Proteste

Iranischer Demonstrant hingerichtet: Wer war Mohsen Shekari?

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Omid Rezaee
Iran: Aufruf zum Generalstreik zeigt Wirkung

Iran- Aufruf zum Generalstreik zeigt Wirkung

Im Iran wird der Aufruf der Protestbewegung zu einem dreitägigen Generalstreik offenbar in mehreren Städten befolgt. Handy-Aufnahmen aus Städten wie Isfahan oder aus der mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt Sanandaj zeigen ganze Straßenzüge mit geschlossenen Geschäften.

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Iran-Aufstand: Wegen "Kriegsführung gegen Gott" hängte das Mullah-Regime zum ersten Mal einen Demonstranten. Wer war der junge Mann?

Berlin.  Alles ging ganz schnell im Iran. Nach nur einem Prozesstag stand das Todesurteil für den jungen iranischen Demonstranten fest: Mohsen Shekari wurde wegen "Muhariba", Kriegsführung gegen Gott, schuldig gesprochen. Er soll auf einer der Protestkundgebungen am 25. September im Zentrum von Teheran die Straße mit Barrikaden gesperrt und einen Sicherheitsbeamten mit einem Messer verletzt haben. Am 8. Dezember meldete die offizielle Nachrichtenagentur der Justiz der Islamischen Republik, Misan, dass ein Todesurteil im Zusammenhang mit dem Aufstand im Iran vollstreckt worden sei. Der 23-Jährige war gehängt worden.

Mohsen Shekari kam aus Narmak, einem Bezirk im Osten der Hauptstadt Teheran, der vor allem von der Mittelschicht bewohnt wird. Ein Mithäftling aus dem berüchtigten Ewin-Gefängnis, der inzwischen gegen Kaution auf freiem Fuß ist, beschreibt den 23-Jährigen bei Instagram als einen "sehr netten Menschen". Er habe zusätzliches Essen immer mit den anderen Häftlingen geteilt.

Hinrichtung im Iran: Er liebte das Videospiel "God of War"

Kaffee war seine Leidenschaft, berichtet der Mithäftling. Shekari habe vor seiner Festnahme in einem Café als Barista gearbeitet und habe mit Begeisterung von verschieden Kaffeesorten und Kaffeezubereitungen erzählt. Und er liebte die Musik, besonders Rap. Wie viele in seinem Alter war er ein Gamer. Shekari mochte das Videospiel "God of War" und habe den anderen Insassen immer wieder davon vorgeschwärmt. Er war ein normaler junger Mann.

Menschenrechtsorganisationen versuchen die Namen der angeklagten und zum Tode verurteilten Demonstranten herauszufinden. Von mehr als 20, die zum Tode verurteilt wurden oder denen die Todesstrafe droht, kennen sie die Namen. Der 23-jährige Teheraner tauchte auf keiner Liste auf, was vermuten lässt, dass ihre Zahl deutlich höher liegen könnte.

Mohsen Shekari hatte offenbar gegen das Todesurteil Revision beim Obersten Gerichtshof eingelegt. Das Teheraner Revolutionsgericht verkündete sein Urteil, so die Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur, bereits am 29. November. Hingerichtet wurde er nach der Bestätigung des Urteils durch den Obersten Gerichtshof.

Iran: Neue Proteste noch in der Nacht

Die Zeit, die die Justiz für das Verfahren, die Revision und die Vollstreckung gebraucht hat, ist auch für die Verhältnisse der Islamischen Republik sehr kurz. Normalerweise liegen bei politischen Gefangenen Monate, wenn nicht Jahre, zwischen der Verhaftung und Vollstreckung des Urteils. Die schnelle Hinrichtung hat auch die iranische Zivilgesellschaft und die Menschenrechtsorganisationen im Ausland überrascht und schockiert. Sie lässt Schlimmes befürchten.

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Das Regime wolle mit der raschen Hinrichtung eine Botschaft an die Demons­tranten senden. Sie laute: "Es ist so leicht, euch mit dem Vorwurf 'Kriegsführung gegen Gott' hinzurichten", sagt Amin Riahi, der Projektleiter des Iran Prison Atlas, einer umfassenden Datenbank von politischen Gefangenen, die sich seit 13 Jahren mit politischen Gerichtsverfahren auseinandersetzt. Riahi sieht das als ein Einschüchterungsversuch, das die Menschen im Iran davon abhalten soll, weiter auf die Straße zu gehen. Was aber nicht funktionierte.

Noch in der Nacht kam es zu wütenden Protesten in Teheran: "Sie haben uns Mohsen weggenommen und seine Leiche zurückgebracht", riefen die Menschen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warf Teheran "Menschenverachtung" vor. Das Auswärtige Amt in Berlin bestellte den iranischen Botschafter ein. (mit gb)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.