Als US-Justizminister Robert F. Kennedy im März 1963 die Schließung von Alcatraz befahl, galten die immensen Betriebskosten als wichtigster Grund, um die Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco aufzugeben.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Frischwasser, Lebensmittel, Treibstoff, Personal – alles musste während des 1934 begonnenen Knast-Betriebs, den insgesamt knapp 1600, aber nie mehr als rund 280 Häftlinge gleichzeitig „genossen” haben, eingeschifft werden. Dreimal mehr Kosten als für ein vergleichbares Bundesgefängnis auf dem Festland. Was den Staatshaushalt enorm belastete.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Seit 50 Jahren bringt das von kalter Meeresströmung, schroffen Felsen und vereinzelten Haien umgebene Eiland dagegen bis zu 60 Millionen Dollar Einnahmen für den „National Park Service” – als Museum, in dem sich Touristen aus der ganzen Welt auf die Spuren von Größen wie Gangster-Boss Al Capone und „Machine Gun Kelly” begeben können. Birdwatcher und Ornithologen schätzen die unter Denkmal- und Naturschutz stehende Insel außerdem als Brutstätte vieler Vogelarten.
Auch interessant
Donald Trump will das Rad jetzt komplett zurückdrehen
Der US-Präsident hat das „Bureau of Prisons”, das Justizministerium und das Heimatschutzministerium angewiesen, gemeinsam mit der Bundespolizei FBI ein Konzept zu erarbeiten, um Alcatraz wieder zu einem funktionierenden und „erheblich vergrößerten” Hochsicherheitsgefängnis zu machen. Dort sollen seinen Worten nach künftig Amerikas „skrupelloseste und gewalttätigste Straftäter” untergebracht werden. Alcatraz werde wieder „als Symbol für Recht, Ordnung und Gerechtigkeit dienen“, sagte der 78-Jährige in Washington.

Wie das Projekt realisiert werden soll, das nach ersten Schätzungen mehrere Jahre in Anspruch nehmen und Baukosten von 250 bis 300 Millionen Dollar verschlingen würde, während Trump das Budget des zuständigen Justizministeriums gleichzeitig um Milliardensummen kürzen will, sagte er nicht.

Trumps schlagzeilenträchtiger Einwurf löste umgehend Kopfschütteln aus. Scott Wiener, demokratischer Senator für San Francisco, bezeichnet die Idee als „völlig absurd“ und als jüngstes Beispiel für das „anhaltend gestörte Verhalten“ des Präsidenten. Ein Sprecher von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom zog Trumps Anordnung ins Lächerliche. „Das sieht so aus, als wäre wieder Ablenkungstag in Washington, D.C.“ Hintergrund: In dieser Woche stehen diverse Berichte über die durch Trumps Strafzollpolitik verschlechterte wirtschaftliche Lage in den USA ins Haus.
Lesen Sie auch
Dass Trump Alcatraz als das sicherste Gefängnis in den USA bezeichnete, stößt bei Kennern sauer auf. 1962 ergriffen dort drei Männer die Flucht. Sie wurden nie gefunden. Ob Frank Morris und die Brüder John und Clarence Anglin den Versuch, mit zusammengeflickten Schwimmwesten und einem Schlauchboot an die fast zwei Kilometer entfernte Küste zu gelangen, überlebt haben, ist bis heute ungeklärt. Sie wurden für tot erklärt. Ihr Ausbruch ist dank Allen West, dem zurückgelassenen Vierten im Bunde, gut dokumentiert ist und diente als Vorbild für den Film „Flucht von Alcatraz” mit Clint Eastwood.
Strafzölle auf auch auf Kinofilme?
Apropos Kino. Auch hier wartet Trump mit einer bemerkenswerten Regieanweisung auf. Sie soll Hollywoods darbende Filmindustrie retten, die nach präsidialer Analyse gerade „einen sehr schnellen Tod stirbt”. Trump will dem mit seinem umstrittenen „Allheilmittel” begegnen: Strafzölle.

Im Ausland produzierte Filme sollen künftig mit einem 100-prozentigen Aufschlag belegt werden. Wie der mit der Umsetzung beauftragte Handelsminister Howard Luttnick das regeln soll, ist der Branche, die kalt erwischt wurde, noch schleierhaft. Filmstudios befürchten das Schlimmste. Sie lagern seit über 20 Jahren Produktionen nach Kanada, England, Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Neuseeland oder Australien aus, wo Steuervergünstigungen locken und die lokale Wirtschaft durch die vorübergehend eingeflogene Hollywood-Maschinerie angekurbelt wird.
News aus den USA
Einige der größten Produktionen des nahenden Sommers, darunter „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ mit Tom Cruise und „Jurassic World Rebirth“, wurden überwiegend oder vollständig außerhalb der Vereinigten Staaten gedreht. Vor allem London hat sich aufgrund seiner Steuergeschenke und blendender Infrastruktur mit großen Tonstudios für englischsprachige Crews zu einer begehrten Hollywood-Alternative entwickelt. Disneys Marvel Studios etwa drehen dort demnächst zwei Fortsetzungen der „Avengers”-Reihe.
Gegenzölle wären verheerend: Hollywood-Studios machen den Großteil ihres Geldes im Ausland
Die sogenannte Post-Production, der filmische Feinschliff, findet oft in USA statt. „Sollte dies der Trump-Regierung nicht reichen”, so Kino-Insider in Washington, „müsste ein Regularium entwickelt werden, ab wann ein Film als Importware gilt – Gerichtsprozesse sind programmiert.” Noch größer wäre der mutmaßliche Schaden, wenn betroffene Länder Gegenzölle verhängen würden. Die meisten Hollywood-Studios machen den Löwenanteil ihres Geld an den Kinokassen im Ausland.
Trump ficht das nicht an. Er sieht die heimische Filmindustrie vor der „Zerstörung” und dadurch die „nationale Sicherheit bedroht”. Insider erwarten, dass Trump seine „Sonderbotschafter” fürs Filmische, die Schauspieler Jon Voight, Mel Gibson und Sylvester Stallone, für den Vorstoß einspannen wird. Aus „down under”, wo etwa Kassenschlager wie „Planet der Affen: New Kingdom” gedreht wurden, wird bereits Widerstand angekündigt. Tony Burke, der australische Kulturminister, will sich Trumps Attacken nicht beugen. Es droht ein Filmriss.















