Der Zollkonflikt mit den Vereinigten Staaten hängt wie ein Damoklesschwert über Europa – das gilt für Firmen, Arbeitnehmer und Politik gleichermaßen. Sollte US-Präsident Donald Trump ernst machen und wie angekündigt im großen Stil zusätzliche Abgaben auf Einfuhren aus der Europäischen Union erheben lassen, müssten die Europäer umgehend mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren. Bei einem ausgewachsenen Handelskrieg kann es nur Verlierer geben, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Europäer zumindest wissen das.

Zwischen der Europäischen Union und den USA bestehen die umfangreichsten Handelsbeziehungen weltweit. Ein ausgewachsener Handelskrieg könnte beide Wirtschaftsmächte in eine Rezession stürzen.
Zwischen der Europäischen Union und den USA bestehen die umfangreichsten Handelsbeziehungen weltweit. Ein ausgewachsener Handelskrieg könnte beide Wirtschaftsmächte in eine Rezession stürzen.© BELGA/dpa | Nicolas Maeterlinck

So gesehen ist es eine gute Nachricht, dass die von Trump erst am Freitag angekündigten Zusatzzölle in Höhe von 50 Prozent erst einmal nicht kommen – zumindest nicht bis zum 9. Juli. Beide Seiten streben eine Verhandlungslösung für den Zollkonflikt an. Am Wochenende gab es ein längeres Telefonat Trumps mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das offenbar konstruktiv verlief. Wohin das alles führen wird, ist freilich vollkommen offen. Man hat es schließlich mit Donald Trump zu tun. Ihm Sachkenntnis und eine langfristig angelegte Strategie zu unterstellen, wäre vermutlich zu viel der Ehre. Auf die Ankündigung neuer Zölle folgte bisher stets ein Rückzieher.

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Politik-Korrespondent Thorsten Knuf© Funke Foto Services | Reto Klar

Für die Europäer heißt das: Cool bleiben, Provokationen unterlassen, weiterverhandeln, auf Trumps Umfeld einwirken. Und ruhig immer wieder mal die eigenen Folterwerkzeuge vorzeigen. Die Amerikaner können den EU-Staaten in Sachen Handel sehr weh tun. Umgekehrt gilt das aber genauso. Wenn Trump seine eigene Wirtschaft nicht ruinieren und der Inflation keinen weiteren Schub verpassen will, wird er sich auf einen Deal einlassen müssen. Dass er sich unabhängig vom Inhalt danach zum Sieger erklären wird, ist sowieso klar.