Kommentar

Berlin muss endlich in die Höhe wachsen

Die Ablehnung hoher Gebäude durch viele Berliner ist unsinnig, meint Isabell Jürgens. Denn es mangelt an Platz.

Hochhäuser wie das "High West" - hier eine Simulation - stoßen oftmals auf Ablehnung

Hochhäuser wie das "High West" - hier eine Simulation - stoßen oftmals auf Ablehnung

Foto: system / Bauwert Investment Group

Berlin ist reif für den Bau von Hochhäusern, so lautet das Fazit einer Studie, die im Auftrag von verschiedenen Immobilienunternehmen erstellt und am Mittwoch präsentiert wurde. Die Türme seien angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs, den Berlin in den vergangenen zehn Jahren genommen habe, quasi „alternativlos“, um es mit dem Lieblingswort von Kanzlerin Angela Merkel auszudrücken.

Doch nicht nur die wirtschaftlichen, auch die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen, wenn in Berlin tatsächlich so etwas wie eine Skyline entstehen soll. Und da hapert es erheblich. Während die hochaufragenden Türme in Städten wie New York oder London zu den Wahrzeichen zählen, auf die die Bürger der Stadt zurecht stolz sind, schlägt ihnen in Berlin, zumindest in den Stadtplanungsämtern und auch in bürgerinitiativ-bewegten Bevölkerungskreisen, offene Ablehnung entgegen.

Die Berliner Verwaltung führt Richtlinien wie die Gebäudehöhe von 22 Metern, Verschattungs- und Abstandsflächenvorgaben oder auch den Denkmalschutz als K.O.-Argument an. Vielen Bürgerinitiativen gelten sie als selbstbewusste Statussymbole von Bankinstituten und Superreichen ohnehin als Hassobjekt.

Wohlgemerkt: In Berlin geht es nicht um Wolkenkratzer, wie sie etwa jüngst in Dubai mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa entstanden sind. Auch die Höhe des mit 306 Meter höchsten Gebäudes Europas, „The Shard“ in London, steht in Berlin nicht zur Diskussion.

Der Platz in der Innenstadt ist knapp

Das rasante Wachstum der Stadt ist in den Köpfen vieler Berliner ganz offensichtlich noch nicht angekommen. Wenn wir heute um den Bau von 80, 100 oder auch 150 Meter hohen Türmen an der Spree, am Hauptbahnhof, am Alexanderplatz oder auch in der City West streiten, sollten wir jedoch nicht vergessen, dass der Platz in der Innenstadt nun mal knapp ist und wir auf unsere vielen Grün- und Freiflächen nicht verzichten wollen.

Wenn wir diese erhalten und trotzdem nicht in die Breite wachsen wollen, müssen wir endlich ernsthaft über Hochhäuser nachdenken. Die sind zwar nicht „alternativlos“ – aber eine gute Option.