Reaktionen auf Wulff-Rücktritt

"Unvermeidlich", "Respekt", "Zu lange gezögert"

Nach dem Rücktritt Christian Wulffs äußern sich Vertreter aus Politik und Gesellschaft zur Amtsniederlegung des zehnten deutschen Bundespräsidenten.

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Der Bundespräsident hat am Freitag seinen Rücktritt erklärt. Seine Rede im O-Ton.

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- CSU-Chef Horst Seehofer hat nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff alle Parteien aufgefordert, nun „mit Achtung vor dem Amt“ des Staatsoberhauptes zu handeln. Seehofer betonte am Freitag in München, Wulff habe für seine Entscheidung „ungeteilten Respekt verdient“. Mit diesem Schritt rücke Wulff „die Würde und die Bedeutung des höchsten Staatsamtes an die erste Stelle“. Der bayerische Ministerpräsident fügte hinzu: „Niemand hat sich diesen bedauerlichen Gang der Dinge gewünscht. Aber alle sind jetzt dazu aufgerufen, dieser Situation gerecht zu werden.“

- Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als „nach der Entwicklung der vergangenen Monate unvermeidlich“ bezeichnet. „Deutschland braucht jetzt einen Präsidenten, der sich auf ein breites Vertrauen stützen kann“, erklärte Wowereit am Freitag über seinen Sprecher. „Deshalb ist es wichtig, eine Konsenskandidatur zu finden.„

- Bundespräsident Christian Wulff hat nach Einschätzung des Berliner Innenministers Frank Henkel (CDU) eine „persönlich schwierige, aber richtige Entscheidung“ getroffen. „Der zunehmende Druck auf das Amt hat diesen Schritt unabwendbar gemacht“, sagte Henkel am Freitag.

- Die Grünen-Fraktionsspitze hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff begrüßt. „Wir sind erleichtert, dass Christian Wulff mit seinem Rücktritt das Land von quälenden Debatten erlöst hat“, erklärten die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin am Freitag in Berlin. Unabhängig vom Ausgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sei dieser Rücktritt unausweichlich gewesen.

- In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Linken, Gesine Lötzsch, Klaus Ernst und Gregor Gysi: "Das Amt des Bundespräsidenten ist beschädigt. Der Rücktritt von Herrn Wulff war notwendig, aber kam spät."

- Die Piratenpartei verlangt nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff eine schonungslose Aufklärung aller Vorwürfe gegen das Staatsoberhaupt. „Der Verdacht der Vorteilsnahme im Amt wiegt schwer“, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende der Piraten, Bernd Schlömer, am Freitag in Berlin. Er fügte hinzu: „Unabhängig vom Rücktritt muss es zu einer gründlichen Aufklärung der Vorwürfe kommen.“ Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte zuvor die Aufhebung der Immunität Wulffs beantragt.

- Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als „absolut notwendigen Schritt“ begrüßt. „Wenn Herr Wulff sich früher intensiver geprüft hätte, hätte dieser Schritt schon früher erfolgen können“, sagte Schäfer-Gümbel am Freitag der dpa in Wiesbaden. Der Vertrauensverlust, von dem Wulff gesprochen habe, sei schon vor Wochen eingetreten.

- Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff mit „Respekt“ zur Kenntnis genommen. „Er wendet damit Schaden vom höchsten deutschen Staatsamt ab“, sagte Platzeck am Freitag in Potsdam auf Anfrage.

- Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nimmt den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff „mit Respekt zur Kenntnis“. Er betonte, dass für Wulff wie für jeden anderen Bürger bis zum Abschluss der rechtsstaatlichen Verfahren die Unschuldsvermutung gelte. „Jetzt heißt es für die Kanzlerin und alle politisch Verantwortlichen, nach vorn zu schauen und möglichst schnell im Interesse unseres Landes die Weichen für eine Neuwahl des Staatsoberhauptes zu stellen“, teilte Haseloff am Freitag in Magdeburg mit.

- Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff begrüßt. „Der Schritt war unausweichlich. Nur so konnte weiterer Schaden vom Amt des Bundespräsidenten abgewendet werden“, sagte der Regierungschef am Freitag in Stuttgart laut Mitteilung. „Ich bin erleichtert über den Rücktritt von Bundespräsident Wulff.“

- Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sieht in dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff „einen notwendigen Schritt nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen“.

Der Zentralrat der Juden hat auf den Rücktritt des Bundespräsidenten mit „Respekt, Anerkennung und Bedauern“ reagiert. Christian Wulff habe Deutschland „nicht nur stets würdig repräsentiert“, sagte Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrats der Juden . Zusammen mit seiner Ehefrau Bettina habe er auch für ein „weltoffenes, junges und dynamisches Deutschland“ gestanden, „das seine neue Vielfalt als Bereicherung begreift“.

- Der Vorsitzende des Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wertet den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wullf als „wichtigen Schritt zum Schutz seines hohen Amtes und seiner Person“. Er zolle diesem Schritt Respekt, sagte der Freiburger Erzbischof am Freitag. Zugleich dankte er Wulff für seinen „vielfältigen Einsatz zum Wohl unseres Landes und für wertvolle Impulse, die er gegeben hat“. Sein Bemühen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sei für Deutschland wichtig gewesen und bleibe bedeutsam.