1. Mai in Berlin

Polizei hat 68 Randalierer rund um den 1. Mai festgenommen

Zehntausende Menschen haben den 1. Mai in Berlin gefeiert, 19.000 zogen bei der 1. Mai-Demo durch Kreuzberg. Es blieb weitgehend friedlich. Lesen Sie hier die Ereignisse im Protokoll.

Autoren: A. Abel, M. Behrendt, M. Boenke, C. Brüning, A Gandzior, S. Glanze, R. Klar, U. Kraetzer, H. Nibbrig, N. Obermüller, P. Oldenburger, S. Pletl und P. Volkmann-Schluck

Rund um den 1. Mai sind in Berlin nach Angaben von Innensenator Frank Henkel (CDU) 68 mutmaßliche Randalierer festgenommen worden. In der Walpurgisnacht und am Mai-Feiertag wurden 61 Polizisten verletzt, wie Henkel am Freitag sagte. Es sei inakzeptabel und nicht erträglich, wenn Polizisten Opfer von Gewalt würden. Fünf Beamte mussten ihren Dienst vorzeitig beenden. 6400 Polizisten aus zehn Bundesländern und vom Bund waren in der Walpurgisnacht und am 1. Mai im Einsatz. Henkel sprach von einem relativ friedlichen 1. Mai. Gewalttäter hätten nicht das Bild der Hauptstadt geprägt. Bei und nach einer linken Demonstration durch Kreuzberg hatten Linksautonome und Randalierer immer wieder Polizisten angegriffen.

Wowereit nennt 1. Mai „relativ friedlich“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat sich über den „relativ friedlichen 1. Mai“ zufrieden gezeigt. „Die Taktik der Polizei ist aufgegangen“, sagte er am Freitag dem Radiosender 104.6 RTL. Wowereit freute sich, dass „dieser Weg der Deeskalation, des Aufeinanderzugehens“ erste Früchte trage. Er bedankte sich bei Polizeibeamten, Feuerwehr, Sanitätern und auch bei Zehntausenden, die friedliche Feste in Berlin gefeiert hätten. Das Myfest sei eine deutliche Demonstration der Kreuzbergerinnen und Kreuzberger, „die sagen, wir lassen uns den 1. Mai nicht durch Autonome und Chaoten kaputt machen. Wir wollen friedlich miteinander feiern.“

Rund 19.000 Menschen hatten am Donnerstagabend nach Angaben der Polizei an der Demonstration teilgenommen. Das waren deutlich mehr, als zuvor von den Sicherheitsbehörden erwartet worden waren. Ziel des Zuges war in diesem Jahr die Zentrale der Bundes-SPD. Insgesamt 6400 Polizisten waren im Einsatz. Sie begleiteten die Demonstrationszüge und sicherten das MyFest rund um die Oranienstraße, auf dem Zehntausende seit dem Mittag friedlich feierten.

Am Abend kam es auf dem U-Bahnhof Hallesches Tor zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, mehrere Randalierer wurden festgenommen. Grund für die Tumulte im U-Bahnhof Hallesches Tor war offenbar die Überfüllung des Bahnhofs. Die Polizei sorgte deshalb dafür, dass niemand mehr auf den Bahnhof gelangen konnte. Ein Polizist sagte, mehrere Beamte seien angegriffen worden. Vereinzelt wurde Pfefferspray eingesetzt, so eine Polizeisprecherin. Die BVG stellte den Fahrstrom ab, falls es zu einer Panik kommen sollte. Gegen 22 Uhr beruhigte sich die Lage wieder. Vereinzelt kam es anschließend noch zu Versuchen, Container anzuzünden. Größere Schäden entstanden dabei jedoch nicht.

„Es ist hervorragend gelaufen“

„Ich bin mit dem Verlauf bisher sehr zufrieden“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) der Berliner Morgenpost am späten Abend. „Es hat vereinzelte Vorfälle gegeben, aber insgesamt ist die Doppelstrategie aufgegangen.“ Die Einsatzkräfte seien besonnen und zugleich konsequent vorgegangen. „Die Polizei hat einen tollen Job gemacht, einen ganz großen Dank von mir“, so der Senator. Auf dem MyFest habe Volksfestcharakter geherrscht, „so, wie es sich gehört“. Das, was die Organisatoren des MyFestes und die Kreuzbergerinnen und Kreuzberger an diesem Tag geleistet haben, sei ein „Riesenbeitrag zur Befriedung der Situation“. Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, gemessen an der Größe der Demonstration sei Gewalt ausgeblieben. „Es ist hervorragend gelaufen.“

„Der friedliche Verlauf des 1. Mai sowie des 30. April ist in erster Linie dem hervorragenden polizeilichen Konzept zu verdanken“, sagte die Berliner Chefin der Polizeigewerkschaft GdP, Kerstin Philipp. Eine positive Bilanz des 1. Mai zog auch Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus. Die Situation am U-Bahnhof Hallesches Tor wertete er als „kleinere Auseinandersetzungen“. Die Polizei habe die Lage dort gut im Griff gehabt. Auffällig, so Lux, sei die hohe Teilnehmerzahl sowohl bei der DGB-Demonstration als auch beim MyFest und der „Revolutionären 1. Mai-Demo“ gewesen. „Insgesamt war es ein schöner Tag“, sagte Lux.

Die Polizei sei auf die 19.000 Teilnehmer gut vorbereitet gewesen, sagte der Innenexperte der CDU, Robbin Juhnke. Es sei zudem ein positives Zeichen, dass der Demonstrationszug nicht vorzeitig aufgelöst werden musste. Auch Frank Zimmermann, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, freute sich über den friedlichen Verlauf. „Die Strategie der Deeskalation ist und bleibt richtig“, sagte Zimmermann. Der Verhandlungserfolg von Senatorin Dilek Kolat am Oranienplatz habe dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.

Friedliche Feiern zur Walpurgisnacht

Am Abend des 30. April waren auch die Feiern zur Walpurgisnacht ohne größere Zwischenfälle verlaufen. In Wedding hatten knapp 3000 Menschen an der „Antikapitalistischen Walpurgisnacht“ teilgenommen. Während des Demonstrationszuges wurde zwar Pyrotechnik gezündet, nennenswerte Zwischenfälle gab es jedoch nicht. Die Polizei nahm 15 Teilnehmer vorübergehend fest.

Im Viktoriapark in Kreuzberg kam es zu Flaschenwürfen auf Polizisten, als diese illegale Feuerstellen löschten. Zwei Beamte erlitten leichte Verletzungen. Auch im Mauerpark in Prenzlauer Berg, am Boxhagener Platz in Friedrichshain, im Treptower Park und in der Hasenheide in Neukölln wurde friedlich gefeiert.

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