US-Präsident Donald Trump nahm seine ersten 100 Tage im Amt zum Anlass, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Trump sonnte sich in dem Applaus eine jubelnden Publikums in Michigan. In einer Ode an sich selbst zählte der 47. Präsident eine lange Liste von Errungenschaften auf und nahm ein weiteres Mal für sich in Anspruch, der erfolgreichste US-Regierungschef in der Geschichte zu sein. Die Rede artete aber schnell in einen Jahrmarkt der Eitelkeiten und der Selbstbeweihräucherung aus. Wie immer gespickt mit Beleidigungen seiner Gegner und insbesondere einer Tirade gegen seinen Vorgänger Joe Biden. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dem Präsidenten war schnell anzumerken, dass ihm die lauten und rowdyhaften Auftritte während des Wahlkampfs richtig fehlten. Selbstbewusst und mit einer Stimme, die zuletzt so rau und kraftvoll war, als er während der Corona-Pandemie mit Steroiden behandelt wurde, posaunte er seine „Greatest Hits“ hinaus. Ebenso wie einige neuen Schlager. Nach etwas mehr als drei Monaten im Amt zeichne sich seine zweite Amtszeit dadurch aus, dass „wir die erfolgreichsten ersten 100 Tage in der Geschichte unserer Nation hatten“.

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Trump-Rede zu 100 Tagen im Amt: Übertreibungen ohne Ende

An Superlativen fehlte es genauso wenig wie an Übertreibungen und schlichtweg Lügen. Das störte seine glühenden Anhänger aber nicht im geringsten. Dass ihr Idol es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, das waren sie längst gewohnt. So konnte der Star des Abends ungeniert loslegen.

Seitdem er wieder im Weißen Haus ist, „sind Grenzüberschreitungen durch illegale Migranten um 99,999 Prozent zurückgegangen“, wollte er seinen Fans weismachen. „Genau drei Illegale sind in unser Land gekommen, aber selbst das war mir zu viel“, produzierte Trump eine frei erfundene Zahl, die weit von der Realität entfernt ist. Das aber tat der Begeisterung in der Menge keinen Abbruch.

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„Kann mir irgendjemand erklären, wie dieser verrückte Typ jemals Präsident wurde?“

Dann kamen die Tiraden gegen Biden und dessen demokratische Partei. „Kann mir irgendjemand erklären, wie dieser verrückte Typ jemals Präsident wurde?“, stellte er die rhetorische Frage. Biden habe die Grenzen geöffnet, in Schulen Amerikas Kinder mit linksliberaler Ideologie indoktrinieren wollen und die Inflation hochgetrieben. Die gesamte demokratische Partei geißelte er als konzeptlos und verwirrt. 

„Die haben kein Selbstvertrauen und keine Kandidaten. Nur diesen einen Typen, der mit dem Gehstock herumschwingt und immer wieder Impeachment schreit“. Der Beste unter den Demokraten sei immer noch Bernie Sanders. „Aber vergesst nicht, der ist auch verrückt und sogar acht Jahre älter als ich“, erinnerte der Präsident daran, dass einige Politiker noch betagter sind als er. Unter ihm werde nun alles anders als unter dem „inkompetenten“ Biden und seiner Partei, versprach Trump. Die Einfuhrzölle würden Jobs und Industrieproduktion wieder nach Amerika zurückbringen. Obwohl die angesehensten Ökonomen dies energisch bestreiten, kündigte Trump an, dass die hohen Preise bald der Vergangenheit angehören würden. 

Lob für den „sehr klugen Elon Musk“

Auf die Hiebe gegen seinen Vorgänger folgte dann Eigenlob ohne Ende. Die MAGA-Bewegung sei im Kern nichts anderes als „eine Revolution der Vernunft“. Dazu zählt er auch die Kampfansage an den staatlichen Verwaltungsapparat. Unter der Regie des „sehr klugen Typen Elon Musk“ sei es gelungen, hunderte von Milliarden von Dollar einzusparen. Bürokraten des Deep State „und linksradikale Verrückte haben wir ausgemustert. Stattdessen haben wir eine goldene Ära Amerikas eingeläutet“, zeigte sich der Präsident überzeugt und erntete eine stehende Ovation.

„The Golden Age“: Trump machte unmissverständlich klar, was er von seiner eigenen Politik hält.
„The Golden Age“: Trump machte unmissverständlich klar, was er von seiner eigenen Politik hält.© AP/dpa | Paul Sancya

„Der Präsident ist Entertainer. Er genießt das Rampenlicht und den Kontakt zu seinen Anhängern“, sagt Alyssa Farah Griffin, die unter „Trump 1“ Kommunikationsberaterin im Weißen Haus war. Trump sei in Michigan ganz in seinem Element gewesen, meint sie.

Unterdessen kann die Rede über eine Realität nicht hinwegtäuschen: Im Ansehen seiner Landsleute ist der 47. Präsident weit abgerutscht. Umfragen zufolge war während der vergangenen 70 Jahre nach 100 Tagen der Präsidentschaft kein anderer so unbeliebt wie Trump. Weder billigen die Wähler seine Zölle, die eine Stagflation heraufbeschwören könnten. Noch die politischen Alleingänge, die gestrichenen Sozialprogramme und die Folgen des Protektionismus für die Finanzmärkte. Die Kursverluste der vergangenen Wochen schlagen sich nämlich in den Aktiendepots und Altersversorgungskonten von Millionen von Amerikanern zu Buche.