Ukraine-Krieg

Lyman aufgegeben: Putin erleidet nächste bittere Niederlage

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Miguel Sanches
Selenskyj vermeldet "erhebliche Erfolge" bei Gegenoffensive

Selenskyj vermeldet "erhebliche Erfolge" bei Gegenoffensive

Nach der Annexion von vier besetzten ukrainischen Gebieten durch Russland hat Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj "erhebliche Erfolge" der ukrainischen Gegenoffensive im Osten des Landes vermeldet.

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Gerade hatte Putin die Annexion der Region Donezk verkündet, da verlieren seine Truppen die Kontrolle über Lyman. Geben die Russen auf?

Berlin. Russland hat die strategisch wichtige Ortschaft Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben. Eine entsprechende BBC-Meldung wurde am Samstag vom Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, bestätigt.

Sicher ist, dass die ukrainischen Streitkräfte Lyman eingekesselt haben. Unklar ist, wie viele Russen sich dort noch befinden. Die Ukraine spricht von bis zu 5.000 Soldaten. Russland erweckt hingegen den Eindruck eines geordneten Rückzuges aus der Ortschaft in der Ost-Ukraine. Man habe die Streitkräfte wegen der "Gefahr einer Einkesselung" abgezogen, heißt es offiziell aus Moskau.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste haben die Russen beim Abzug schwere Verluste erlitten. Die Stadt im östlichen Gebiet Donezk sei zuvor mutmaßlich von unterbesetzten russischen Einheiten sowie Reservisten verteidigt worden, hieß es am Sonntag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Beim Rückzug über die einzige Straße aus der Stadt, die noch unter russischer Kontrolle sei, seien wohl viele Soldaten gefallen.

Lyman: Aufgabe oder geordneter Rückzug der Russen?

Überraschend kommt die dramatische Entwicklung nicht. In Kiew meldete Präsident Wolodymyr Selenskyj immer neue Geländegewinne. Seit Tagen zeichnete sich die nächste bittere Niederlage für Kremlchef Wladimir Putin ab.

Erst am Freitag hatte er die Annexion der Region erklärt. Nun zeigt sich, dass man in Moskau sich eine Region einverleiben wollte, die man weder kontrollieren noch halten kann. Wir wird Russland darauf reagieren? Lesen Sie auch: Ukraine-Krieg: Warum lässt Putin Atombomber verlegen?

"Die russische Gruppierung in der Nähe von Lyman ist eingekesselt“, sagte ein Sprecher der ukrainischen Armee laut der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Demnach hätten sich zuvor etwa 5000 bis 5500 russische Soldaten in dem Gebiet befunden, das sie erst Ende Mai erobert hatten. Die Meldung erscheint plausibel, weil sie sowohl vom Gouverneur der benachbarten Region Luhansk als auch von russischen Bloggern bestätigt wurde.

USA gaben Russland maximal 72 Stunden

Der Anführer der Region Donezk hatte erst am Freitag erklärt, die russischen Truppen und ihre Verbündeten würden mit "letzter Kraft“ an Lyman festhalten. Es ist zwar nur eine Kleinstadt, aber sie ist für die Versorgung relevant. Für die Russen wird es zunehmend schwerer, ihre Soldaten nordwestlich vom Fluss Dnipro zu versorgen.

Der Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow hat die russische Armee zum Einsatz von "Atomwaffen mit geringer Sprengkraft" in der Ukraine aufgerufen. "Meiner Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts in den Grenzgebieten und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft", erklärte Kadyrow auf Telegram am Samstag nach dem Rückzug der Russen aus Lyman.

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Schon seit Tagen wurden erbitterte Kämpfe gemeldet. Am Freitag wagte das amerikanische Institute for the Study of War die Prognose, Lyman werde "innerhalb der nächsten 72 Stunden" erobert". Das könnte Sie auch interessieren: Ukraine: Was ist an Selenskyjs Drohung mit der Nato dran?

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de