Der nächste Eklat im Weißen Haus: Nach dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj führte US-Präsident Donald Trump nun seinen südafrikanischen Amtskollegen Cyril Ramaphosa öffentlich im Weißen Haus vor. Statt auf versöhnliche Töne zu setzen, überraschte Trump seinen Gast mit einer provokanten Präsentation: Er erhob erneut den Vorwurf, Südafrika begehe einen „Genozid“ an weißen Farmern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im Oval Office ließ der US-Präsident vor laufenden Kameras plötzlich das Licht dimmen und ein Video abspielen, das Trump zufolge Gräber am Straßenrand in Südafrika zeigen soll. „Es ist ein schrecklicher Anblick. So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Trump. Ramaphosa reagierte irritiert: „Hat man Ihnen gesagt, wo das ist, Herr Präsident? Ich würde gerne wissen, wo das ist, denn das habe ich noch nie gesehen.“ Er versprach, die Herkunft der Aufnahmen prüfen zu lassen.

Trump hielt auch ausgedruckte Artikel über angebliche Gewalt an weißen Landwirten in die Höhe, ging die Seiten einzeln durch und kommentierte dazu: „Tod, Tod, Tod.“ Am Ende übergab er seinem Amtskollegen den Stapel an Papieren. 

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USA: Donald Trump wirft Südafrika einen „Genozid“ vor

Die Beziehungen zwischen den USA und Südafrika sind seit Monaten belastet – insbesondere wegen Trumps wiederholter Behauptung, Südafrika begehe einen „Genozid“ an weißen Farmern. Der US-Präsident beklagt eine Diskriminierung weißer Minderheiten, insbesondere der sogenannten Afrikaaner, Nachfahren niederländischer Siedler.

Donald Trump trifft auf Südafrikas Präsident Ramaphosa in Washington
US-Präsident Donald Trump trifft Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa im Oval Office des Weißen Hauses und zeigt ausgedruckte Artikel.© Evan Vucci/AP/dpa | Evan Vucci

Hintergrund von Trumps Vorwürfen ist ein Gesetz zur Landenteignung im öffentlichen Interesse. Es erlaubt in bestimmten Fällen die entschädigungslose Enteignung – ein Versuch, historische Ungleichheiten zu korrigieren. Denn bis heute befindet sich der Großteil der landwirtschaftlichen Flächen in den Händen der weißen Minderheit.

Experten weisen „Genozid“-Vorwürfe zurück

Fachleute widersprechen Trumps Darstellung: Der angebliche „weiße Genozid“ sei eine rechtsextreme Verschwörungstheorie. Auch die südafrikanische Regierung hat die Vorwürfe wiederholt als falsch zurückgewiesen.

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Anfang Februar hatte die US-Regierung Entwicklungshilfen für Südafrika eingefroren, im März wurde der südafrikanische Botschafter in Washington ausgewiesen. Kürzlich nahmen die USA eine Gruppe weißer Südafrikaner auf und gewährten ihnen Flüchtlingsstatus – ein Schritt, den Südafrika scharf kritisierte.
Ramaphosa reiste schließlich nach Washington, mit dem Ziel, die Spannungen abzubauen. „Wir möchten die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern neu ausrichten“, sagte er beim Treffen mit Trump.

Präsident von Südafrika gab sich versöhnlich

Ramaphosa gab sich betont versöhnlich. Er sei bereit, über alles zu reden – ohne das Beisein von Reportern. Ramaphosa lud Trump zu einem Staatsbesuch nach Südafrika ein und bot wirtschaftliche Kooperationen an – etwa beim Zugang zu seltenen Erden.

Zusätzlich versuchte er, Trump mit Witzen zu gewinnen, und machte politische Angebote. Zum Auftakt des Treffens überreichte er Trump ein „fantastisches“ Buch über Südafrikas Golfplätze. „Ich möchte Ihnen unsere Golfplätze vorstellen“, warb Ramaphosa. Trump ist ein leidenschaftlicher Golfer. „Ich bin also bereit“, sagte Ramaphosa.

Trump hält an Vorwurf fest: „Muss gelöst werden“

Auch bei einem anderen Thema versuchte es der Gast mit Humor. Als Trump auf ein mögliches Geschenk Katars – einen umgebauten Jumbojet – angesprochen wurde, sagte Ramaphosa augenzwinkernd: „Es tut mir leid, dass ich kein Flugzeug für Sie habe.“ Trump erwiderte: „Wenn Ihr Land der Luftwaffe der Vereinigten Staaten ein Flugzeug anbieten würde, würde ich es annehmen.“

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Trotz aller Bemühungen Ramaphosas kehrte Trump mehrfach zu seinen Vorwürfen zurück. Er sprach von einer „sehr traurigen Sache“ und mahnte: „Das muss gelöst werden.“ Sollte das gelingen, seien die Perspektiven für das bilaterale Verhältnis „fantastisch“.

Teilnahme Trumps am G20-Gipfel weiter offen

Immerhin zeigte sich Trump am Ende gesprächsbereit: Auf die Frage, ob er im November am G20-Gipfel in Johannesburg teilnehmen werde, hielt sich der Präsident eine Teilnahme offen. Die USA müssten sowohl bei G7 als auch bei G20 vertreten sein, sagte er – eine klare Zusage blieb aber aus.

News aus den USA

Noch im April hatte Trump angedeutet, den Gipfel zu boykottieren. In den Wochen zuvor hatten Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent bereits vorbereitende Treffen mit ihren G20-Kollegen in Südafrika abgesagt. Kurz vor Ramaphosas Besuch erklärte Rubio im US-Senat, die USA würden 2025 nicht auf Minister- oder Präsidentenebene am G20-Gipfel teilnehmen – wegen kritischer Punkte auf der Agenda des Treffens.

dpa/AFP/kath