Kurz vor der Amtseinführung des 47. US-Präsidenten am 20. Januar schrie Dan Bongino mal wieder so laut Alarm, dass es fast wehtat. Der muskulöse Mann mit den raspelkurzen Haaren samt Ziegenbärtchen, vom New Yorker Polizisten zum millionenfach gehörten Podcaster der extremen Rechten in Amerika avanciert, orakelte über einen angeblich bevorstehenden Versuch, wonach Donald Trump an seinem ersten Arbeitstag ermordet werden soll.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Falls es so käme, sei der für den Personenschutz zuständige Secret Service heillos überfordert, konstatierte Bongino mit Blick auf das Attentat vom Sommer in Butler/Pennsylvania und legt die Stirn in Sorgenfalten. Es kam bekanntlich anders. Aber Bongino, der wie Trump aus dem New Yorker Stadtteil Queens stammt und den 78-Jährigen für eine politische Jahrhundergestalt hält, nahm durch seine gegenstandslose Warnung keinen Schaden. Im Gegenteil. Der 50-Jährige, der sich in seinen Internet-Shows gern als cholerischer „Pitbull“ inszeniert und alles verbellt, was Trump gefährlich werden könnte, rückt als Nr. 2 an die Seite von FBI-Chef Kash Patel. Der hatte schon vor Monaten angekündigt, Trump-Gegner in Politik und Medien strafrechtlich verfolgen zu lassen. 

In seinen Radio-Shows, die wöchentlich neun Millionen Zuhörer finden, einem Podcast, der zu den 20 erfolgreichsten in den USA zählt, regelmäßigen Samstagabend-TV-Auftritten auf „Fox News” und seinem Engagement für die Digital-Plattform „Parler” zählt Bongino zu den einflussreichsten Lautsprechern in „Trumpistan”. Seine Facebook-Seite generiert in manchen Monaten mehr „traffic” als die von CNN, Washington Post und New York Times zusammen.

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    Seit 2020 wünschte er sich sehnlichst Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. O-Ton: „Er ist der beste Kandidat, um aufzuräumen. Denn wenn wir nicht aufräumen, ist Amerika verloren.“ Kritiker in Washington halten Bongino für einen gefährlichen Extremisten, der „ständig mit Schaum vor dem Mund gegen Demokraten und Linke zu Felde zieht“, wie ein ehemaliger US-Botschafter dieser Zeitung sagte. Verehrer sehen in ihm dagegen den Nachfolger des verstorbenen Radio-Rechtsauslegers Rush Limbaugh, der zur polarisierendsten Person in der amerikanischen Medienwelt wurde.

    Bongino, Sohn eines Klempners, war Ende der 90er Jahre Streifenpolizist in New York City. 1999 stieg er in Washington beim Secret Service ein. Erst als Personenschützer für Präsident George W. Bush. Später für Barack Obama, den er vor zehn Jahren noch als einen „wundervollen Vater und Mann“ bezeichnete. Heute käme dieser Satz Bongino wohl selbst nach einer „waterboarding“-Folter nicht mehr über die Lippen. In seiner Denkschule sind Demokraten keine normalen Kontrahenten im politischen Ideen-Wettstreit. Sondern Feinde in einem Kultur-Krieg, die es rund um die Uhr zu bekämpfen gilt. 

    Gemeinsam mit dem neuen FBI-Direktor Kash Patel wird von Bongino erwartet, dass die Strafverfolgungsbehörden gewissermaßen Rache nehmen für die vielen Attacken von Polizei und Justiz gegen Donald Trump.
    Gemeinsam mit dem neuen FBI-Direktor Kash Patel wird von Bongino erwartet, dass die Strafverfolgungsbehörden gewissermaßen Rache nehmen für die vielen Attacken von Polizei und Justiz gegen Donald Trump.© AFP | ANGELA WEISS

    Mit seiner Medien-Karriere kompensierte der in Maryland residierende Millionär (rund 150 Millionen Dollar) drei zum Teil krachend gescheiterte Anläufe für ein republikanisches Abgeordneten-Mandat im Repräsentantenhaus in Washington. Über Zwischenstationen bei Alex Jones und dessen „Infowars“-Dreckschleuder und einer inzwischen eingestellten TV-Sendung der Waffen-verliebten „National Rifle Association“ (NRA) hat sich Bongino im Rechtsaußen-Spektrum eine sehr auskömmliche Nische erarbeitet. 

    Er handelt mit der üblichen Verschwörer-Bückware, die das nationale Selbstgespräch seit Langem vergiftet: Der „tiefe Staat“ (deep state) spionierte gegen Trump. Die Wahl 2020 war zu Trumps Lasten getürkt. Maskenzwang und Impf-Pflicht in der Corona-Pandemie waren Ausdruck von Tyrannei. Facebook & Co. wollen die Vereinigten Staaten unterjochen. Und so weiter ...

    FBI Headquarters in Washington, District of Columbia, USA - 20 Feb 2025.
    Im FBI-Hauptquartier in Washington, wenige hundert Meter vom Weißen Haus entfernt, wird in Kürze ein „anderer Wind wehen“, sagen republikanische Abgeordnete, die auf die neuen Chefs, Kash Patel und Dan Bongino, große Stücke halten.© picture alliance / ZUMAPRESS.com | GENT SHKULLAKU

    Dazu kommt die gängige Mixtur aus bösartigen Spitznamen für Demokraten und Anti-Trumper. Und die Demonstration von Dominanz, die bei Bonginos Temperament an verbale Martial Arts-Vorführungen erinnert. Seine Corona-Impf-Gegnerschaft hat Bongino nach überstandener Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung übrigens klammheimlich aufgegeben – auf Anraten der Ärzte.

    Die Doppelspitze Patel/Bongino an der Spitze der Bundespolizei treibt Demokraten und Nicht-Regierungsorganisationen Schweißperlen auf die Stirn. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das FBI als „Privatpolizei“ Trumps instrumentalisieren lassen und dessen Kritiker verfolgen könnte, sagen Oppositionspolitiker hinter vorgehaltener, sei „nun deutlich gestiegen“.