Erste Bilanz

Walpurgisnacht in Berlin verläuft friedlich

Polizei und Feuerwehr ziehen eine erste positive Bilanz der Walpurgisnacht. Rund 15 Menschen seien festgenommen worden, heißt es. 2400 Beamte waren in Berlin im Einsatz.

Die Walpurgisnacht ist in Berlin verhältnismäßig ruhig verlaufen. Bei einer Demonstration im Stadtteil Wedding hatten am Abend einige Teilnehmer randaliert: Vermummte zündeten bengalische Feuer, Demonstranten warfen Böller. Dort hatten knapp 3000 Menschen gegen soziale Ausgrenzung und steigende Mieten demonstriert.

In der gesamten Nacht seien stadtweit rund 15 Menschen festgenommen worden, zwei Polizisten erlitten leichte Verletzungen, teilte die Polizei am Donnerstagmorgen mit. Sie zog nach den Protesten aber ein positives Fazit.

Laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf verlief die Demo in Wedding von vereinzelt geworfenen Feuerwerkskörpern komplett ruhig. Im Mauerpark habe es überhaupt keine Zwischenfälle gegeben. Lediglich am Viktoriapark in Kreuzberg hatte einige Personen ein Feuer entfacht und wollten es nicht löschen. Die Stimmung war leicht aggressiv, es gab Flaschenwürfe auf die Beamten.

Bei den großen Walpurgisnacht-Partys – beispielsweise im Mauerpark und im Viktoriapark – sei die Stimmung insgesamt eher volksfestartig gewesen. Dort feierten zeitweise bis zu 1000 Menschen.

So musste die Polizei im Viktoriapark einschreiten. Beim Löschen von Feuerstellen warfen einzelne Parkbesucher Flaschen auf die Einsatzkräfte. Dabei wurden zwei Polizisten leicht verletzt.

Insgesamt 16 Anzeigen wurden geschrieben. Verfahren wurden wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Körperverletzung eingeleitet.

2400 Beamte waren rund um die Walpurgisnacht in Berlin im Einsatz.

Jugendliche wollten Spaß

Am S-Bahnhof in Berlin-Hermsdorf lösten Landes- und Bundespolizei eine unangemeldete Versammlung auf. Etwa 500 Jugendliche hatten sich dort getroffen. Anwohner riefen die Polizei wegen des Lärms.

Beamte begleiteten noch eine größere Gruppe in einer S-Bahn Richtung Innenstadt. Das Treffen sei wohl den Walpurgisnacht-Veranstaltungen zuzuordnen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die Jugendlichen hätten aber wohl einfach Spaß haben wollen.

Ruhige Nacht für Feuerwehr trotz brennender Fahrzeuge

Auch die Feuerwehr in Berlin hatte vergleichsweise wenig zu tun, sagte ein Sprecher. Gegen 3 Uhr stand an der Köpenicker Landstraße in Plänterwald ein Renault Megane in Flammen. Durch das Feuer wurden zwei daneben geparkte Fahrzeuge ebenfalls beschädigt. Ersten Erkenntnissen nach gehört der Wagen einem Angehörigen der rechte Szene, weswegen der Staatsschutz ermittelt.

Gegen 2.50 Uhr musste die Feuerwehr nach Reinickendorf in den Wilhelmsruher Damm ausrücken. Dort brannten ein BMW Cabrio und ein Alfa Romeo völlig aus. Es wird von Brandstiftung ausgegangen, ein politisches Motiv kommt laut Polizei nicht in Betracht.

Gleiches gilt für einen zum Teil bereits schon ausgeschlachteten Golf, der auf einem Hinterhof an der Müllerstraße in Mitte brannte. In diesem Fall ermittelt ein örtliches Brandkommissariat wie auch im Fall eines brennenden Lkw-Anhängers am Graaler Weg in Lichtenberg. In allen Fällen blieben Menschen unverletzt.

„Eine sehr ruhige Walpurgisnacht aus Sicht der Feuerwehr“, hieß es dazu.

>>> HIER die Ereignisse der Feiern und der Demonstration am Vorabend des 1. Mai in unserem Liveticker. >>>

Auch in Hamburg kam es lediglich zu kleineren Zwischenfällen: Am Mittwochabend waren dort bei einer Demonstration unter dem Motto „Freedom of Movement now“ rund 1300 Menschen von Altona zum Hafen gezogen. Unbekannte warfen auf der Route Böller und zündeten Silvester-Raketen. Andere entfachten Leuchtfeuer auf einem Wohnhaus. Schon in der frühen Nacht hatten sich die meisten Demonstranten in beiden Städten wieder verlaufen.

Zahlreiche Demonstration erwartet

Nach einer weitgehend friedlichen Walpurgisnacht werden am Donnerstag zahlreiche linke Demonstranten in Berlin und Hamburg erwartet. In der Hauptstadt stellte die Polizei rund 6500 Einsatzkräfte bereit, um am 1. Mai für mögliche Krawalle im linksalternativen Stadtteil Kreuzberg gerüstet zu sein. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich aber optimistisch, dass die Gewaltbereitschaft gering und der Protest weitgehend friedlich bleiben wird.

Zu der sogenannten Revolutionären-1.-Mai-Demonstration um 18 Uhr werden in Berlin mehr als 10.000 Teilnehmer erwartet. In der Vergangenheit war es in Kreuzberg immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen. Banken und Geschäfte wurden vorsorglich mit Spanplatten verbarrikadiert.

Auch in Hamburg wollten Demonstranten durch die Stadt ziehen. Bis zu 1400 Menschen werden bei dem Marsch durch das Schanzenviertel unter dem Motto „Hamburg sieht rot“ erwartet. Darunter könnten nach Einschätzung der Polizei auch etwa 300 bis 400 gewaltbereite Teilnehmer sein. Mehrere Hundertschaften sind im Einsatz, um gegen mögliche Gewaltausbrüche vorzugehen.