Papst Franziskus hat am Ostersonntag in Rom den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ – der Stadt und dem Erdkreis – erteilt. Vor geschätzt mehr als 150.000 Menschen auf dem festlich geschmückten Petersplatz sprach er von der Loggia des Petersdoms aus die Segensworte.

Der Papst verzichtete dabei wie schon im vergangenen Jahr auf die üblichen kurzen Ostergrüße in Dutzenden Sprachen. Stattdessen wünschte er zum Abschluss ein „gutes Mittagessen“.

Zuvor feierte der Pontifex die Ostermesse zur Auferstehung Christi und verkündete seine Osterbotschaft. In seiner Predigt betete er für Frieden in der Ukraine und Syrien sowie für ein Ende terroristischer Anschläge in Nigeria, von denen viele Christen gegolten hatten.

Franziskus wies darauf hin, dass dieses Jahr Christen aller Konfessionen zeitlich gesehen zusammen Ostern feiern, also auch Mitglieder der orthodoxen Kirchen in der Ukraine. Er bat Gott, den Förderern des Friedens in der ehemaligen Sowjetrepublik zur Seite zu stehen.

Alle Beteiligten sollten mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft jede Anstrengung unternehmen, Gewalt zu verhindern, sagte er. In der Ukraine selbst wurde der Ostersonntag allerdings von tödlichen Schüssen überschattet, mindestens ein Menschen kam dabei ums Leben.

Platz mit Narzissen, Hyazinthen und Rosen geschmückt

Die Gläubigen waren aus aller Welt zu den Osterfeierlichkeiten in den Vatikan gekommen. Deren Höhepunkt ist jedes Jahr die Messe am Sonntag, jenem Tag, an dem laut christlicher Überlieferung Jesus von den Toten auferstand. Die Menschenmenge reichte bei der Feier unter blauem Himmel weit über den Petersplatz hinaus, viele schwenkten Fahnen von Franziskus' Heimatland Argentinien, andere die ihrer eigenen Staaten. Der Platz selbst war mit Narzissen, Hyazinthen und weißen Rosen geschmückt.

Der Papst appellierte auch an die Konfliktparteien in Syrien, „mutig den lange erwarteten und überfälligen Frieden“ auszuhandeln. Rund zehn Prozent der Bevölkerung des Bürgerkriegslandes sind Christen. Der dortige griechisch-orthodoxe Patriarch, Johannes X. Yazigi, erklärte in seiner Osterbotschaft, die Christen in Syrien würden sich Extremisten weder beugen noch ergeben, die „unsere Leute und heiligen Orte“ angreifen. Präsident Baschar al-Assad besuchte das kürzlich von seinen Truppen zurückeroberte christliche Dorf Maalula und versprach den Bewohnern Schutz.

Vor seiner Reise nach Israel, die palästinensischen Autonomiegebiete und Jordanien im Mai drückte Papst Franziskus in seiner Osterpredigt auch seine Hoffnung auf eine Fortsetzung nachhaltiger Friedensgespräche im Nahostkonflikt aus.

Sich der Bedürftigen annehmen

Papst Franziskus sprach auch das Leiden der Menschen in Afrika an, unter anderem durch den Ebola-Ausbruch in Guinea, aber vor allem auch in Nigeria. Dort hat die radikalislamische Sekte Boko Haram in diesem Jahr schon Tausende Christen und gemäßigte Muslime ermordet. Franziskus forderte, diese „brutalen Terrorangriffe“ einzustellen.

Der Papst forderte die Gläubigen aber auch auf, sich der Bedürftigen in ihrer Heimat anzunehmen. Die Osterfreude bedeute auch, „denen nahezustehen, die von den Problemen des Lebens erdrückt werden, mit den Bedürftigen zu teilen, den Kranken, Alten und Ausgegrenzten zur Seite zu stehen“.

Gleichzeitig verurteilte er die „Geißel des Hungers“, die durch „Konflikte und die immense Verschwendung, für die wir oft verantwortlich sind, noch verstärkt wird“. Der Papst hat sich seit Beginn seiner Amtszeit bemüht, ein Beispiel an Bescheidenheit zu sein und immer wieder Verzicht gepredigt.

dpa/mim