Mitten in Manhattan beschmierten am Dienstag Aktivisten einen Verkaufsraum des US-E-Autobauer Tesla. In großen Buchstaben pinselten sie DOGE auf die Schaufenster und strichen es anschließend durch. Mit dem Department of Government Efficiency (DOGE), der Behörde, die die amerikanische Verwaltung mit groß angelegten Personalabbau- und Sparprogrammen auf Effizienz trimmen soll, hatte Tesla-Chef Elon Musk zuletzt immer wieder für Kontroversen gesorgt. Die radikalen Kürzungen sorgen seit Wochen dafür, dass es immer wieder zu Vandalismus kommt, Teslas angezündet und Verkaufsräume beschädigt werden. Manche Tesla-Fahrer greifen bereits zu Aufklebern mit Sprüchen wie „Ich habe dieses Auto gekauft, bevor Elon verrückt wurde“.

Extinction Rebellion besprühen das Fenster eines Tesla Ausstellungsraums in New York
Aktivisten besprühten am Dienstag einen Tesla-Verkaufsraum in New York.© ddp/ZUMA | Gina M Randazzo

Ignorieren kann Musk solche Vorfälle offenbar nicht länger. Am Dienstagabend musste er katastrophale Zahlen für den US-E-Autopionier vorlegen. Im ersten Quartal brach der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 71 Prozent ein. Auch beim Umsatz stand ein Minus von neun Prozent zu Buche, nur rund 19 Milliarden Dollar setzte Tesla von Januar bis Ende März um. Analysten hatten mit rund zwei Milliarden Euro mehr gerechnet. Zudem wurden nur noch 336.681 Autos verkauft, knapp 159.000 Teslas weniger als im Vorquartal.

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Elon Musk zog noch am Abend die Konsequenz: Er will künftig weniger Zeit an der Seite von US-Präsident Donald Trump verbringen und stattdessen Tesla zurück auf die Überholspur führen. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sind die Gründe für den Einbruch?

Mit seinem radikalen Sparprogramm hat Musk viele Amerikaner gegen sich aufgebracht. Doch auch in Europa, wo Musk zuletzt immer lautstärker für rechtsnationale Parteien und Politiker warb, in Deutschland beispielsweise mehrfach für die AfD, wenden sich gewisse Käufergruppen von Musks Firma ab. „Das hat eine negative Auswirkung auf das Tesla-Image – und auch auf die Verkaufszahlen“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM).

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Kontroversen um Musks politische Aktivitäten sind allerdings nicht die einzigen Gründe. Auch viele europäische Autobauer haben derzeit mit massiven Absatzproblemen zu kämpfen. Die getrübte Weltkonjunktur sorgt für schlechte Absatzzahlen, hinzu kommt der von Donald Trump angezettelte Zoll-Streit. Elon Musk gilt als Gegner der Zollpolitik, warb unter anderem für eine Freihandelszone zwischen Europa und den USA. Auch Tesla ist auf Zuliefererteile aus anderen Ländern, vor allem aus Mexiko, angewiesen und muss wie andere Hersteller auch auf Autoimporte 25 Prozent Strafzölle zahlen.

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Zugleich werden die Wettbewerber immer stärker, vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt sind heimische Hersteller immer beliebter. BYD etwa hat im ersten Quartal 986.000 Fahrzeuge verkauft, fast dreimal so viele wie Tesla. Und auch Xiaomi wird mit derzeit knapp 76.000 Verkäufen zu einem aufstrebenden Konkurrenten. Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte und Direktor CAR-Center Automotive Research, sieht hier ein strategisches Versäumnis: Musk habe die chinesische Konkurrenz zu lange unterschätzt. „Das rächt sich bitter.“ In Europa sieht es kaum besser aus. Auch hier holen andere Hersteller auf. „Tesla ist nicht mehr allein, und der Unterschied zu anderen Marken wird kleiner“, sagt Bratzel.

Das liegt auch daran, dass es Tesla an Innovationen mangele. Neue Modelle sollen erst 2026 kommen. „Insofern ist kurzfristig nicht mit einer dramatischen Verbesserung zu rechnen – auch die zweistelligen Gewinnmargen dürften vorerst nicht zurückkehren“, sagt Bratzel.

Nach dem Gewinneinbruch bei Tesla kündigte Elon Musk nun an, zukünftig wieder mehr Zeit in seine Rolle als Tesla-Geschäftsführer zu investieren.
Nach dem Gewinneinbruch bei Tesla kündigte Elon Musk nun an, zukünftig wieder mehr Zeit in seine Rolle als Tesla-Geschäftsführer zu investieren. © AFP | SAUL LOEB

Hinzu kommt: Anfang des Jahres hatte Tesla weltweit die Produktionslinien für die neue Version des Model Y umgerüstet. Während der Umstellung stand die Produktion wochenlang still. Gleichzeitig sank der Anreiz für potenzielle Käufer, sich eine neue Ausgabe der bisherigen Variante zu sichern. Auch das dürfte zum aktuellen Absatzeinbruch beigetragen haben.

