Wohl kein deutscher Politiker seit 1945 ist so schnell aufgestiegen und so tief gefallen wie Karl-Theodor zu Guttenberg. Dem Sprössling eines fränkischen Adelsgeschlechts schienen Glück und Erfolg in die Wiege. Bereits mit 31 Jahren saß er als direkt gewählter Abgeordneter für die CSU im Deutschen Bundestag. Der damalige CSU-Vorsitzende Horst Seehofer machte Guttenberg 2008 zum Generalsekretär der Partei. Nur ein Jahr später holte ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ins Kabinett. Im Oktober 2009 wurde Guttenberg schließlich in einer schwarz-gelben Koalition zum Bundesminister der Verteidigung ernannt. In beiden Ämtern war er der bis dahin jüngste Minister in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Dem kometenhaften Aufstieg folgte ein steiler Abstieg. Guttenberg stolperte über eine Plagiatsaffäre, verlor seinen Doktortitel und legte im März 2011 sein Amt als Minister nieder. In der Folge zog sich Guttenberg komplett aus der Politik zurück und siedelte in die USA über, wo er als Unternehmensberater arbeitete. Schlagzeilen macht der Oberfranke weiterhin, auch abseits der Politik, zuletzt etwa durch die offizielle Bekanntgabe seiner Beziehung zur zukünftigen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Was muss man über Guttenberg sonst noch wissen? Ein Überblick.
Karl-Theodor zu Guttenberg: Die wichtigsten Infos zum CSU-Politiker
| Name | Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg |
|---|---|
| Geburtsdatum | 5. Dezember 1971 |
| Amt | keines; ehemaliger Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (2009) sowie Verteidigung (2009-2011) |
| Partei | CSU |
| Ausbildung | Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Bayreuth |
| Familienstand | verheiratet, zwei Töchter |
| Wohnort | mehrere Wohnsitze, in Niedersachsen und den USA |
Karl-Theodor zu Guttenberg: Herkunft, Kindheit, Familie – Das Wichtigste zu seinem Privatleben
Karl-Theodor zu Guttenberg wurde am 5. Dezember 1971 in München geboren. Er entstammt einem alten fränkischen Adelsgeschlecht, das sich bis ins Jahr 1149 zurückverfolgen lässt. 1700 wurden die Guttenbergs von Kaiser Leopold I. in den Reichsfreiherrenstand aufgenommen. Den Titel Freiherr führen die Guttenbergs bis heute. Karl-Theodors zu Guttenbergs Vater ist der Dirigent Enoch zu Guttenberg (1946-2018), seine Mutter Christiane ist eine geborene Gräfin von und zu Eltz. Die Eltern ließen sich 1977 scheiden; Guttenberg und sein jüngerer Bruder Philipp Franz (geboren 1973) wuchsen beim Vater auf. Aus den zweiten Ehen ihrer Eltern haben die Brüder noch vier Halbgeschwister.
- Ausbildung: Nach dem Besuch des Ignaz-Günther-Gymnasiums in Rosenheim absolvierte Guttenberg seinen Wehrdienst bei einem Gebirgsjägerbataillon in Mittenwald. Er wurde als Unteroffizier der Reserve entlassen. Von 1992 bis 1999 studierte Guttenberg Rechtswissenschaft an der Universität Bayreuth und einige Zeit parallel Politikwissenschaft an der Hochschule für Politik in München. Sein Jura-Studium schloss er mit der Promotion zum Doktor der Rechte ab. Der Titel wurde Guttenberg später von der Universität Bayreuth aberkannt, nachdem bekanntgeworden worden war, dass es sich bei Teilen der Dissertation um Plagiate handelte. Ein Studium der Wirtschaftsgeschichte an der University of Southampton beendete Guttenberg 2019 mit einer weiteren Dissertation. Er darf seitdem den Titel Ph.D führen, ist also „Doctor of Philosophy“.
- Beruf: Bereits während des Studium arbeitete Karl-Theodor zu Guttenberg in der Forstverwaltung der Familie und verwaltete als Gesellschafter-Geschäftsführer den Familienbesitz. Bis 2002 war er laut Auskunft des Deutschen Bundestags außerdem Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Auf der Seite des Deutschen Bundestags wird weiterhin angegeben, dass Guttenberg als freier Journalist bei der Tageszeitung „Die Welt“ gearbeitet haben will. Laut Axel-Springer-Konzern hat Guttenberg dort jedoch nur als Redaktionspraktikant hospitiert.
- Familie: Guttenberg ist seit 2000 mit Stephanie zu Guttenberg, einer geborenen Gräfin von Bismarck-Schönhausen, verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter, die 2001 und 2002 geboren wurde. Anna, die ältere, studierte Wirtschaft an der privaten Bocconi-Universität in Mailand, und lebt und arbeitet in München. Die jüngere Tochter Mathilda ist an der University of California in Los Angeles eingeschrieben. Im September 2023 wurde bekannt, dass sich Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg im Winter 2022/23 getrennt haben. Karl-Theodor zu Guttenberg ist aktuell mit der designierten Wirtschaftsministerin Katherina Reiche liiert. Dies wurde am 28. April 2025 offiziell von Guttenbergs Anwalt bestätigt.
CDU/CSU-Minister: Wer für die Union im Kabinett sitzen soll
Karl-Theodor zu Guttenberg bei der CSU: Die wichtigsten Stationen seiner Karriere
Der Adelsspross hat eine klassische Parteikarriere absolviert. Guttenberg trat in die Junge Union ein und war Vorsitzender des CSU-Verbandes in seinem Heimatort Guttenberg, Mitglied im Vorstand des Kreisverbands Kulmbach und seit Dezember 2007 Vorsitzender des CSU-Bezirksverbandes Oberfranken. CSU-Parteichef Horst Seehofer machte ihn am 30. Oktober 2008 zum CSU-Generalsekretär, nachdem die Partei zuvor bei den Landtagswahlen ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren und sich personell neu aufgestellt hatte.

