Etwas niedrigere Strompreise im Norden und Osten Deutschlands, etwas höhere im Westen und Süden – das schlagen die europäischen Stromnetzbetreiber vor. Sie wollen damit unter anderem auf die zunehmende Produktion von Windstrom auf dem Meer reagieren. Während Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) den Vorschlag begrüßte, äußerten sich die Bundesregierung und Wirtschaftsverbände ablehnend.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Berechnung und Empfehlung stammt vom europäischen Verband der Stromnetzfirmen (Entsoe), dem auch die vier deutschen Betreiber der Starkstromleitungen angehören. Während heute ein einheitlicher Börsenstrompreis für Deutschland und Luxemburg gilt, könnten künftig fünf Zonen eingerichtet werden: etwa Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Ostdeutschland, Nordrhein-Westfalen mit Rheinland-Pfalz, sowie Baden-Württemberg mit Bayern.
- Richtig in Gold investieren: ETF, ETC oder Münzen und Barren?
- Unter Trump: So sicher ist das deutsche Gold in den USA noch
- Faule Deutsche? Experten sagen, ob wir wirklich zu wenig arbeiten
- Gold kaufen: Profis geben wichtige Tipps für Anfänger
- Job & Gehalt: Experte verrät, was bei Gehaltsverhandlungen wirklich zieht
- Wohnen und Mieten: Reich werden mit Airbnb – Zwei Brüder verraten, wie es geht
Im Norden läge der Börsenstrompreis dann bei etwa vier Cent pro Kilowattstunde, im Süden bei rund fünf Cent. Alle anderen Kosten und Steuern würden für Unternehmen und Privathaushalte wie heute hinzugerechnet. Den Kalkulationen von Entsoe zufolge sparte das rund 300 Millionen Euro gesamtgesellschaftliche Aufwendungen pro Jahr.
Strompreisregionen könnte dazu führen, dass man Windparks nicht mehr abschalten muss
Die Diskussion über ein solches Modell mit zwei oder mehr Strompreisregionen läuft hierzulande seit Jahren. Der Hintergrund: Im Norden, sowie auf Nord- und Ostsee wird viel Windstrom produziert, der aber öfters nicht nach Süddeutschland transportiert werden kann, weil dafür noch die Überlandleitungen fehlen. Deshalb schaltet man Windparks ab, obwohl sie liefern könnten.
Auch interessant
Das verursacht nicht nur hohe Entschädigungskosten, die auf alle Verbraucher umgelegt werden, sondern Firmen und Privathaushalte im Norden kommen auch nicht den Genuss niedrigerer Strompreise. Die derzeit „einheitliche Stromzone ist ein Widersinn“, erklärte deshalb am Montag Niedersachsens Energieminister Meyer. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hatte in der Vergangenheit eine ähnliche Position eingenommen.

Übertragungsnetzbetreiber: Einsparungen seien nur gering
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und TransnetBW, die Mitglieder bei Entsoe sind, halten dagegen nichts von den kleineren Preiszonen. Mit gut 300 Millionen Euro jährlich seien die errechneten Einsparungen relativ gering, sie betrügen „nur ein Prozent der Systemkosten“. Im Übrigen gehe der Ausbau der überregionalen Stromnetze, die das Problem verringerten, nun schneller voran.
Auch interessant
Das noch von den Grünen geleitete Bundeswirtschaftsministerium erklärte, „die positiven Auswirkungen einer Gebotszonenteilung“ würden „systematisch überschätzt“. Auch die kommende Bundesregierung will laut ihrem Koalitionsvertrag am einheitlichen Börsenstrompreis für ganz Deutschland festhalten.
Energiewirtschaft, Auto- und Chemieindustrie warnen
Die Verbände der Energiewirtschaft und Autoindustrie betonten: Eine Aufteilung des deutschen Strommarktes verwandele „insbesondere die industriestarken Regionen“ in Bayern und Baden-Württemberg „in Hochpreiszonen für Elektrizität“. Die „im internationalen Vergleich ohnehin sehr hohen Stromkosten würden weiter in die Höhe getrieben“, so BDEW und VDA.
Und der Verband der Chemischen Industrie hält die Umstellung auf mehrere Preiszonen für organisatorisch zu kompliziert und zu teuer. Die Chancen für die Realisierung des Vorschlags stehen damit nicht gut – wenngleich die EU ihn grundsätzlich auch ohne Zustimmung aus Deutschland durchsetzen könnte.







