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Von der Leyen nennt Zahlen zu Verlusten – Ukraine irritiert

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Reportage aus der Ukraine: Hilfsorganisation unterstützt in Cherson

Reportage aus der Ukraine: Hilfsorganisation unterstützt in Cherson

Unsere FUNKE-Reporter Jan Jessen und FUNKE-Fotograf Reto Klar waren erneut in der Ukraine und berichten von Schicksalen vor Ort. Heute sind sie in Cherson und begleiten eine Hilfsorganisation.

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht von einer hohen Anzahl getöteter ukrainischer Soldaten. Kiew reagiert irritiert.

Kiew/Berlin. Angaben über die Zahl getöteter oder verwundeter Soldaten gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Angaben zu eigenen Verlusten machen beide Seiten selten und wenn doch, dann sind diese Zahlen meist zu niedrig angesetzt und mit Vorsicht zu genießen.

Am Mittwoch sorgte eine beim Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte und mittlerweile gelöschte Ansprache von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für Irritationen auf ukrainischer Seite. Von der Leyen hatte von 100.000 verwundeten oder getöteten ukrainischen Soldaten gesprochen. Vor knapp drei Wochen hatte US-General Mark Milley ebenfalls diese Zahl genannt, die allerdings auf Schätzungen beruht.

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Ukraine reagiert verwundert über Zahlen zu Verlusten

Der ukrainischje Präsidentensprecher Serhij Nykyforow zeigte sich im ukrainischen Fernsehen verwundert über die Zahlen. Nykyforow betonte, dass nur der Oberkommandierende der Streitkräfte, der Verteidigungsminister oder der Präsident belastbare Zahlen über die Verluste veröffentlichen können. Präsident Wolodymyr Selenskyj werde offizielle Daten publik machen, „wenn der richtige Moment“ gekommen sei, da das eine sensible Information sei. Kiew habe bereits in Brüssel angefragt, woher EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Informationen habe, so Nykyforow.

Auch ein Armeesprecher wollte am Mittwoch keine konkreten Angaben machen. „Wir können diese Ziffer nicht bestätigen und betonen, dass die Verluste der ukrainischen Armee dienstliche Informationen sind, die unter die Geheimhaltung fallen“, sagte Bohdan Senyk dem Onlineportal Ukrajinska Prawda.

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Weit mitteilungsfreudiger zeigt sich das ukrainische Verteidigungsministerium, wenn es um die Verluste des Kriegsgegners Russland geht. Hierzu werden fast täglich neue Zahlen veröffentlicht. So seien Stand Mittwoch (30. November) 88.880 russische Soldaten getötet worden. In den letzten 24 Stunden seien weitere 480 tote russische Soldaten hinzugekommen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. (tok/dpa)

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Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.