Linken-Politikerin Heidi Reichinnek ist derzeit Deutschlands beliebteste Politikerin. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sprach sie sich für einen Systemwandel in Deutschland aus. Das derzeitige Wirtschaftssystem führe etwa zu Kinderarmut und Altersarmut, „dann muss ich mich doch fragen, ob der Kapitalismus ein System ist, das funktioniert“, sagte Reichinnek. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Stattdessen plädierte die Linken-Politikerin für einen demokratischen Sozialismus. „In den heutigen Zeiten muss man radikal sein“, sagte Reichinnek. Der Sozialstaat werde „immer weiter ausgehöhlt, der Reichtum von wenigen explodiert“. Auch dadurch sei die Demokratie „ernsthaft bedroht“. „Wer das verhindern will, der darf den Kapitalismus nicht stützen, er muss ihn stürzen. Er muss sich dagegenstemmen und die Systemfrage stellen, ganz klar.“

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Heidi Reichinnek: Demokratischer Sozialismus unterscheidet sich von DDR

Sie habe kein Problem damit, das Wort „Sozialismus“ zu verwenden, fügte die Fraktionschefin der Linken im Bundestag hinzu. Ein „demokratischer Sozialismus“ sei das Ziel der Linken. Dieser unterscheide sich vom System der DDR. „Damit es keinen Zweifel gibt: in der DDR gab es keinen demokratischen Sozialismus“, sagte Reichinnek. Eine historische Kommission habe die Fehler der SED benannt und aufgearbeitet. Parteien wie SPD und CDU hätten hingegen viele SED-Politiker aufgenommen, um ihre Machtbasis zu erweitern.

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Sich selbst bezeichnete die Linken-Politikerin als „bodenständig“. „Was ich verkörpern möchte, ist etwas Ehrliches, auf Augenhöhe“, sagte die 37-Jährige. Wie auch ihre Fraktionskollegen lasse sie sich „nicht davon blenden, was in Berlin so an Polit-Zirkus passiert“. Überhaupt sei die Hauptstadt „nicht meins“, so die Linken-Politikerin. Reichinnek lebt in ihrer Wahlheimat Osnabrück. Dort habe sie seit zehn Jahren ihre Mietwohnung, ihr Umfeld und ihren Partner, den sie nach Wahlkampf und Bundestagswahl jetzt wieder häufiger zu sehen hoffe. Dies sei zuletzt nicht möglich gewesen. „Ich hoffe sehr, das ändert sich wieder“, sagte sie.

Reichinnek über Papst Franziskus: Hoffe, Kirche geht seinen Weg weiter

Angesprochen auf den verstorbenen Papst sagte Reichinnek, sie selbst sei aus der Kirche ausgetreten. Sie habe aber großen Respekt vor der Religion. Sie sei „vielen Gläubigen ein wichtiger und manchmal letzter Halt“, sagte Reichinnek. Sie habe dies „immer wieder bei Menschen in der sozialen Arbeit erfahren“. 

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Ihr habe außerdem gefallen, wie sich Papst Franziskus zu Armut, Elend und Flucht verhalten habe. Insofern tue ihr sein Tod „sehr leid“. Sie hoffe, „dass die katholische Kirche seinen Weg weitergeht, zumindest an den Stellen, wo er sozial war“.

lro/AFP