Schon mit 31 Jahren war Guttenberg 2002 der Sprung nach Berlin gelungen. Er zog als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Kulmbach in den Deutschen Bundestag ein. Dies konnte er bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009 wiederholen, zuletzt sogar mit dem bundesweit besten Erststimmenergebnis von 68,1 Prozent. Im Bundestag machte sich Guttenberg vor allem als Außenpolitiker einen Namen. Er war Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss und brachte bei der Frage eines EU-Beitritts der Türkei das Konzept einer „privilegierten Partnerschaft“ ins Spiel.

Nach dem freiwilligen Rückzug seinen Parteikollegen Michael Glos als Bundesminister für Wirtschaft schlug die CSU Guttenberg 2009 als dessen Nachfolger vor. Er wurde am 12. Februar vereidigt und übernahm das Amt während der internationalen Wirtschaft- und Finanzkrise.
Als Minister verfocht Guttenberg eine strenge Ordnungspolitik und lehnte etwa Bürgschaften des Bundes für angeschlagene Unternehmen ab. Im Falle des schwer kriselnden Handelsriesen Quelle-Arcandor legte sich Guttenberg sogar mit seinem Parteichef Horst Seehofer an, was seiner weiteren Karriere aber nicht schadete.

Ganz im Gegenteil: Nach dem Ende der Koalition von CDU/CSU und SPD setzte Guttenberg noch im selben Jahr seinen Aufstieg fort und wurde Verteidigungsminister im Kabinett Merkel II. In seinem neuen Amt musste sich Guttenberg mit der Aufarbeitung des Nato-Luftangriffs im afghanischen Kundus befassen, der vom Bundeswehr-Oberst Georg Klein angeordnet worden war. Dabei waren 90 Menschen ums Leben gekommen – ausnahmslos Zivilisten, wie sich später herausstellte.
Guttenberg erkannte in seinem Amt auch, dass die Bundeswehr dringend neu aufgestellt werden müsse, um bestehen zu können. Er setzte eine Strukturkommission ein, die eine Bundeswehrreform vorbereiten sollte. Eines der ersten Ergebnisse war die Aussetzung der Wehrpflicht und eine Verkleinerung der Bundeswehr. Beides stieß sowohl auf Zustimmung als auch auf scharfe Kritik.
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Karl-Theodor zu Guttenberg: Plagiatsaffäre und sein Leben nach der Politik
Die Karriere des bayerischen Polit-Stars Guttenberg endete abrupt im Februar 2011 mit der sogenannten „Plagiatsaffäre“. Der CSU-Politiker musste nach anfänglichem Abstreiten zugeben, in seiner Dissertation ganze Passagen ohne Kennzeichnung und Quellenangabe aus anderen Arbeiten übernommen zu haben.
Den Vorwurf vorsätzlicher Täuschung wies Guttenberg aber von sich. Trotzdem erkannte ihm die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Bayreuth am 23. Februar 2011 den Doktortitel ab. Am 1. März erklärte der einstige Hoffnungsträger der CSU seinen Rücktritt von allen Ämtern und gab auch sein Bundestagsmandat auf.
Guttenberg entschied sich für einen radikalen Schnitt und zog mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. 2013 gründete er in New York das Beratungs- und Investmentunternehmen Spitzberg Partners. Ein Geschäftspartner war der mittlerweile insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard.
Guttenberg leistete Lobbyarbeit und soll Wirecard beim Eintritt in das China-Geschäft unterstützt haben. Dabei wurde offenbar auch Druck auf die deutsche Botschaft in Peking ausgeübt. All das brachte Guttenberg erneut in die Bredouille und führte zum Zerwürfnis mit Angela Merkel.

Guttenberg litt an Panikattacken und Depression
2022 wurde Guttenberg von RTL unter Vertrag genommen. Im Dezember 2022 moderierte er gemeinsam mit Thomas Gottschalk den Jahresrückblick „Menschen, Bilder, Emotionen“ und wurde als Presenter und Interviewer in zwei Dokutainment-Sendungen über Wladimir Putin sowie die katholische Kirche in Deutschland eingesetzt. Guttenberg ging außerdem unter die Podcaster und betreibt mit Linken-Politiker Gregor Gysi das Format „Gysi gegen Guttenberg – Der Deutschland Podcast“. Im Herbst 2023 veröffentlichte er auch ein Buch mit dem Titel „3 Sekunden – Notizen aus der Gegenwart“.
In einem Gespräch mit dem NDR gab Guttenberg bekannt, zeitweise unter Panikattacken und Depressionen gelitten zu haben. Er bekannte, „sehr früh und viel zu schnell in hohe Ämter aufgestiegen“ zu sein. Seinen Rücktritt aus der Politik bezeichnet er mittlerweile als „größten Segen“.
Nach einer zerbrochenen Ehe und der Trennung von seiner Frau Stephanie scheint Guttenberg nun privat das große Glück gefunden zu haben. Seine Beziehung mit der CDU-Politikerin Katherina Reiche wurde im April offiziell bestätigt. Beide dürften aber schon seit längerer Zeit liiert sein.

















![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


