EU-Verhandlungen

Stimmen zur Griechenland-Einigung

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Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Donald Tusk, derzeit Präsident des Europäischen Rates, und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem während der Pressekonferenz zur Einigung

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Donald Tusk, derzeit Präsident des Europäischen Rates, und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem während der Pressekonferenz zur Einigung

Foto: AFP

Griechenland kann auf ein weiteres Rettungspaket hoffen. In der Nacht wurde in Brüssel eine Einigung erzielt. Die Reaktionen.

Nach der Einigung auf ein Rettungspaket für Griechenland sind nun die nationalen Parlamente am Zug. Das griechische Parlament wird nach den Worten von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem in den nächsten Tagen - Dienstag oder Mittwoch - darüber beraten und die verlangten Reformgesetze verabschieden. Dann könnten bis Ende der Woche die Parlamente in den Euro-Ländern, in denen dies vorgesehen ist wie etwa Deutschland, über das geplante Rettungspaket abstimmen.

Reaktionen von Europas Politikern zur Einigung:

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat nach eigenen Worten auf dem Gipfel der Eurogruppe das Beste erreicht, was für sein Land möglich gewesen sei. "Wir haben einen gerechten Kampf geführt", sagte er in Brüssel. "Wir stehen jetzt vor schweren Entscheidungen."

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sieht weder Gewinner noch Verlierer. "Es ist ein Kompromiss", sagte Juncker. "Da es ein Kompromiss ist, gibt es weder Gewinner noch Verlierer. Ich denke nicht, dass das griechische Volk gedemütigt wurde, und ich denke nicht, dass die anderen Europäer ihr Gesicht verloren haben."

Gipfelchef Donald Tusk nach dem Euro-Gipfel am Montagmorgen in Brüssel: "Wir haben ein Agreekment."

Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Stimmung während der Verhandlungen in der Nacht: "War eigentlich für die vielen Stunden sehr sachlich."

Angela Merkel über die Einigung: "Alles in allem: Vorteile überwiegen die Nachteile. (...) Ich glaube, dass Griechenland damit Chancen hat, auf den Wachstumspfad zurückzukehren."

Angela Merkel auf die Frage, ob eine harte Haltung der Geberländer mit den Auswirkungen des Versailler Vertrages auf das Deutsche Reich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg zu vergleichen sei: "Ich beteilige mich nicht an historischen Vergleichen, vor allem nicht, wenn ich sie nicht selber angestellt habe.“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): Europa hat mit der Griechenland-Einigung nach Steinmeiers Ansicht seine historisch gewachsene Kompromissfähigkeit bewiesen. Es zeige sich wieder jene Eigenschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus einem zerrissenen Kontinent eine friedliche und prosperierende Europäische Union geformt habe: "Die Fähigkeit zum friedlichen Interessenausgleich und politischen Kompromiss, auch wenn dafür ganze Nächte hindurch miteinander gerungen werden muss, und das im engen deutsch-französischen Schulterschluss", sagte Steinmeier am Rande der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Bis zu einem neuen Hilfspaket sei noch mancher schwieriger Schritt zu gehen. Gerade Athen müsse dringend neues Vertrauen aufbauen. Die Krise sei aber auch eine Chance für Europa: "Wenn wir an Zusammenhalt, Kompromissfähigkeit und unseren europäischen Grundsätzen festhalten, können wir, kann die Europäische Union wie auch schon in der Vergangenheit gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagte der SPD-Politiker.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande, sagte Griechenland könne nun in der Eurozone bleiben. "Was ich wollte, war mehr als das Interesse Griechenlands, es war das Interesse Europas", sagte Hollande nach Abschluss des Krisengipfels.

Finnlands Ministerpräsident Juha Sipilä: „Die Vorschläge des Gipfels für das griechische Parlament sind ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Sipilä dem finnischen Rundfunk. „Die finnische Regierung wird sie sehr genau verfolgen und entscheiden, ob sie eine ausreichende Grundlage bilden, Verhandlungen mit Griechenland einzuleiten.“ Finnland könne nicht garantieren, dass es diesen zustimmen würde - auch wenn Griechenland sich zu allen erforderlichen Maßnahmen bereiterklärte.

Japan begrüßt die Einigung der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone. Die griechische Wirtschaft habe zwar keinen großen Anteil an der Weltwirtschaft, sagt ein Sprecher der Regierung in Tokio. "Aber die Stabilität der Euro-Zone ist wichtig für die Stabilität der Weltwirtschaft."

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( dpa/sh )

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