1. Mai in Hamburg

Krawall in Hamburg - Es gibt zahlreiche Verletzte

Kurz nach dem Start kommt es bei der „Revolutionären 1. Mai“-Demo zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Polizei löst den Zug früh auf. Vermummte zünden Barrikaden an.

Foto: Markus Scholz / dpa

Die Hamburger Polizei ist am Donnerstagabend mit Wasserwerfern gegen Demonstranten aus der linken Szene vorgegangen. Bei der „Revolutionären 1. Mai“-Demonstration waren zuvor Flaschen, Böller und Steine geflogen. Dort seien Beamte „massiv angegriffen“ worden, mit Fahnenstangen hätten Teilnehmer auf Einsatzkräfte eingeschlagen, hieß es bei der Polizei. „Die Aggression hat sich ein Mal richtig entladen.“ Die Polizei hatte daher die Route des Aufzugs verkürzt, der Zug konnte nicht die „Esso“-Häuser und das linke Kulturzentrum „Rote Flora“ passieren.

Die rund 2200 Teilnehmer kehrten nach einer kurzen Runde durch St. Pauli an den Ausgangspunkt der Demonstration in der Nähe des U-Bahnhofs Feldstraße zurück. Dort löste die Polizei die Versammlung auf.

Im Vorfeld hatte die Polizei mit rund 1400 Teilnehmern gerechnet, darunter 300 bis 400 gewaltbereite. Etwa 1800 Beamte sind im Einsatz.

Gewalt bereits zu Beginn der Demonstration

Anders als in Berlin war es bereits zu Beginn der Demonstration zu Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei gekommen. Schon kurz nach Beginn stoppte die Polizei den Zug, weil Böller und Flaschen flogen. Wasserwerfer fuhren auf, die Beamten setzten Pfefferspray ein. Ein Sanitäter sprach von mehr als 50 Verletzten. Es soll Festnahmen gegeben haben, berichtet das „Hamburger Abendblatt“. Die Polizei sprach von acht Festnahmen und zwei Personen, die ins Gewahrsam genommen wurden.

Nach dem Wasserwerfereinsatz zogen viele Demonstranten in Richtung Schanzenviertel. Wie die taz berichtet, wurden Demonstranten über Lautsprecher aber auch dazu aufgerufen, zu einer von Lampedusa-Flüchtlingen am Nachmittag besetzten Schule ins Karolinenviertel zu ziehen. Die Polizei habe das zu verhindern versucht, indem die Demonstranten weiträumig eingekesselt worden seien, so die taz-Reporter, die wenig später von einem weiteren Einsatz mit Wasserwerfern der Polizei berichten.

Spontan-Demo auf dem Weg zum Hauptbahnhof

Demonstranten warfen Feuerwerkskörper und Flaschen. Vermummte errichteten Barrikaden, setzten sie in Brand und warfen Schaufenster ein. Zwei Wagen eines Car-Sharing-Anbieters wurden angezündet. U-Bahnen konnten an der Station Feldstraße kurzzeitig nicht stoppen, sie fuhren durch, wie ein Sprecher der Hamburger Hochbahn sagte.

Gegen 22 Uhr zog eine Spontan-Demo zog zur Schule, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Besetzer die Schule bereits verlassen hatten. Mehr als 800 Menschen sollen sich dem Zug angeschlossen haben. Vereinzelt soll dazu aufgerufen worden sein, zum Hauptbahnhof zu ziehen. Dort wurde ein Zug aus Rostock erwartet, mit dem sowohl Rechtsextreme als auch linke Demonstranten unterwegs waren. In Rostock hatten 2000 Menschen gegen einen Aufmarsch von rund 300 NPD-Anhängern demonstriert. 1500 Polizisten waren im Einsatz.

Allerdings soll sich die Hamburger Demo mit einsetzendem Regen aufgelöst haben. Die Stadtreinigung begann mit den Aufräumarbeiten.

Ursprünglich hatten die Hamburger Demonstranten über die Reeperbahn und das linke Kulturzentrum „Rote Flora“ bis zum Neuen Pferdemarkt ziehen wollen. Die Demonstranten skandierten „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ und „Hoch die internationale Solidarität“. Auf Transparenten der Teilnehmer aus der linken Szene war etwa „Gegen Ausbeutung und Unterdrückung“ oder „Keine Macht für niemand“ zu lesen. In den vergangenen Jahren war es im Anschluss an die Demonstration immer wieder zu Randalen gekommen.

Steine und Bengalische Feuer am Millerntor

Der Demo-Zug startete mit einer etwa halbstündigen Verspätung um 18.35 Uhr. Wenig später kam es zu einem ersten Zwischenfall, als Demonstranten Bengalisches Feuer zündeten. Am Millerntorplatz explodierten viele Böller sowie weitere Bengalische Feuer, Gegenstände flogen auf die begleitenden Polizisten. Die Polizei setzte daraufhin ihre Helme auf und stoppte den Demo-Zug mit der Aufforderung, das Werfen von Gegenständen zu unterlassen. „Lassen Sie die Steine liegen, sonst setzen wir Wasserwerfer ein. Vermummen Sie sich nicht, das ist eine Straftat. Es ist ja nicht kalt. Das ist die letzte Warnung“, verkündete die Polizei durch Megafon.

Die Demonstranten wollten infolgedessen geschlossen gegen die Blockade der Polizei vorgehen. Um 19.27 Uhr entspannte sich die Lage und die Demonstration konnte fortgesetzt werden. Allerdings mit verkürzter Route. Das sei mit den Veranstaltern so abgesprochen, teilte die Polizei mit.

Mit Parolen wie „Hamburg dreht durch. Heraus zum 1. Mai“ und „1. Mai – Straße frei, nieder mit der Polizei“ rüsteten die Akteure bereits Tage vor der „revolutionären“ Aktion verbal auf. Aber die Tonalität war längst nicht so scharf wie kurz vor den Ausschreitungen um die „Rote Flora“ im Dezember. Im Dezember zählte die Polizei rund 7000 Demonstranten. Es gab 320 Gewahrsamnahmen und Dutzende Verletzte bei Demonstranten und Polizisten.

Flüchtlinge besetzen Schule

Am Donnerstagnachmittag protestierten Unterstützer der sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge in einer Schule im Hamburger Karolinenviertel für ein Bleiberecht. Sie hängten ein Transparent mit den Worten „Refugee Welcome Center“ an die Fassade und erklärten das Gebäude zu einem Flüchtlingszentrum. Rund 150 Menschen waren nach Polizeiangaben am Abend in dem leerstehenden Gebäude, um dort eine Vollversammlung abzuhalten. „Es ist aber keine Besetzung.“ Die Stimmung sei friedlich, betonte eine Polizeisprecherin.

Bereits bei der Abschlusskundgebung des DGB in Hamburg war es zu einem Zwischenfall gekommen: Weil einige Unterstützer der Flüchtlinge aus Lampedusa Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) mit Sprechchören lautstark bedrängten, hatte die Polizei den Zugang zum Gewerkschaftshaus gesperrt. Scholz kam erst mit Verzögerung in das Gebäude. Die Unterstützer kritisierten den SPD-Senat, weil er den Flüchtlingen ohne Einzelverfahren kein Bleiberecht einräumen will.

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