Ermittlungen

Anschlag auf Synagoge in Halle: Was wir wissen und was nicht

| Lesedauer: 16 Minuten
Philipp Neumann und Christian Unger
Wie eine Augenzeugin den Anschlag in der Synagoge erlebte

Wie eine Augenzeugin den Anschlag in der Synagoge erlebte

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In Halle sterben zwei Menschen durch Schüsse. Ein Anschlag auf eine Synagoge, der für Entsetzen sorgt. Was wir wissen – und was nicht.

Berlin/Halle. Es sind schreckliche und verstörende Bilder, die offenbar mit dem Handy aufgenommen wurden: Um die Mittagszeit am Mittwoch stoppt ein Mann seinen VW Golf auf der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle. Er steigt aus, stellt sich hinter das Auto und schießt die Straße entlang. Mindestens vier Mal feuert er sein Gewehr ab. Dann steigt er ein und fährt weiter.

Nur bruchstückhaft wird am Mittwoch klar, was in Halle – und in dem wenige Kilometer entfernt liegenden Ort Landsberg – passiert. Fakt ist: Am Ende des Tages haben zwei Menschen durch Schüsse ihr Leben verloren. Weitere liegen mit zum Teil schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Den Hauptverdächtigen, einen 27 Jahre alten Deutschen, nimmt die Polizei fest. Ob es Mittäter oder Helfer gibt, bleibt zunächst offen. Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen. Er geht nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) von einem rechtsextremen und antisemitischen Motiv aus.

Anschlag auf Synagoge in Halle – Das Wichtigste in Kürze:

  • In Halle hat ein mutmaßlich Rechtsextremer einen Anschlag auf eine Synagoge verübt
  • Dabei sind zwei Menschen getötet und zwei weitere angeschossen worden
  • Die Tat löste weltweit Entsetzen aus

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Um kurz vor 13 Uhr am Mittwochnachmittag meldet die Polizei Halle einen Großeinsatz. Schon zu diesem Zeitpunkt ist nach Angaben der Sicherheitsbehörden klar, dass „Personen getötet“ wurden. „Täter flüchtig“, schreibt die Polizei auf Twitter. Und: „Bitte bleiben Sie in Ihren Wohnungen oder suchen Sie sichere Orte auf.“ Offiziell spricht die Polizei von einer „Amoklage“.

Der Tatort, an dem der Mann aus dem Auto steigt und schießt, liegt nördlich der Altstadt von Halle. Nur rund 500 Meter entfernt befindet sich die Synagoge der Stadt. Hier feiern Gemeindemitglieder am Mittwoch Jom Kippur, das höchste jüdische Fest. Etwa 80 Personen befinden sich mittags in der Synagoge.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, richtet sich der Angriff des Täters direkt gegen die Synagoge. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagt Privorozki wenige Stunden nach dem Angriff.

Sprengsätze vor Synagoge in Halle

Die Türen hätten aber standgehalten. Der Täter hätte außerdem versucht, das Tor des danebenliegenden jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagt der Vorsitzende. Später heißt es, auch Sprengsätze sollen vor der Synagoge platziert worden sein. Detonationen gab es aber nicht. Augenzeugen berichten von Granaten oder Molotowcocktails, die über die Mauer des Friedhofs geworfen worden sein sollen.

Durch die Schüsse vor der Synagoge stirbt dort eine offenbar zufällig vorbeikommende Frau. In einem Döner-Imbiss an der Ludwig-Wucherer-Straße erschießt der Täter einen Mann. An den umstehenden Häusern in der Straße gibt es Einschusslöcher.

Das deutet darauf hin, dass er die Schüsse offenbar wahllos abgibt. In welcher zeitlichen Abfolge die Taten geschehen, ist vorerst unklar. Der Täter soll in der Nähe der Synagoge ein Taxi gestohlen haben und geflohen sein.