Auf 1400 Metern Höhe und mit Blick auf schneebedeckte Gipfel betritt Lars Klingbeil die Weltbühne. Der deutsche Vizekanzler ist ins kanadische Ski-Ressort Banff gereist. In dem malerischen Ort am Osthang der Rocky Mountains treffen sich die Finanzminister und Zentralbank-Chefs der G7-Staaten. Nach nur zwei Wochen im Amt ist Klingbeil der Neue in der Runde. Für ihn bricht damit ein neues Kapitel in seiner Laufbahn an.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Als SPD-Chef war Klingbeil bisher in der deutschen Politik eine Größe. Er spielte Bundesliga. Die wichtigsten Sozialdemokraten von internationaler Bedeutung sind in der vergangenen Legislaturperiode Kanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius gewesen. In seiner neuen Rolle als Vizekanzler ist der 47-jährige Klingbeil jetzt in der politischen Champions League angekommen. Als Finanzminister der größten Wirtschaftsmacht Europas können seine öffentlichen Aussagen den Euro-Kurs in Bewegung bringen. Anleger, Investoren, Banken und Finanzmedien hören nun genau hin, wenn Klingbeil redet.

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Dass ihr öffentliches Wort jetzt ein ganz anderes Gewicht hat und international für Aufsehen sorgt, gilt auch für andere Mitglieder der schwarz-roten Bundesregierung. Außenminister Johann Wadephul hatte bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Marco Rubio freimütig davon gesprochen, dass Deutschland die Pläne von US-Präsident Donald Trump unterstütze, in der Nato künftig fünf Prozent der nationalen Wirtschaftskraft für Verteidigung und Sicherheit im weiteren Sinne auszugeben – bisher sind es zwei Prozent allein für Rüstung.

Lars Klingbeil: Als Finanzminister verwaltet der SPD-Chef Milliarden

Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankgouverneure
Lars Klingbeil in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten auf dem Flug von Berlin zum Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankgouverneure in Banff in Kanada.© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld

„Nicht abgestimmt“, hieß es danach irritiert aus der schwarz-roten Koalition. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Klingbeil bremsten öffentlich und verwiesen auf die noch nicht abgeschlossenen Beratungen vor dem Nato-Gipfel in gut einem Monat. Solche Fehler will Klingbeil nicht machen.

Die Kollegen aus den anderen großen Industriestaaten wollen in Banff von ihm wissen, was die neue Bundesregierung plant, um die schwächelnde deutsche Wirtschaft aufzurichten. Sie möchten von dem Finanzminister aus Berlin mehr über die riesigen Schuldenpakete erfahren, mit denen Deutschland die Bundeswehr aufrüsten und seine bröckelnde Infrastruktur auf Vordermann bringen will. Wenn Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in Person von Klingbeil riesige Milliardensummen auf Pump investiert, schauen andere Staaten genau hin.

Finanzminister Klingbeil gibt im Kreis der G7-Kollegen sein Debüt auf großer Bühne

G7 Finance Ministers and Central Bank Governors’ Meeting
Der kanadische Winterskiort Banff in Kanada.© AFP | Cole Burston

Nach der sich selbst blockierenden Ampel-Koalition will die neue Bundesregierung an die Partner in Europa und der Welt die Botschaft senden, dass in Berlin jetzt wieder regiert werde. „Deutschland trägt seinen Teil zur Stärkung des globalen Wachstums bei“, verspricht Klingbeil den G7-Kollegen aus den USA, Kanada, Italien, Frankreich, Großbritannien und Japan. „Wir werden massiv investieren, mit Strukturreformen den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und Arbeitsplätze sichern.“

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#9 Lars Klingbeil über seinen Soldatenvater und das Sterben im Krieg
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Klingbeil hat ein Faible für Außenpolitik, dennoch begeht er sein Debüt im Kreis der Partnerstaaten mit Respekt. Er will nun schnell Kontakte knüpfen, Vertrauen schaffen. „Es ist gut, die Finanzministerinnen und Finanzminister der G7 jetzt umgehend persönlich zu treffen“, sagt der Sozialdemokrat über seine Kanada-Reise. „Mit vielen hatte ich in den vergangenen Tagen schon Kontakt, das persönliche Treffen ist jedoch immer noch wichtiger.“ Seine Gespräche führt Klingbeil auf Englisch, er beherrscht die Sprache gut. In seinem Lebenslauf stehen mehrere USA-Aufenthalte, einen Dolmetscher benötigt er nicht.

Das Finanzministerium verschafft Klingbeil die größte Macht in der Merz-Regierung

Klingbeil macht aber keinen Hehl daraus, dass er noch viel lernen muss, um alle Einzelheiten seines neuen Tätigkeitsfelds zu kennen und zu verstehen. Als Finanzpolitiker war Klingbeil bisher nicht aufgefallen. Aber in keinem anderen Ministerium ist sein Einfluss in der von einem CDU-Kanzler geführten Regierung so groß wie in dem Ressort, das den Bundeshaushalt aufstellt. Seit seinem Amtsantritt im Finanzministerium hat sich Klingbeil viele Akten bringen lassen und die Ordner auch am Abend zu Hause durchgearbeitet. Steuerschätzung, Haushalt und jetzt internationale Finanzpolitik. Die Themen überschlagen sich.

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Vor dem Treffen in Kanada haben die Expertinnen und Experten im Finanzministerium ihren neuen Chef akribisch vorbereitet – besonders auf schwierige Gespräche zur internationalen Zoll- und Handelspolitik. Die anderen G7-Staaten hoffen, die US-Regierung von einer endgültigen Abkehr von Trumps Zollkurs zu überzeugen.

Klingbeil will US-Kollegen vor Trumps Zollpolitik warnen

Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankgouverneure
Lars Klingbeil und US-Finanzminister Scott Bessent in Banff.© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld

Der Machthaber im Weißen Haus hatte mit hohen Aufschlägen auf ausländische Waren die Börsen weltweit ins Wanken gebracht. Deutschland und andere Handelspartner warnten vor verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft. Die US-Aufschläge für europäische Produkte hat Trump inzwischen ausgesetzt – aber nicht aufgehoben.

Ob sich die G7-Staaten bis Abschluss des Treffens in Kanada am Donnerstag in der Frage auf eine gemeinsame Position einigen können, ist offen. Klingbeil traf seinen US-Kollegen Scott Bessent in den Rocky Mountains zu einem Gespräch unter vier Augen. Klingbeil unterstrich dabei nach Angaben der deutschen Delegation, dass die Handelsstreitigkeiten zum Wohle aller schnellstmöglich beigelegt werden sollten, da diese Unternehmen und Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks bedrohten. Klingbeils Hoffnung ist, dass der Finanzminister nach seiner Rückkehr aus Banff Gehör bei Präsident Trump findet. Ob die Botschaft bei Bessent auf Interesse stieß, blieb zunächst offen. Immerhin: Der US-Minister lud Klingbeil nach Washington ein.