- Frankreich führt ab Juli ein umfassendes Rauchverbot an öffentlichen Orten ein, um Kinder zu schützen, während Deutschland noch uneinheitliche Regelungen hat.
- Der Konsum von Einweg-E-Zigaretten in Deutschland ist stark angestiegen, was gesundheitliche Bedenken hervorruft, insbesondere für Kinder und Jugendliche.
- Experten fordern strengere Nichtraucherschutzgesetze in Deutschland, um die Gesundheit vulnerabler Gruppen zu schützen und den Tabakkonsum zu reduzieren.
Rauchen? Besser nicht hier: Deutschlands Nachbarland Frankreich erlässt ab Juli ein umfangreiches Rauchverbot im Freien – vor allem, um Kinder besser zu schützen. Hierzulande sind die Vorgaben im öffentlichen Bereich noch nicht so streng. Es gibt allerdings Stimmen, die fordern, das zu ändern. Ein Überblick.
Was plant Frankreich?
Die französische Gesundheitsministerin Catherine Vautrin hat ein ab Juli geltendes Rauchverbot an öffentlichen Orten wie Parks, Bushaltestellen und vor Schulen verkündet. Ziel sei es, Kinder zu schützen, sagte Vautrin der Zeitung „Ouest-France“. Eine Missachtung könne eine Geldstrafe von bis zu 135 Euro nach sich ziehen, sagte sie weiter. In den Außenbereichen von Gaststätten darf der Ministerin zufolge weiterhin geraucht werden. Das Verbot gelte nicht für E-Zigaretten.
Wie ist die rechtliche Lage in Deutschland?
In Deutschland gilt ein umfangreiches Nichtraucherschutzgesetz, Rauchverbote regelt jedes Bundesland aber unterschiedlich. Grundsätzlich gibt es viele Orte, an denen das Rauchen in Deutschland untersagt ist. Dazu gehören öffentliche Gebäude wie Behörden, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, aber auch Bahnhöfe und Flughäfen. Auch auf Freiflächen von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen ist Rauchen verboten. Unterschiede bestehen zum Beispiel bei Gaststätten und Kneipen, wo das Rauchen nur in Nordrhein-Westfalen, Bayern und im Saarland strikt verboten ist. In allen anderen Bundesländer gibt es Ausnahmen.

Wie hat sich die Zahl der Raucher in Deutschland entwickelt?
Laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA), einer Erhebung, die alle drei Jahre vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wird, rauchten 2021 etwa 23 Prozent der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland. Das entsprach etwa 11,6 Millionen Menschen. Grundsätzlich ist die Zahl der Raucher seit den 1980er-Jahren rückläufig. Zuletzt brachten Studien jedoch hervor, dass vor allem jüngere Menschen gerne wieder öfter zu Glimmstängel oder ähnlichem greifen. In der neuesten Befragungen zum deutschen Rauchverhalten (Deutsche Befragung zum Rauchverhalten, DEBRA) gaben 15,9 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an, aktuell Tabak zu konsumieren. Seit dem Jahr 2021 hat sich der Anteil der rauchenden Jugendlichen damit fast verdoppelt.
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Sorgen bereitet Beobachtern, dass der Konsum neuartiger elektronischer und anderer oraler Produkte zur Nikotinaufnahme zunimmt. Seit Anfang 2022 ist Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zufolge insbesondere der Konsum von Einweg-E-Zigaretten stark angestiegen – auf aktuell jährlich rund 60 Millionen Stück.
Rauchen im Freien stärker zu untersagen – bringt das was?
Ja, heißt es von der Initiative Pro Rauchfrei. „Studien deuten darauf hin, dass auch in Außenbereichen, in denen länger verweilt wird und mehrere Menschen gleichzeitig rauchen, hohe Schadstoffkonzentrationen erreicht werden können. Angesichts der bekannten Gefahren des Passivrauchens in Innenräumen ist es daher plausibel anzunehmen, dass es auch im Freien gesundheitsschädlich ist“, so Pro-Rauchfrei-Vorstandschef Stephan Weinberger zu dieser Redaktion.
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Nichtraucher sollten deshalb umfassend geschützt werden, um insbesondere vulnerablen Gruppen wie Kindern, chronisch Kranken und Allergikern eine Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen, fordere Weinberger weiter. Er regt deshalb auch an, Außenbereiche in der Gastronomie rauchfrei zu machen. Wenn sichtbar seltener öffentlich geraucht werde, könne das zudem dazu beitragen, dass weniger Jugendliche anfangen zu rauchen. Weinberger forderte den Gesetzgeber zu einer schnellen Umsetzung auf. Wie rasch man handeln könne, habe das Thema Cannabis gezeigt. „Warum das bei Tabakrauch nicht gehen soll, bleibt ein Rätsel“, fasste er zusammen.
Auch Mediziner würden eine Regelung wie in Frankreich grundsätzlich begrüßen: „Wir müssen unsere Jüngsten schützen und deswegen bewerte ich den Vorstoß Frankreichs positiv. Solche Rauchverbote können viel bewirken“, erklärte etwa die Präsidentin des Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Ursula Felderhoff auf Anfrage dieser Redaktion.

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Von der Deutschen Krebsgesellschaft hieß es, ein Nichtraucherschutz, nach dem Vorbild Frankreichs, sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „In Deutschland hinken wir in Sachen Nichtraucherschutz noch hinterher. Gerade Kinder und Schwangere sind eine besonders schützenswerte Gruppe“, so Generalsekretär Johannes Bruns zu dieser Redaktion.
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Wie reagiert die Tabakindustrie?
Ablehnend. „Die französische Regierung vollzieht einen Paradigmenwechsel: Der Schutz von Nichtrauchern steht nicht länger im Mittelpunkt. Hier geht es um die Bevormundung von Rauchern und ihre Verdrängung aus dem öffentlichen Raum“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), Jan Mücke, dieser Redaktion.
Und die Politik?
Anlässlich des Weltnichtrauchertags an diesem Sonnabend forderte die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Bundesländer auf, den Nichtraucherschutz zu verschärfen. Vapes und E-Zigaretten seien gefährlicher, als viele vermuteten, so Warken gegenüber dieser Redaktion. „Die Aerosole enthalten gesundheitsschädliche Stoffe. Und häufig sind sie der Einstieg in das Rauchen und die Abhängigkeit. Deswegen sollten die Bundesländer ihre Nichtraucherschutzgesetze entsprechend überarbeiten.“ Die CDU-Politikerin verwies darauf, dass der Bund Vapes und E-Zigaretten in den Nichtraucherschutz aufgenommen habe. „Dasselbe muss jetzt auch auf Länderebene passieren. Gerade um Kinder und Jugendliche zu schützen, brauchen wir hier strengere Vorgaben“, erklärte sie.
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Welche gesundheitlichen Folgen hat das Rauchen?
Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums zufolge belastet das Rauchen die Sozialversicherungen enorm und verursacht jährlich einen finanziellen Schaden von rund 79 Milliarden Euro. Tabakkonsum führt in Deutschland jährlich zum Tod von etwa 110.000 Menschen.
Passiv mitzurauchen, könne besonders für Kinder schlimme Folgen haben, sagte Medizinerin Ursula Felderhoff, die in Essen Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde am dortigen Universitätsklinikum ist. Sie rate Eltern dazu, grundsätzlich nicht in Anwesenheit eines Kindes zu rauchen. Gerade für neugeborene Babys im ersten Lebensjahr sei das passive Rauchen auch ein Risikofaktor für plötzlichen Kindstod.











