Gewalttat

Terroranschlag von Halle – Das Polizei-Protokoll der Tat

Stephan B., der mutmaßliche Täter des Anschlags von Halle, hat an mehreren Orten Schüsse abgegeben. Das zeigt nun auch ein Protokoll.

Wie eine Augenzeugin den Anschlag in der Synagoge erlebte
Beschreibung anzeigen

Halle.  Stephan B., der 27 Jahre alte Mann aus Benndorf, einem knapp 40 Kilometer von Halle entfernten Ort, war bei der Polizei bislang nicht im Zusammenhang mit Gewalttaten oder politisch motivierter Kriminalität bekannt. Er soll für den Terroranschlag in Halle verantwortlich sein. Lediglich im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall war der Mann in einer Polizeidatenbank gespeichert. Das erfuhr unsere Redaktion aus Ermittlerkreisen.

Mittlerweile ist auch der Ablauf der Tat genauer bekannt.

Halle: So liest sich das Polizei-Protokoll der Tat:

Danach ist der 27-Jährige mit einem Mietwagen, den er auf seinen Namen angemietet hatte, zur Synagoge an der Humboldtsraße in Halle gefahren. Im Gepäck hat er selbstgebaute Schusswaffen und selbst gebaute Sprengmittel, die er an der Synagoge ablegt. Dabei erschießt er auch eine 40-Jährige aus Halle.

Anschließend versucht er, die Tür zur Synagoge zu öffnen. Das misslingt. Stephan B. läuft zu dem Mietwagen und fährt los. Dabei fährt er einen 78 Jahre alten Mann aus Halle und einen 23 Jahre alten Somalier an. Beide werden verletzt, der 78-Jährige schwer, der 23-Jährige leicht.

An der Ludwig-Wucherer-Straße hält er vor dem dortigen Döner-Imbiss. Dort erschießt er einen 20 Jahre alten Magedeburger. Vor dem Döner-Imbiss kommt es zu einem ersten Schusswechsel mit der Polizei. Bereits hier soll der 27-Jährige durch eine Kugel am Hals verletzt worden sein.

Stephan B. flüchtet weiter mit dem Mietwagen. Dabei verlieren ihn die Polizeikräfte zunächst aus den Augen.

Halle: Stephan B. schießt auf Flucht auf zwei Männer und verletzt sie schwer

In der Kleingartenstraße in Landsberg, rund 30 Kilometer entfernt, will er ein anderes Fahrzeug entwenden, um die Flucht fortzusetzen.

Dort schießt er auf zwei 40 und 41 Jahre alte Männer. Die beiden Deutschen werden schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Unmittelbar darauf nimmt er sich das Taxi eines 40-Jährigen, der unverletzt bleibt.

Den Mietwagen lässt er zurück. Die Polizei findet später in dem Fahrzeug sechs Rohrbomben. Für die Entschärfung müssen umliegende Häuser evakuiert werden.

Mit dem Taxi flüchtet Stephan B. über die A14 und A9, später über die Bundesstraße 91. Dabei kann er von der Polizei, die auch Hubschrauber einsetzt, aus der Luft lokalisiert werden. Auf der Bundesstraße 91, rund 60 Kilometer von dem Ort entfernt, in dem er das Taxi raubte, verunglückt er ohne Beteiligung Dritter im Bereich einer Baustelle.

Stephan B. wird von Polizeikräften festgenommen

Polizeikräfte, die kurz darauf am Unfallort eintreffen, nehmen ihn gegen 13.36 Uhr fest. Stephan B. leistet keinen Widerstand. Wegen seiner Halsverletzung kommt er zunächst in ein nahes Krankenhaus, von dem aus er später in eine Klinik in Halle verlegt wird. Er soll an diesem Donnerstag nach Karlsruhe zur Generalbundesanwaltschaft gebracht werden.

Die Polizei hatte für den Einsatz zahlreiche Kräfte, darunter auch mehrere Sonderseinsatzkommandos und die GSG9 zusammengezogen. Nach einem internen Bericht soll die Polizei um 12.04 Uhr alarmiert worden sein und maximal sieben Minuten später am Tatort, der Synagoge, gewesen sein.

Hinweise auf Mittäter liegen nicht vor. Die Polizei geht nach bisherigem Ermittlungsstand davon aus, dass der Mann, der bei seiner Mutter gewohnt hat, den Terroranschlag von Halle allein vorbereitete und durchführte.

Der mutmaßliche Täter war den Behörden wohl nicht bekannt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. (FMG, mit dpa-Material)