Bürgerrechtlerinnen

Friedensnobelpreis geht an drei Afrikanerinnen

Den Friedensnobelpreis erhalten in diesem Jahr die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, die liberianische Aktivistin Leymah Gbowee und die Jemenitin Tawakkul Karman. Alle drei werden für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte und den Aufbau einer Zivilgesellschaft in Konfliktgebieten ausgezeichnet.

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Die Liberianerinnen Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee sowie die Jemenitin Tawakkul Karman erhalten die Auszeichnung zu gleichen Teilen für ihren Einsatz für die Stärkung der Rollen der Frauen.

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Das Nobelkomitee belohnt in diesem Jahr die Erfolge von Frauen der Demokratiebewegung in Afrika und der arabischen Welt. Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (72), die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee (39) und Tawakkul Karman aus dem Jemen haben am Freitag den Friedensnobelpreis 2011 zuerkannt bekommen. Die drei Frauen würden für ihren „gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für das Recht der Frauen auf eine vollständige Beteiligung an der Schaffung von Frieden“ gewürdigt.

Komiteechef Thorbjørn Jagland begründete die Entscheidung in Oslo mit dem erfolgreichen Einsatz der beiden Frauen aus Liberia zur Beendigung des Bürgerkrieges in ihrem Land nach 13 Jahren. Karman gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung im Jemen.

Im vergangenen Jahr wurde der inhaftierte chinesische Oppositionelle Liu Xiaobo und davor US-Präsident Barack Obama ausgezeichnet. Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt.

Tawakkul Karman

Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit - das sind die drei Prinzipien, an denen sich die neue Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman (32) orientiert. Was einfach klingt, erfordert in ihrer Heimat, dem Jemen, viel Mut. Denn die Mutter von drei Kindern ist schon von vielen Seiten angefeindet worden. Das Regime von Präsident Ali Abdullah Salih hat versucht, sie mundtot zu machen. Radikale Islamisten haben ihr vorgeworfen, sie versuche, die Frauen zur Rebellion gegen ihre Männer anzustacheln.

Angefangen hatte Karmans „Protestkarriere“, als sie erlebte, wie ein einflussreicher Scheich in der Provinz Ibb Familien von ihrem Land vertrieb. Die Journalistin begann, zu überlegen, wie man gegen Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit kämpfen könnte und kam zu dem Schluss, das dies ohne einen Wechsel in der Führungsetage in Sanaa nicht zu bewerkstelligen ist. In den vergangenen Monaten stand sie bei den Demonstrationen in Sanaa oft in der ersten Reihe.

Leymah Roberta Gbowee

Die neue Friedens-Nobelpreisträgerin Leymah Roberta Gbowee ist jung, willensstark und friedliebend: 1972 in Monrovia geboren, hat die liberianische Bürgerrechtlerin den Friedensprozess in dem ehemaligen westafrikanischen Bürgerkriegsland maßgeblich vorangetrieben. Vor zehn Jahren wurde sie Koordinatorin der Organisation „Women in Peacebuilding“. Ein Jahr später gründete sie die Bewegung „Women of Liberia Mass Action for Peace“.

Gewaltfreie Protestaktionen von Frauen und Müttern gegen den damaligen Präsidenten Charles Taylor standen im Mittelpunkt ihrer Initiativen. Als Zeichen für Reinheit und Friedenswillen trugen alle Teilnehmerinnen damals konsequent weiße Kleidung.

Mit der Wahl Gbowees wurde betont, welch wichtige Rolle Frauen bei der Lösung von Konflikten und beim Schaffen von Frieden spielen. Schon in ganz jungen Jahren arbeitete die heute 39-Jährige als Streetworkerin. Sie versuchte, den unzähligen vom Krieg gezeichneten liberianischen Kindern und Jugendlichen zu helfen.

Gbowee, die in den USA am Eastern Mennonite University in Harrisonburg (Virginia) studierte, wurde zudem 2004 in die Wahrheits- und Versöhnungskommission von Liberia berufen, die es sich nach südafrikanischem Vorbild zur Aufgabe gemacht hat, Dialog und Stabilität wiederherzustellen. 2006 wurde sie zur regionalen Beraterin des „Women Peace and Security Network Africa“ ernannt. Heute leitet sie die Organisation.

Ellen Johnson-Sirleaf

Ellen Johnson-Sirleaf hat eine atemberaubende Karriere hinter sich: Die 72-jährige Liberianerin hat in Harvard studiert und erklomm anschließend Schritt für Schritt die Karriereleiter – unter anderem bei den Vereinten Nationen und der Weltbank. Den Höhepunkt ihrer Laufbahn erreichte sie, als sie 2006 als erster weiblicher Staatschef Afrikas vereidigt wurde.

„Dies öffnet die Tür für Frauen auf dem gesamten Kontinent“, sagte Johnson-Sirleaf damals. „Und ich bin stolz darauf, dass ich diejenige bin, die die Tür öffnet.“ Obwohl sie als „Eiserne Lady“ gilt - integer, unbeugsam und willensstark – war die Aufgabe, die sie dann erwartete, alles andere als einfach.

Die 1938 in Monrovia geborene Ökonomin musste die Zügel eines Landes in die Hand nehmen, das nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg am Rande des Abgrunds stand. Eine der Prioritäten der vierfachen Mutter und achtfachen Großmutter war von Anfang an die Reintegration traumatisierter Ex-Kindersoldaten.

Zudem hat sie eine „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ nach südafrikanischem Vorbild eingerichtet, die die Schreckenstaten des Bürgerkriegs untersuchen und Frieden und Stabilität in dem Krisenland wiederherstellen soll.

Die Zeitschrift „Newsweek“ wählte sie 2010 in die Top-Ten der besten Staatschefs der Welt, der „Economist“ bezeichnete sie als beste Präsidentin, die Liberia je hatte. Johnson-Sirleaf hat für ihre unermüdliche Arbeit schon vor dem Friedensnobelpreis zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Friedensnobelpreisträger seit 2001

Der Friedensnobelpreis wurde erstmals 1901 verliehen. Preisträger waren unter anderen Willy Brandt (1971), der Dalai Lama (1989) und Nelson Mandela (1993). Die Geehrten der vergangenen zehn Jahre:

2010: Menschenrechtler Liu Xiaobo (China) – wegen seines langen und gewaltfreien Kampfes für die Menschenrechte in seiner Heimat.

2009: US-Präsident Barack Obama – für seinen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern.

2008: Finnlands Ex-Präsident Martti Ahtisaari – für seine Vermittlung in Kriegen und Konflikten, etwa im Bürgerkrieg in der indonesischen Provinz Aceh.

2007: Ex-US-Vizepräsident Al Gore und UN-Klimarat – für ihren Beitrag zur weltweiten Mobilisierung gegen eine drohende Klimakatastrophe.

2006: Wirtschaftsfachmann Muhammad Yunus (Bangladesch) und die von ihm gegründete Grameen Bank – für die Idee, Kleinstkredite an Arme zu vergeben.

2005: Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihr Direktor Mohammed el Baradei – für ihren Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen.

2004: Umweltaktivistin Wangari Maathai (Kenia) – wegen ihres Engagements für eine nachhaltige Umweltentwicklung sowie Demokratie und Frieden.

2003: Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi (Iran) – wegen des Einsatzes für Kinder- und Frauenrechte sowie für politische Dissidenten.

2002 : Ex-US-Präsident Jimmy Carter – für seinen Beitrag zu friedlichen Konfliktlösungen, Demokratie und Menschenrechten.

2001 : Vereinte Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan (Ghana) - für den Beitrag zu einer friedlicheren und besser organisierten Welt.