Seit Jahren kämpfen Senat und Bezirksämter gegen die Flut der Spielhallen in vielen Stadtvierteln. Wer aber heute durch Teile Moabits, Neuköllns oder Weddings geht, der sieht, dass Politik und Behörden von einem umfassenden Erfolg noch ziemlich weit entfernt sind.

Das liegt gar nicht an mangelnder Entschlossenheit und auch nicht an mangelnder Unterstützung durch die meisten Bürger und Anwohner solcher Kieze. Sondern eher an der komplizierten Materie. Die Vorgaben des Spielhallen-Gesetzes sind zwar auf den ersten Blick klar. So werden 200 Meter Mindestabstand zu Schulen verlangt. Um Zusammenballungen zu vermeiden, soll zwischen zwei Casinos eine Strecke von 500 Metern liegen. Könnte man sich eine Stadt am Reißbrett malen, wäre das leicht durchzusetzen. Aber man hat es stets mit einem Status quo zu tun. Und während man das Schul-Abstandsverbot womöglich ziemlich leicht durchsetzen kann, ist es bei der Verteilung der Spielhallen schon deutlich schwieriger.

Welches der fünf Etablissements, die sich etwa an der Stromstraße in Moabit auf 300 Metern aufreihen, muss nun dichtmachen? Welches darf bleiben? Man ahnt, dass Juristen viel Freude haben an solchen Fragen. Und weil es um Geld und gegebenenfalls auch wirtschaftliche Existenzen geht, darf der Widerstand gegen Schließungsverfügungen niemanden überraschen.

Dennoch sollte Berlin hart bleiben. Spielcasinos sind keine geselligen Orte, sondern dienen der einsamen Abzocke gerade der sozial schwachen Nachbarn. Im schlimmsten Fall nutzen sie nur der Geldwäsche von Ganoven. Massenhaftes Auftreten zerstört Kieze, verdrängt seriöses Gewerbe für die Nahversorgung und treibt die Mieten in die Höhe. Wer zocken möchte, wird sicher Gelegenheit finden, sein Geld loszuwerden und auf den großen Jackpot zu hoffen. Aber dieses Laster und die dazu gehörigen Geschäftemacher müssen ja nicht das Bild ganzer Stadtteile prägen.

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