Wenn ich unterwegs bin, freuen sich alle. Denn dann ist Ostern. Für mich heißt es aber: Schleppen, schleppen, schleppen. Schließlich muss ich eine Menge Eier mit mir herumtragen. Gestatten, ich bin der Osterhase.
Wenn ich an das Osterfest denke, tut mir jetzt schon mein Rücken weh. Auch muss ich mir jedes Mal gute Verstecke für die Osternester überlegen. Denn du sollst sie nicht so schnell finden. Aber Spaß macht es trotzdem.
Erwachsene sagen bestimmt: Hasen können keine Eier legen. Das stimmt. Unsere Babys kommen lebend auf die Welt. Aber ich lege die Eier ja auch nicht, ich bringe sie nur. Das ist ein alter Brauch. Aber niemand hat mich je dabei beobachtet. Deshalb ist es auch mein Geheimnis, wie ich als Hase überhaupt zum Ei gekommen bin. Um dieses Geheimnis ranken sich viele Geschichten.
Sinnbilder des Frühlings
Manche Menschen vermuten, dass es vielleicht so gewesen ist: Früher glaubten die Leute, dass wir Hasen ein Zeichen für das Leben und das Kinderkriegen sind. Denn wir bekommen viele Babys. Außerdem hoppeln gerade um Ostern herum besonders viele von uns über die Felder und die Wiesen. Schließlich sind wir auch Sinnbilder des Frühlings.
Man darf auch etwas anderes nicht vergessen: Im Frühjahr legen die Hühner viel mehr Eier als im Winter. Früher durften die Menschen in der Fastenzeit davon keine essen. Sie haben die Eier gekocht und aufgehoben. An Ostern gab es also eine Menge davon. Und weil sie dann oft in der Kirche gesegnet wurden, waren sie eine besondere Speise.
Wenn es dann darum ging, die Eier unters Volk zu bringen und zu verstecken, waren anfangs ganz schön viele Tiere im Spiel. Diese Aufgabe wurde mal dem Fuchs, dem Storch, dem Kuckuck und sogar dem Esel zugeschrieben. Aber der Hase hat dann irgendwann gegen die anderen Tiere gewonnen.
Osterlämmer mit Hasenohren?
Es gibt auch Leute die glauben, dass das eher ein Zufall war. Schon im Mittelalter hat es nämlich schon gebackene Osterlämmer gegeben und wenn sie den Bäckern missglückten, hatten die ziemlich lange Ohren und sahen dann aus wie Hasen... Lächerlich!
Der erste erhaltene Bericht über mich stammt übrigens aus dem Jahr 1678. Da schrieb also vor mehr als 300 Jahren der Medizinprofessor Georg Franck aus Heidelberg über mich und erzählte, wie Erwachsene und Kinder Ostern „Haseneier“ im Gras suchten.
Auch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein bis in die Schweiz in Zürich ist der Osterhase als Eierbringer schon sehr lange bekannt. Die Kinder „jagten den Hasen“ im Garten – und fanden dabei bunte Eier.
Aber ganz egal, welche Geschichten ihr vielleicht über mich gehört habt – irgendwann war jedenfalls nur noch ich derjenige, der die Eier schön gefärbt in die Gärten oder die Häuser brachte und für die Kinder versteckte. Oder etwa nicht…?
dpa/gs


