Russlands Bomberflotte ist um ein Drittel reduziert. Im russischen Kursk und Brjansk sind wichtige Eisenbahnbrücken gesprengt. Eine Bombe an der Krim-Brücke. Es folgen Explosionen in der Hafenstadt Sewastopol: Was derzeit im ukrainisch-russischen Grenzgebiet vor sich geht, sind weit mehr als vereinzelte spektakuläre Befreiungsschläge. Dabei waren sich Militäranalysten einig, dass die Ukraine eher ein Rückzugsgefecht führt. Stattdessen wirken die Attacken vielmehr wie eine minutiös koordinierte Aktion – und sie waren womöglich erst der Anfang.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Erste Detonationen sollen sich bereits in den frühen Morgenstunden ereignet haben. Auch ein Drohnenangriff aus der Luft wurde gemeldet. Trümmerteile seien auf die Fahrbahn gefallen, sodass die Brücke für den Verkehr gesperrt werden musste. Dann krachte es auch noch unter Wasser.
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Krim-Brücke: Stützen „dieses illegalen Objekts“ vermint
Die Bestätigung des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU folgte prompt: Der erste Sprengsatz wurde demnach um 4:44 Uhr gezündet. Die Stützen „dieses illegalen Objekts“ seien über Monate vermint worden. Laut SBU haben 1100 Kilogramm Sprengstoff schwere Schäden an der Konstruktion verursacht. Die Brücke befände sich in einem „katastrophalen Zustand“, so der ukrainische Geheimdienst.

Ersten Deutungen zufolge dürfte die Schutzhülle um die Pfeiler Ziel der ersten Detonation gewesen sein. Die nachfolgenden Explosionen wurden als Angriffe mit Unterwasserdrohnen interpretiert. Eine Bestätigung dafür gab es nicht. Die Ukraine ist allerdings in Besitz solcher Kampfmittel. Ähnliche Waffen wurden in der Gegend bereits eingesetzt. Dass sie die Distanz von rund 600 Kilometern – vom ukrainischen Festland südlich von Odessa, an der Krim vorbei bis zur Brücke – überwinden, ist also durchaus möglich.
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Ukraine: Warum die Angriffe für Russland schemerzlich sind
Sowohl das angegriffene Bauwerk als auch die russische Luftwaffe sind für die Ukraine symbolträchtige Ziele, deren Beschädigung oder Verlust für Russland schmerzlich sein dürften. Im Zuge des Budapester Memorandums musste die Ukraine ihre strategischen Langstreckenbomber an Russland übergeben oder vernichten. Mit ebenjenen Flugzeugen wird die Ukraine seit dem Überfall im Februar 2022 Tag für Tag attackiert.
Die Krim wiederum hat für Russland beinahe den Rang eines nationalen Fetisches. Ihre Annexion 2014 feierte Putin als strategisches Meisterstück. Allerdings ist die Versorgung der Halbinsel schwierig: Eine ausgebaute Bahnlinie über das annektierte ukrainische Festland gibt es nicht. Die Strecke befindet sich noch im Bau, der zuletzt durch intensive Angriffe ukrainischer Partisanen auf Brücken und Signalanlagen erschwert wurde.
Die einzige echte Verbindung Russlands zur Krim ist also die Brücke. Und die hat bereits bei zwei vorangegangenen Angriffen großen Schaden davongetragen. Die Bahntrasse war nur eingeschränkt befahrbar.
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Ukraine verfolgt bestimmte Taktik
Bisher wurde immer davon ausgegangen, dass die Ukraine die Brücke aus der Luft attackieren würde. Unterwasserdrohnen galten als zu schwach für einen solchen Angriff. Bemerkenswert ist aber vor allem die Beharrlichkeit und Präzision, mit der die Angriffe ausgeführt wurden.
„Gott liebt die Dreifaltigkeit, und der SBU bringt seine Pläne immer zu Ende und wiederholt sich nie“, wurde Vasyl Malyuk in einer Aussendung des SBU zitiert. „Zuvor haben wir die Krim-Brücke zweimal getroffen, in den Jahren 2022 und 2023. Heute haben wir diese Tradition unter Wasser fortgesetzt.“
Der Geheimdienstchef betonte zugleich, dass es sich um ein „legitimes Ziel“ handle, da Russland die Brücke als „logistische Arterie zur Versorgung“ genutzt hat. Dass die Ukraine so offen über ihre Militäraktionen spricht, könnte Taktik sein. Das Ziel: In Russland und unter der russischen Führung ein umfassendes Gefühl der Unsicherheit zu verbreiten.
Hinweis: In einer ersten Version des Artikels hieß es im ersten Absatz, dass Russlands Luftwaffe (und nicht Bomberflotte) um ein Drittel reduziert sei. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.










