Es ist ein bisschen wie Familienplanung, nur im Bezirksmaßstab. Auf der gleichen Fläche wie bisher werden in Zukunft sehr viel mehr Menschen leben und sich entwickeln. Was benötigen sie dazu? Diese Überlegungen hat die Verwaltung von Marzahn-Hellersdorf angestellt, für die Zeit bis 2020 und 2030.

Ein mehr als 100 Seiten starkes Konzept „Soziale Infrastruktur für Berlin Marzahn-Hellersdorf 2020/2030“ ist entstanden. Es beschreibt, in welchen Ortsteilen künftig wie viele Wohnungen entstehen könnten und wie viele Kitas, Schulen, Sportplätze, Freizeiteinrichtungen und Parks benötigt werden.

Vor allem Familien ziehen zu

Christian Gräff (CDU), Stadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung, stellte es am Dienstag vor. Denn die Bevölkerung im Ostbezirk wächst. Zum Beispiel von 2012 zu 2013 um insgesamt 2347 Personen, fast ausschließlich mit Migrationshintergrund.

Es seien vor allem Familien mit Kindern, sagte Gräff. „Die meisten Zuzügler kommen aus Lichtenberg und Neukölln.“ Viele sind in Plattenbauten eingezogen. Die Gesamtbevölkerungszahl gibt das Konzept mit 254.226 für Ende 2013 an.

Laut einer Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wächst die Bevölkerung des Bezirks bis 2030 auf knapp 262.000. Das Bezirksamt gehe von einer stärkeren Zunahme aus, sagte Stadtrat Gräff, aber man nehme die Senatszahlen als Grundlage. Die meisten neuen Bewohner werden in Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf erwartet. Auch die Zahl der Hochbetagten wird steigen. Was sie an Infrastruktur benötigen, soll 2016 ein weiteres Konzept darstellen.

Mehr als 8000 Wohnungen könnten entstehen

Zwar gibt es jetzt schon zu wenige Spiel- und Sportplätze im Bezirk. Doch grundsätzlich ist der Bezirk für den Zuwachs gut gerüstet. Rund 8300 neue Wohnungen könnten entstehen, zum großen Teil durch dichtere Bebauung, auch in den Einfamilienhaussiedlungen. Kitas, Schulen und Turnhallen könnten auf Flächen errichtet werden, die dem Bezirk, dem Land oder der Berliner Immobilienmanagement GmbH gehören.

Allerdings sind diese Flächen unterschiedlich verteilt. Brachen gibt es vor allem im Bereich der Großsiedlung Marzahn. In den Einfamilienhausquartieren von Kaulsdorf, Biesdorf und Mahlsdorf fehlen Grundstücke, auf denen man etwa einen neuen Spielplatz oder einen Park anlegen könnte. Insgesamt elf Flächen will der Bezirk für neue Turnhallen vorhalten, 15 für Sportplätze, 48 Areale für neue Kinderspielplätze und 16 für öffentliche Parks. Auf neun Grundstücken könnten Jugendclubs entstehen, auf 19 neue Kitas. Platz wird auch für sieben neue Grundschulen und drei Oberschulen reserviert.

Was dem Bezirk jedoch fehlt, ist das Geld. „Das Land Berlin muss die erforderlichen Neubauten finanzieren“, forderte der Stadtrat. Das Konzept sei eine gute Grundlage für die Planung. Die Senatsverwaltung habe die Ausarbeitung unterstützt. Ein solches Konzept werde auch in anderen Bezirken erstellt.