Syrien

Zehntausende demonstrieren gegen Assad

Zur Ankunft der Beobachter in Syriens Protesthochburg Homs schweigen die Waffen – und die Massen strömen auf die Straße. Bis zu 70.000 Menschen sollen gegen das Assad-Regime protestiert haben. Regierungstruppen setzten Tränengas ein, Augenzeugen berichten von Schüssen.

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Die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien ist am Dienstag zum Auftakt ihrer Arbeit in die Protesthochburg Homs gereist. Während ihres Besuchs seien rund 70.000 Menschen gegen die Staatsführung unter Präsident Baschar el Assad auf die Straße gegangen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Gegen die Demonstranten setzten Sicherheitskräfte demnach Tränengas und scharfe Munition ein.

In dem Viertel Chalidije hätten aus Protest gegen „die Verbrechen des Regimes“ zehntausende Assad-Gegner an einem Sitzstreik teilgenommen, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Rund 70.000 Menschen hätten anschließend versucht, auf den zentralen El-Saa-Platz zu kommen, doch hätten die Sicherheitskräfte die Proteste mit Tränengas aufgelöst. Zudem seien vier Menschen durch Schüsse verletzt worden. Videoaufnahmen, die bei Youtube hochgeladen wurden, zeigen Tausende Menschen auf öffentlichen Straßen und Plätzen .

In einer angespannten Atmosphäre wurden die Beobachter in Homs von Gouverneur Ghassan Abdel Al empfangen. Der Leiter der Mission, der sudanesische General Mohammed Ahmed Mustafa el Dabi, bescheinigte den syrischen Behörden, sie zeigten sich „sehr kooperativ“. Die Entsendung der Beobachter ist Teil eines Plans der Arabischen Liga zur Beendigung des Blutvergießens, bei dem seit März nach UN-Angaben rund 5000 Menschen getötet worden sind.

Die Zahl der Beobachter soll von zunächst 50 auf bis zu 200 ansteigen. Der Plan der Arabischen Liga zur Beilegung des Konflikts, dem Damaskus erst nach langem Zögern zugestimmt hat, sieht neben der Beobachtermission ein Ende der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, einen Rückzug der Armee aus den Städten und die Freilassung aller politischen Gefangenen vor.

Der regierungsnahe Fernsehsender Dunia berichtete, die Beobachter hätten im Viertel Bab Sebaa „die durch Terrorgruppen verursachten Schäden“ besichtigt. Auf einem Internetvideo war zu sehen, wie Anwohner versuchten, die Beobachter zum Besuch ihres Viertels zu bewegen. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete von einem Anschlag einer „Terrorgruppe“ auf eine Gaspipeline bei Homs.

Am Montag waren nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten landesweit 44 Zivilisten getötet worden, davon allein 34 in der Provinz Homs. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden kurz vor Ankunft der Beobachter elf Panzer aus dem Stadtteil Baba Amro abgezogen. Dies sei jedoch nur eine „List“, da die Angriffe „innerhalb von Minuten“ wieder beginnen könnten. Auch am Dienstag seien landesweit erneut fünf Menschen getötet worden.