Anti-Terror-Razzien

Hauptverdächtiger reiste als Flüchtling über Balkanroute ein

Anti-Terror-Razzien in Berlin, NRW und Niedersachsen: Der Hauptverdächtige kam offenbar als Flüchtling über die Balkanroute.

Einsatzfahrzeuge der Polizei  vor dem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge in der Rundturnhalle in Attendorn

Einsatzfahrzeuge der Polizei vor dem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge in der Rundturnhalle in Attendorn

Foto: Bernd Thissen / dpa

Der 35-jährige Islamist, der am Donnerstag bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen festgenommen wurde, soll laut Sicherheitskreisen als Flüchtling getarnt über die Balkanroute nach Europa und Deutschland eingereist sein.

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Der mutmaßliche Islamist war kein Unbekannter, sondern offenbar ein überzeugter Dschihadist. Nach Informationen unserer Redaktion wurde er im Herbst 2015 als Flüchtling in Bayern registriert. Der Algerier wurde bereits per internationalem Haftbefehl von den algerischen Behörden gesucht.

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Der Vorwurf: Mitglied einer terroristischen Vereinigung. Die Beamten sammelten Hinweise, darunter etwa Bildaufnahmen, die den Verdächtigen bei Kampfhandlungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien und im Irak zeigen sollen.

Drahtzieher gründete Terrorzelle

Der mutmaßliche Drahtzieher soll sich für seine Anschlagspläne nach Recherchen unserer Redaktion Mitstreiter zusammengesucht haben, gründete eine „Zelle“.

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Sein engster Helfer war bei der Vorbereitung der Gewalttat offenbar der weitere Algerier in Berlin, bei dem Polizisten nun die Wohnung und auch Arbeitsstätten im Zuge der Razzia durchsuchten. Auch er hatte wohl starken Bezug zur Terrorgruppe des IS. Hinweise auf eine Teilnahme an Kampfhandlungen oder Reisen nach Syrien oder Irak gibt es bei ihm aber offenbar nicht.

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Die anderen Tatverdächtigen – einer von ihnen hielt sich ebenfalls in Berlin auf, ein anderer in Hannover – waren ebenfalls Anhänger des IS, jedoch offenbar nicht so stark an die Miliz gebunden wie bei dem Hauptverdächtigen.

Terrorzelle verhielt sich konspirativ

Die Gruppe soll sich konspirativ verhalten haben, mehrfach die Handys gewechselt haben und sich auch über sogenannte „Instant Messenger“ verständigt haben. Das ist nicht unüblich für das Vorgehen von Terroristen. Bei der Beobachtung von Terrorzellen setzen die Behörden dann vor allem auch Abhörmaßnahmen und die Observation durch Ermittler vor Ort. Davon ist auch in diesem Fall auszugehen.

Doch weiterhin sind die Behörden vorsichtig mit Informationen über die mutmaßliche Terrorgruppe. Es besteht die Gefahr, dass diese untertauchen, andere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe warnen oder Beweise vernichten. Die Ermittlungen und die Auswertung der bei den Razzien beschlagnahmten Gegenstände dauern an.

Der in Hannover gesuchte IS-Terrorverdächtige hatte laut Sicherheitskreisen Verbindungen zur belgischen Islamistenszene. Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud, gelebt. Molenbeek gilt als Islamistenhochburg.(mit dpa)