Ist das der große Deal zur Beendigung des Ukraine-Krieges? US-Präsident Donald Trump hat für diesen Dienstag ein Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin angekündigt. Wie es danach weitergehen könnte: ein Überblick über die wichtigsten Szenarien.

Szenario 1: Trump kommt Putin maximal entgegen

Der Chef des Weißen Hauses hat sich im Präsidentschaftswahlkampf selbst unter Druck gesetzt. Er werde den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland „innerhalb von 24 Stunden“ beilegen, kündigte er damals an. Der Ukraine-Krieg ist für ihn eine lästige Angelegenheit, die er sich so schnell wie möglich vom Hals schaffen will. Trump bewundert den mit eiserner Faust regierenden Autokraten Putin, den er immer wieder als „klug“, „schlau“ und „genial“ bezeichnet hat. 

Der Russe darf auf weitgehende Zugeständnisse hoffen. Trump hat zwei Kardinalziele: Er will sich der großen Herausforderung China widmen, dessen wirtschaftlichen, militärischen und politischen Aufstieg Amerika als Bedrohung ansieht. Von Kiew erwartet Trump die Zusage zur Ausbeutung wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden. Eine Wiederherstellung der Ukraine in den Grenzen von 1991 steht bei ihm nicht auf der Agenda.

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Szenario 2: Putin sagt Ja zu einer brüchigen Waffenruhe

Beim Treffen zwischen amerikanischen und ukrainischen Vertretern in Saudi-Arabien in der vergangenen Woche wurde eine 30-tägige Waffenruhe vereinbart. Kremlchef Wladimir Putin hat sein prinzipielles Einverständnis erklärt, sie aber an die Lösung der „tiefer liegenden Ursachen“ des Konflikts gekoppelt. Für ihn bedeutet das: Entmilitarisierung der Ukraine, Installierung einer moskaufreundlichen Regierung in Kiew („Entnazifizierung“), keine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine sowie Rückabwicklung der 1999 begonnenen Nato-Osterweiterung.

Ukraine-Krieg - Sudscha
Sudscha, die größte Stadt in der Region Kursk, nachdem sie von russischen Truppen eingenommen wurde.© DPA Images | Uncredited

Putin könnte versprechen, sich an die 30-tägige Waffenruhe zu halten, um zusammen mit den Amerikanern eine Übereinkunft zur Beendigung des Ukraine-Krieges nach seinen Bedingungen zu verhandeln. Für den russischen Präsidenten wäre dies eine Möglichkeit, sich als Akteur des Friedens zu verkaufen – eine Propaganda-Botschaft auch mit Blick auf den „globalen Süden“. Sollten die Verhandlungen aus seiner Sicht gut laufen, könnte die Waffenruhe sogar verlängert werden.

Brächten die Gespräche aber aus seiner Sicht keine Fortschritte, könnte er die Waffenruhe jederzeit brechen. So hat es Moskau nach der Annexion der Krim 2014 immer wieder praktiziert. Der Kreml unterschrieb Vereinbarungen zu einer Kampfpause, verstieß jedoch regelmäßig dagegen. Die Schuld wurde dann den Ukrainern in die Schuhe geschoben. Eine Waffenruhe wäre in jedem Fall brüchig.

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Szenario 3: Die Ukraine muss große Gebiete an Russland abtreten

Eine der russischen Schlüsselforderungen für eine Beendigung des Krieges hieß immer: „Anerkennung der bestehenden Realitäten.“ Putin pocht darauf, dass die Annexion der Krim ebenso anerkannt wird wie die Einverleibung der Verwaltungsbezirke Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja in die Russische Föderation. Alle vier Distrikte haben die Russen zu weiten Teilen besetzt, aber nicht vollständig.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Trump ist bereit, Putin weitreichende Zugeständnisse zu machen. „Ich denke, wir werden über Land sprechen, es handelt sich um viel Land. Wie Sie wissen, ist die Lage sehr verschieden von der Situation vor dem Krieg“, sagte Trump am Sonntagabend zu Reportern an Bord der Air Force One.

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Nach Angaben des US-Präsidenten geht es aber auch um Kraftwerke. Sehr wahrscheinlich wird Putin darauf bestehen, dass das bereits besetzte Atomkraftwerk Saporischschja – der größte Reaktor in ganz Europa – in russische Hand übergeht. Käme es so, wäre die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Ukraine stark beeinträchtigt. Der Präsident in Kiew – ob Selenskyj oder ein Nachfolger – würde an der Spitze einer mehr oder weniger großen Rumpf-Ukraine stehen. Das Land wäre deutlich geschwächt.

Szenario 4: In Kiew wird ein Satellitenregime errichtet

Das Tischtuch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist seit längerer Zeit zerschnitten. Der Amerikaner fühlte sich durch dessen ständigen Forderungen nach US-Sicherheitsgarantien genervt. Er tut derzeit alles, um Selenskyjs Autorität zu untergraben. Seit dem Eklat im Weißen Haus, der vermutlich inszeniert war, ist klar: Sowohl Washington als auch Moskau wollen den unbequemen Staatschef am liebsten loswerden.

Ausgerechnet eine Kampfpause könnte diesen Prozess beschleunigen. „Sollte es zu einer längeren Waffenruhe kommen, wird die Kritik an Selenskyj zunehmen“, sagte der Londoner Osteuropa-Experte John Lough unserer Redaktion. „In der ukrainischen Politik könnte es dann unruhig werden.“ Putin würde die Instabilität ausnutzen und versuchen, pro-russische Kandidaten zu unterstützen. Das Ziel: die Errichtung eines Satellitenregimes, eine Art Belarus 2 mit einer Marionette à la Alexander Lukaschenko an der Spitze.

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Szenario 5: Ein weiterer Konflikt zwischen Europa und Amerika entsteht

Sollte Trump einen Ukraine-Deal nach Putins Gusto schnüren, würde das die Europäer in die Bredouille bringen. Sie wollen Kiew weiter militärisch unterstützen und halten am Ziel einer Ukraine in den Grenzen von 1991 fest. Großbritannien und Frankreich erwägen im Rahmen einer „Koalition der Willigen“ die Entsendung von Friedenstruppen in die Ukraine – was Russland strikt ablehnt und als „Kriegshandlung“ bezeichnet. Trump könnte dies als Affront gegen seine „Friedens“-Vereinbarung mit Putin auffassen. Nach dem Zollstreit hätten die Europäer ein zweites Konfliktfeld mit den USA.