Es gab Zeiten, da war Elon Musk so etwas wie der Zwillingsbruder (von einer anderen Mutter) Donald Trumps. Im Wahlkampf 2024 und nach der Amtseinführung im Januar war der reichste Mann der Welt und Multi-Unternehmer der Schatten des egomanischen Republikaners. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Er vertiefte mit seinem 200 Millionen Leute erreichenden Megafon auf seiner Kommunikationsplattform X dessen Propaganda, zog bereitwillig die Pfeile der politischen Opposition auf sich, die dem 47. US-Präsidenten gelten und führte sich rund um die Uhr als Ober-Maga-Rumpelstilzchen auf. Der gebauchpinselte Trump honorierte die Ehrerbietung (und die über 200 Millionen Musk-Dollar für seinen Wahlkampf) mit Lobeshymnen und Spezialaufträgen; etwa dem Amt des Sonderbeauftragten für Kostensenkung im Staatsapparat. 

News aus den USA

Mit der politischen Verbindung ging über viele Wochen ein sozialmedialer Tsunami einher. Trump und Musk dominierten das Internet, wie es noch nie zuvor zwei Einzelpersonen gelungen war. Das ist Geschichte.

Musks rasanter Machtverlust im Trump-Universum

Binnen weniger Wochen ist Musks Präsenz als omnipotenter Präsidenten-Einflüsterer auf Bonsai-Format geschrumpft. Trump und seine Leute reden kaum mehr über den 53-Jährigen, der für die Causa Trump in Kauf nahm, dass seine Kernfirma, der E-Auto-Riese Tesla, massive Beulen kassierte und weltweit Marktanteile verlor. 

Die Tage, als Musk wie selbstverständlich den zu Trump-Gottesdiensten mutierten Kabinettssitzungen beiwohnte und dort das Wort führte, sind perdu. Ebenso seine sehr speziellen Besuche im Oval Office, zu denen sich Musk gerne X Æ A-Xii auf die Schultern pflanzte, eines seiner 14 Kinder von vier Müttern. 

Republican presidential nominee Donald Trump holds a rally at site of first assassination attempt
Die Zeiten, in denen Multi-Unternehmer Elon Musk der Schatten von Donald Trump war, sind wohl endgültig vorbei. © AFP | JIM WATSON

Wie aus einer anderen Zeit wirkt auch die Werbeveranstaltung, zu der Trump die Hauptstadtpresse aufs Gelände des Weißen Hauses eingeladen hatte, um nagelneue Tesla-Exemplare anzupreisen und später auf seinem Propaganda-Kanal Truth Social darüber zu schwelgen.

Warum Trump plötzlich auf Distanz geht

Dort ruht inzwischen still der See. Nahm Trump im Februar und März in allen möglichen Zusammenhängen wöchentlich rund viermal lobend den Namen Musk in den Mund, haben US-Medien nachgezählt, erwähnte Potus seinen vorübergehend heimlichen Vizepräsidenten seit April überhaupt nicht mehr.  

Die Gründe sind offenkundig. Trumps Beliebtheitswerte im Volk sind gemessen an der noch jungen Amtszeit überaus bescheiden. Die von Musk, der sich als Chef der Spar-Kommissar-Truppe Doge quer durch den Staatsapparat erbitterte Feinde gemacht hat, sind noch entschieden schlechter.

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Crash mit der Realität
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Kein Missverständnis: Die Mehrheit der Amerikaner ist nicht gegen den Versuch, aus dem Ruder laufende Staatsausgaben mit Sinn und Verstand zu kappen. Aber wie sämtliche Umfragen beweisen, empfindet die gleiche Mehrheit die Art und Weise, wie Musk mit Trumps Duldung schlau gemachte Jüngelchen auf Ministerien und Staatsagenturen losgelassen hat, um im Handstreich Etats zu löschen und Tausende Angestellte mit stillosen E-Mails auf die Straße zu setzen, als Unverschämtheit sondergleichen.

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Bürgerversammlungen von republikanischen Abgeordneten, die alle paar Wochen zum Rapport in ihre Wahlkreise reisen, enden regelmäßig in Schrei-Orgien. Konservative Wählerinnen und Wähler, die mittelbar oder unmittelbar von der Rasenmäher-Methode der Musk-Kolonne betroffen sind, brüllten ihren Unmut über die Arroganz des Mega-Milliardärs heraus, der im Wochentakt vermeldete, wo wieder Staatsdiener auf sein Geheiß in die Wüste geschickt wurden. Trump pflegte darauf gern so zu antworten: „Ich liebe Elon Musk! Die Medien wollen uns auseinanderbringen, aber das funktioniert nicht. Er ist großartig.“ Wirklich?

Musk im Weißen Haus
Binnen weniger Wochen ist Musks Präsenz als omnipotenter Präsidenten-Einflüsterer auf Bonsai-Format geschrumpft. © DPA Images | Alex Brandon

Von diesem Treueschwur ist nicht mehr viel zu hören. Die Absenzen von Musk, dessen Tesla-Anteilseigner zeitweilig das Gefühl hatten, der Boss begehe Fahnenflucht und lasse die Firma vor die Wand fahren, gehen so weit, dass einzelne Trump-Fans bereits Phantomschmerzen geltend machen. „Ich vermisse ihn“, sagte John Kennedy, Senator aus Louisiana, dem Magazin „Politico“. 

„Genug gegeben“: Musks Rückzug aus der politischen Finanzfront

Kennedy könnte demnächst noch mehr Grund zum Lamento haben. Auf einem Wirtschaftsforum in Katar erklärte Musk gerade, wo künftig seine Prioritäten liegen: Er will mindestens noch fünf Jahre bei Tesla am Steuer sitzen. Und er will, was mit Blick auf die Kongress-Zwischenwahlen im Herbst nächsten Jahres wichtig ist, nicht mehr seine beispiellos gefüllten Schatulle für die Politik öffnen. „Was Parteispenden angeht, werde ich in der Zukunft viel weniger machen“, sagte Musk in einem Video-Interview, „ich denke, ich habe genug gegeben.“ Mit knapp 300 Millionen Dollar für republikanisches Personal, den Löwenanteil davon für Trump, hatte sich Musk im Wahljahr 2024 unangefochten an die Spitze der größten Gönner in der amerikanischen Parlamentsgeschichte gesetzt. 

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Geld, das nach Berechnungen von US-Wirtschaftsmedien aber blendend angelegt war. Nach Trumps Inauguration profitierte Musks Firmenkonglomerat in hoher dreistelliger Millionenhöhe von Staatsaufträgen, etwa von der Weltraumagentur Nasa für sein nach den Sternen und dem Mars greifendes Unternehmen SpaceX. Auch bei Trumps erster großer Auslandsreise in den Mittleren Osten klingelte für Musk die Kasse.

Darum kann Musk verschmerzen, was ihm unlängst die Wähler im Käse-Bundesstaat Wisconsin verabreichten – eine Riesen-Klatsche. Musk wollte im Sinne Trumps mit viel Wahlkampfgeld am Obersten Gerichtshof in Madison einen Konservativen „kaufen”. Die liberale Gegenkandidatin Susan Crawford gewann haushoch. Musk war bis auf die Knochen blamiert. Trump kann so etwas gar nicht leiden.