Lars Klingbeil tastet sich durch seine ersten Tage als Finanzminister. Der SPD-Chef und Vizekanzler hat sich einen Überblick in seinem Ministerium verschafft, ist bereits bei einem Treffen mit seinen europäischen Kolleginnen und Kollegen gewesen. In wenigen Tagen geht es für ihn zu Beratungen der G7-Finanzminister nach Kanada.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Im Bundestag hat der 47-Jährige zudem seine Regierungsvorhaben vorgestellt. „Ich freue mich über Ihr neues Interesse an Haushalts- und Finanzpolitik“, witzelte bei der Gelegenheit der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak. Aber wenigstens sei Klingbeil von guten Freunden „treu und still umgeben“. Banaszak spielt damit auf zwei kritische Erzählungen über Klingbeil an, die den Sozialdemokraten in diesen Tagen begleiten.

Erstens ist der Niedersachse in seiner bisherigen Karriere nicht als Finanzexperte aufgefallen, sein Interesse galt eher außen- und sicherheitspolitischen Themen. Klingbeil könnte in dem Amt fachlich überfordert sein, mutmaßen Kritiker.
Zweitens hat Klingbeil in den vergangenen Wochen wichtige Posten in Partei, Bundestagsfraktion und Regierung mit einer Reihe von Getreuen und Weggefährten besetzt. Die Rede ist von einer „Klingbeilisierung“ der SPD, der bekannte Sozialdemokraten wie beispielsweise Hubertus Heil oder Karl Lauterbach zum Opfer gefallen seien.
Björn Böhning: Ein Vertrauter aus Juso-Zeiten nimmt zentrale Rolle ein
Aber wem vertraut Lars Klingbeil in seinem direkten Umfeld? Zum einen ist Björn Böhning zu nennen, der als verbeamteter Staatssekretär im Finanzministerium eine zentrale Rolle spielt. Der 46-Jährige soll für den Vizekanzler die Zusammenarbeit in der schwarz-roten Regierung managen und die sieben von der SPD geführten Ministerien koordinieren.

Böhning ist der Gegenpart zu Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU). Je reibungsloser die beiden – auch miteinander – arbeiten, desto weniger Krach dürfte es in der Koalition geben. Das ist nach den teils chaotischen Ampel-Jahren schließlich das erklärte Ziel von Union und SPD.
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Für Böhning ist es ein Comeback in der Bundespolitik. Der frühere Juso-Chef leitete sieben Jahre lang die Berliner Senatskanzlei, bevor er von 2018 bis 2022 Staatssekretär im Arbeitsministerium war. Es folgte ein Abstecher in die Kulturbranche als Geschäftsführer der Allianz deutscher Film- und Fernsehproduzenten, bis Klingbeil Böhning nun in sein Team holte. Die beiden kennen und vertrauen sich seit gemeinsamen Juso-Zeiten vor rund zwei Jahrzehnten.
Im Kosmos-Klingbeil gibt es den doppelten Steffen Meyer
Auf einen alten Vertrauten setzt Klingbeil auch auf dem Posten des Vize-Regierungssprechers, den die SPD als zweitgrößter Koalitionspartner stellt. Die Aufgabe übernimmt Steffen Meyer: Der 39-Jährige stammt nicht nur wie Klingbeil aus Niedersachsen, die beiden teilen auch eine Vorliebe für den FC Bayern München. Als Bayern-Kenner unterhielt Meyer bisher sogar einen eigenen Kanal auf X rund um den Rekordmeister.
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Der Vizekanzler und der neue stellvertretende Regierungssprecher kennen sich seit gut 15 Jahren. Meyer gilt als der „Stratege“ in Klingbeils Umfeld. Der Vater von drei Kindern begann als Mitarbeiter in Klingbeils Bundestagsbüro. Später hielt er seinem Chef als Büroleiter den Rücken frei, nachdem Klingbeil zum SPD-Generalsekretär aufgestiegen war. Von einer Zwischenstation bei einer internationalen Kommunikationsberatung kehrte Meyer 2023 als Chef der Abteilung „Strategisches Zentrum“ in die SPD-Parteizentrale zurück.

Nicht zu verwechseln ist der Stratege Steffen Meyer mit dem gleichnamigen Staatssekretär im Klingbeil-Ministerium. Der 57 Jahre alte Steffen Meyer ist Haushalts- und Finanzexperte, der bereits zu Zeiten von Finanzminister Olaf Scholz im Ministerium arbeitete. 2022 folgte Meyer Scholz als Abteilungsleiter für Wirtschafts-, Finanz- und Klimapolitik ins Bundeskanzleramt und gehörte damit zum engsten Beraterkreis des Kanzlers.
Vizekanzler Klingbeil: Scholz-Vertraute steht ihm zur Seite
Nach dem Rauswurf von FDP-Chef Christian Lindner als Ampel-Finanzminister wechselte Meyer als Staatssekretär zurück ins Finanzministerium und war dort für den Bundeshaushalt zuständig. Seine Expertise wird für Klingbeil unverzichtbar sein, wenn er bis Ende Juni den Etat für das laufende Jahr und bis Jahresende den Haushalt für 2026 verhandeln muss. Bei der Vorstellung der Steuerschätzung am Donnerstag überließ Klingbeil dem Fachmann mehrfach die Antwort auf technische Fragen.
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Auf Expertise aus dem Scholz-Team setzt Klingbeil auch mit Jeanette Schwamberger, die das Büro des Kanzlers leitete. Nun ist Schwamberger als verbeamtete Staatssekretärin für Europa zuständig. Aus dem Bauministerium holte Klingbeil Staatssekretär Rolf Bösinger, der den Bereich Steuern übernimmt. Aus der SPD-Bundestagsfraktion rekrutierte Klingbeil den Haushaltsexperten Dennis Rohde und den Steuerfachmann Michael Schrodi als Parlamentarische Staatssekretäre.

Zwei Kommunikationsprofis im engsten Umfeld von Lars Klingbeil
Schließlich zählen zum engsten Umfeld von Lars Klingbeil noch zwei Medienprofis. Bianca Walther ist als Klingbeils Sprecherin seit sechs Jahren an seiner Seite. Die 35-Jährige hält in der SPD-Zentrale die Stellung.

Im Finanzministerium spricht Maximilian Kall für den neuen Minister. Der 41-Jährige war bisher Sprecher von Nancy Faeser (SPD) im Innenministerium, auch für ihn ist die Finanzpolitik Neuland.

Allerdings gilt Kall als versierter Kommunikator, der bereits für SPD-Ministerinnen im Justiz- und im Familienministerium die Öffentlichkeitsarbeit verantwortete. Kall ist ab sofort ein zentraler Akteur im Klingbeil-Kosmos.








