dabei nur zwei Möglichkeiten: den Handschlag zu kontern oder ihn von vornherein zu blockieren.

Auch interessant

In einer weiteren Analyse beschreibt Professor Ben O’Loughlin von der Royal Holloway University of London Trumps Handschläge als „Konfrontationen mit Signalwirkung – Momente der Unsicherheit, in denen niemand weiß, was als Nächstes passiert, auch nicht die beiden Personen, die sich die Hand geben“. Diese seien, so O’Loughlin, sinnbildlich für Trumps Verhältnis zur Weltpolitik insgesamt.

Trump-Besuch: Friedrich Merz ist für festen Handschlag bekannt

Das bedeutet: Trumps Art, Hände zu schütteln, spiegelt ein Denken wider, bei dem es nur Sieger und Verlierer gibt – ein sogenanntes Nullsummenspiel. Anders gesagt: Wer nicht gewinnt, verliert. Dieser Ansatz stehe im Gegensatz zu den Prinzipien klassischer Diplomatie, die auf Zusammenarbeit, Ausgleich und gegenseitigem Vertrauen basiert. Trumps nonverbales Verhalten – etwa im Händedruck – stehe damit stellvertretend für eine Politik, die stärker auf Eigeninteressen und Abgrenzung setze.

Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert

Auch die mediale Wirkung solcher Gesten sei demnach Teil des Spiels. Laut O’Loughlin entstehen dabei Momente, die so ungewöhnlich und unvorhersehbar sind, dass sie sofort Aufmerksamkeit erregen – in den Medien, aber auch online. Ein Handschlag dauere nur Sekunden – aber er lasse sich fotografieren, filmen, hundertfach teilen. Die visuelle Kraft solcher Szenen sei enorm. Ob auch Friedrich Merz dem Stil seines Gegenübers etwas entgegensetzen kann, wird sich am Donnerstag zeigen. Sicher ist nur: Bei Donald Trump kann selbst ein Handschlag politisches Gewicht haben.