Wird sich Elon Musk nun ausschließlich um Tesla kümmern?

Nein. Zwar will Musk seine Zeit als Regierungsberater reduzieren, ganz ausscheiden will er aber nicht. Pro Woche wolle er an ein bis zwei Tagen der Tätigkeit noch nachgehen. Zumindest, wenn US-Präsident Donald Trump das wolle, sagte Musk. Er selbst hält sich offenbar für unverzichtbar: Würde er seine Regierungsaufgaben komplett niederlegen, würden Verschwendung und Betrug, die unter seiner Mitwirkung eingedämmt worden sein, wieder zurückkommen, sagte Musk.

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Davon ab hat sich Musk auch schon vor seiner Zeit an der Seite von Trump nie ausschließlich um Tesla gekümmert. Musk ist Chef einer ganzen Reihe von großen Unternehmen, die bekanntesten sind neben der US-E-Automarke das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das neben wiederverwertbaren Raketen unter anderem das Satellitennetzwerk Starlink betreibt, und das Netzwerk X (vorher Twitter). Aber auch Firmen wie das auf Gehirnchips spezialisierte Neuralink oder die Tunnelbaufirma The Boring Company, mit der Musk Städte untertunneln und dort elektrisch betriebene Passagier-Fahrzeuge in solchen sogenannten Loops betreiben will, gehören zu seinem Imperium.

Wie reagierte die Tesla-Aktie?

Sie machte einen Sprung – und zwar nach oben. Sie notierte am Mittwoch acht Prozent höher. Wie kann das angesichts des Zahlenwerks sein? Zum einen waren die schlechten Ergebnisse wohl bereits eingepreist, die eingebrochenen Verkaufszahlen waren zu großen Teilen bereits bekannt. Die Wertpapiere des E-Autobauers haben seit Jahresbeginn rund 40 Prozent eingebüßt. Zum anderen bewerten Investoren offenbar Musks Ankündigung als positiv, sich wieder mehr um Tesla kümmern zu wollen.

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Eine Hoffnung: Wenn sich Musk wieder mehr um Tesla kümmert, steigen womöglich die Chancen, mit den geplanten autonomen Fahrzeugen, den sogenannten Robo Taxis, erfolgreich zu sein. Ende Juni sollen in Austin 10 bis 20 Model Y-Teslas als autonomer Taxidienst im texanischen Austin im Einsatz sein. Ab dem kommenden Jahr will Musk Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale produzieren lassen.

Hierzu sagt Bratzel: „Musk hat als Initiator viele Impulse bei Tesla gesetzt, doch dieser Antrieb fehlte in den letzten Jahren.“ Zu sehr habe er sich auf andere Firmen wie X konzentriert – das habe Tesla geschadet. „Er muss sich entscheiden, ob er wirklich als CEO von Tesla aktiv bleiben möchte und diese Rolle wieder ernsthaft ausfüllt oder ob er sie irgendwann abgibt.“

Autoexperte Dudenhöffer ist dennoch skeptisch: Zu viel Porzellan sei zerschlagen worden, die Kapriolen von Musk seien ein Baustein des Niedergangs. Er meint daher: „Weniger Elon Musk ist mehr Tesla.“

Was bedeutet die Entwicklung für Grünheide?

Zunächst nichts. Trotz des massiven Absatzeinbruchs hält das Unternehmen an seinem Produktionsstandort in Brandenburg fest. „Es gibt keinerlei Planungen für Produktionsstillstände, Personalabbau oder Kurzarbeit in Grünheide“, betonte Werksleiter André Thierig zuletzt gegenüber dem „Tagesspiegel“. Die Produktion im Werk in Grünheide werde nach der Umstellung auf das neue Model Y gerade wieder hochgefahren.

Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) hatte erklärt: „Bei Tesla muss man zum jetzigen Zeitpunkt festhalten, dass sie weiter produzieren und nach unserem Kenntnisstand nicht vorhaben, Arbeitsplätze abzubauen.“ Die Fabrik beliefert mittlerweile 37 Märkte weltweit.

Aber: „Falls sich der Absatz des Model Y nicht erholt, wird die Kapazität in Grünheide weiter heruntergefahren“, warnt Autoprofessor Bratzel. Eine direkte Bedrohung des Werkes sei jedoch derzeit nicht zu befürchten.