Im Zollstreit mit den USA bleiben die Europäer vorsichtig. Die ersten Vergeltungszölle der EU auf ausgewählte US-Importe sind nur ein Warnschuss, kein echter Gegenschlag. Der Schaden bleibt überschaubar. Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Wenn Donald Trump verrückt spielt, bleibt Europa cool. Die EU will verhandeln, nicht eskalieren – ihre Kanonen aber sind geladen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Vorerst eine gute Strategie. Ausnahmsweise gereicht der EU ihre Schwerfälligkeit zum Vorteil. Es ist das Gegenprogramm zu Chinas Konfrontationskurs: Peking zahlte es Trump nach zwei Tagen mit gleicher Zoll-Münze heim, worauf dieser wiederum den Einsatz erhöht. Nun stecken beide Seiten in einer Eskalationsspirale. Vielleicht kann Europa einen Zollkrieg, der allen schadet, noch vermeiden. Allerdings weiß niemand, was Trump wirklich will.

Wenn er nur auf einen guten Deal aus wäre, stünde Europa bereit. Wenn der Präsident in ideologischer Verblendung den Ausstieg aus der globalen Handelsordnung ansteuert, wird es schwieriger. Und engt Trumps Versprechen, mit den Zolleinnahmen Steuersenkungen zu finanzieren, den Spielraum nicht ein? Doch die EU hat Grund zur Hoffnung: Gut möglich, dass die Turbulenzen an den Börsen, die ökonomischen Schäden in seinem Land den US-Präsidenten zum Einlenken zwingen. Wenn nicht, muss Brüssel den Druck erhöhen, mehr US-Importe mit höheren Abgaben belegen und die Internetkonzerne ins Visier nehmen.

Christian Kerl, Politik-Korrespondent.
Christian Kerl, Politik-Korrespondent.© Funke Mediengruppe | Privat

Die Frage ist indes, ob die europäischen Reihen für diese Eskalation an der Zollfront geschlossen bleiben. Trump wartet nur darauf, einzelne EU-Staaten mit Sonderdeals zu ködern und die Union zu spalten. Die Bewährungsprobe im Zollstreit steht Europa noch bevor.