Die neue Regierung steht: Union und SPD haben sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt, am Nachmittag soll er vorgestellt werden. Der Weg dahin war nicht leicht. So liefen die entscheidenden letzten Stunden:

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Mitternacht: Die Chefverhandler von Union und SPD haben in einer langen Nachtsitzung um letzte offene Fragen gerungen – sich dann aber vertagt. Die Gespräche sollen am Mittwochmorgen in der CDU-Parteizentrale fortgesetzt werden. Am frühen Abend hatten die Anzeichen zunächst darauf gedeutet, dass Union und SPD noch in der Nacht eine Einigung finden könnten. Seit Stunden saßen zu diesem Zeitpunkt die vier Parteichefs Friedrich Merz (CDU), Markus Söder (CSU), Lars Klingbeil und Saskia Esken für die SPD in der CDU-Parteizentrale zusammen. Die Spitzenrunde sollte letzte Knoten durchschlagen. Am Abend verbreitet sich dann die Erwartung, dass die Einigung bereits an diesem Mittwochmittag verkündet werden könnte.
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9.30 Uhr: Das Ringen um die Koalition dauert an. Seit dem Morgen wird weiterverhandelt. Zunächst in kleiner Runde, später soll die große 19-er Runde zusammenkommen - neun Verhandler der SPD, zehn von CDU und CSU. Ziel ist es nun, bis Mittag fertig zu sein. Um 15 Uhr soll es eine Pressekonferenz geben. Am Abend, so der Plan, sollen die Bundestagsfraktionen von Union und SPD zusammen kommen. Teilnehmer zeigen sich zuversichtlich, dass es im Laufe des Tages eine Einigung geben werde. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) sagt, er erwarte „mit Sicherheit“ einen Abschluss. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt erklärt, nun beginne „der Schlussspurt“. Er erwarte ein „sehr gutes Ergebnis“. Auch CSU-Chef Markus Söder sagte beim Eintreffen im Konrad-Adenauer-Haus: „Ich habe das Gefühl, es könnte ein guter Tag für Deutschland und auch für Bayern werden.“ Noch ist aber einiges zu tun: Zwar habe es am Dienstag eine „extrem hohe Dynamik“ gegeben. „Es konnte wahnsinnig viel erledigt werden.“ Aber: Wie immer bei Koalitionsverhandlungen würden „die schönsten Sachen“ zum Schluss behandelt, so Dobrindt.
Schwarz-Rot: Druck durch Trump, Druck durch den Aufstieg der AfD in Umfragen
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10 Uhr: Den Vormittag wollen die Verhandler nun unter anderem dazu nutzen, eine gemeinsame Kommunikationsstrategie für die Einigung zu verabreden. Die Sorge ist groß, dass die Frage, wer sich am Ende bei den entscheidenden Fragen durchgesetzt hat, den Start überlagert. Denn: Der Druck auf die Verhandler war zuletzt noch einmal gestiegen – durch die Folgen der aggressiven Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, aber auch durch die jüngsten Umfragen: Die AfD hat seit der Bundestagswahl deutlich hinzu gewonnen, die Union genauso deutlich verloren. In einer Insa-Umfrage lagen AfD und Union am Ende sogar gleichauf. Nach Informationen dieser Redaktion sollen Merz und Klingbeil gemeinsam zu mehr Tempo gedrängt haben, um die Welle aus Ärger und Ungeduld gerade an der Unionsbasis nicht noch weiter anwachsen zu lassen.
10.15 Uhr: Eine neue Umfrage bestätigt den Trend: Die AfD ist in einer Befragung des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos vor der Union gelandet: Demnach kommt die in Teilen rechtsextremistische Partei im aktuellen Sonntagstrend auf 25 Prozent, dahinter folgt die Union mit 24 Prozent. Verglichen mit der vorherigen Umfrage Anfang März gewann die AfD damit drei Punkte hinzu, CDU und CSU verloren fünf Punkte. Ipsos befragte nach eigenen Angaben am 4. und 5. April online 1000 Wahlberechtigte.
10.30 Uhr: Wer wird Minister in der neuen Regierung? Eine Kabinettsliste mit den Namen der Ministerinnen und Minister ist nach Informationen dieser Redaktion nicht zu erwarten. Bekannt werden soll aber, heißt es am Vormittag, welche Ministerien es überhaupt geben wird – und welche der drei Parteien den Zugriff bekommt. Kurz vor Mittag sickern erste Informationen durch: Die Union soll neben dem Kanzleramt das Innenministerium sowie das Auswärtige Amt besetzen. Die SPD erhält im Gegenzug das Finanzministerium, das Verteidigungsressort sowie das Justizministerium.
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Der Koalitionsvertrag steht – aber am Ziel ist Friedrich Merz noch nicht
12.00 Uhr: Es ist offiziell: Die Koalition steht. SPD, CDU und CSU laden zu einer gemeinsamen Pressekonferenz der Parteivorsitzenden Saskia Esken, Lars Klingbeil, Friedrich Merz und Markus Söder ein. Thema: Vorstellung des Koalitionsvertrages.
Und nun? Merz‘ Ziel, bis Ostern eine Regierung zu bilden, ist kaum mehr zu erreichen. Der Koalitionsvertrag muss zunächst von den SPD-Mitgliedern bestätigt werden, ein Prozess, der bis zu zwei Wochen dauern kann. Der weitere Zeitplan ist bereits in Umrissen erkennbar: Demnach könnte nach dem Votum der SPD die Union den Koalitionsvertrag bei einem eintägigen Parteitag in Berlin beschließen – als Datum kursiert der 28. April. Zwei Tage später könnte dann der Vertrag von den Parteichefs unterschrieben werden. Eine Woche später dann könnte Friedrich Merz in Bundestag zum Kanzler gewählt werden.






![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)



