Schwedischer Dichter

Lyriker Tranströmer erhält Literatur-Nobelpreis

Also doch nicht Bob Dylan und auch nicht Adonis, sondern Tomas Tranströmer. Der schwedische Lyriker hat den Literatur-Nobelpreis 2011 erhalten. "Durch seine dichten, durchlässigen Bilder verschafft er uns einen frischen Zugang zur Realität", hieß es in der Begründung.

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Der Literaturnobelpreis 2011 geht an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer. Dies teilte das Nobelkomitee am Donnerstag in Stockholm mit.

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Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an Tomas Tranströmer. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Der 80-jährige Tranströmer ist bereits der achte schwedische Gewinner in der mehr als 100-jährigen Geschichte des wichtigsten Literaturpreises der Welt.

„Durch seine dichten, durchlässigen Bilder verschafft er uns einen frischen Zugang zur Realität“, hieß es in der Begründung der Königlichen Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm.

Im vergangenen Jahr wurde der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa ausgezeichnet. Letzte deutschsprachige Gewinner waren Herta Müller im Jahr 2009, Elfriede Jelinek 2004 und Günter Grass 1999.

Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Der Literaturnobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht – dem Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel (1833-1896). Seit 1901 ist er fast jährlich vergeben worden.

Tranströmer ist international anerkannt

Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer (80) gilt seit langem international als einer der bedeutendsten Lyriker. Der Sohn einer schwedischen Journalistenfamilie studierte in den 50er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte in seiner Geburtsstadt Stockholm.

Seinem erlernten Beruf als Psychologe blieb Tranströmer bis zu einem schweren Schlaganfall 1990 treu. Auch nach dem schriftstellerischen Debüt 1954 arbeitete er weiter als Anstaltspsychologe mit jugendlichen Straftätern. Später war er halbtags als Berufsberater in verschiedenen Arbeitsämtern tätig.

Tranströmers Gedichtbände sind in rund 50 Sprachen übersetzt. Sein Gesamtwerk besteht aus weniger als 100 Texten.

Im Gefolge der 68er-Bewegung wandten sich viele Leser von Tranströmer ab. Seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie leiste keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen, lautete der Vorwurf der Kritiker. Tranströmer betonte in diesem Zusammenhang, dass sein Schaffen nicht auf Ideologien, sondern auf Visionen zurückzuführen sei.

Tranströmer lebt seit seinem Schlaganfall mit seiner Frau Monica Bladh zurückgezogen in Stockholm. Obwohl der Lyriker an einem weitgehenden Verlust des Sprechvermögens (Aphasie) leidet, brachte er in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau 1993 seine Memoiren „Die Erinnerungen sehen mich“ (Hanser Verlage/1999) und in den folgenden Jahren mehrere neue Gedichtbände heraus.

Wichtige Werke von Tomas Tranströmer

Zu den bedeutendsten Werken des schwedischen Lyrikers Tomas Tranströmer gehören:

- „Das große Rätsel“, Gedichte, 2005, Hanser Verlag

- „Die Erinnerungen sehen mich“, Autobiografie, 1999, Hanser Verlag

- „Sämtliche Gedichte“, 1997, Hanser Verlag

- „Für Lebende und Tote“, Gedichte, 1993, Hanser Verlag

- „Der wilde Marktplatz“, Gedichte, 1985, Hanser Verlag

Mit dem Literatur-Nobelpreis wurden seit 1950 ausgezeichnet:

1950: Bertrand Russell, Großbritannien

1951: Pär Lagerkvist, Schweden

1952: François Mauriac, Frankreich

1953: Winston Churchill, Großbritannien

1954: Ernest Hemingway, USA

1955: Halldór Laxness, Island

1956: Juan Ramón Jiménez, Spanien

1957: Albert Camus, Frankreich

1958: Boris Pasternak, Russland (durfte Preis nicht annehmen)

1959: Salvatore Quasimodo, Italien

1960: Saint-John Perse, Frankreich

1961: Ivo Andric, Jugoslawien

1962: John Steinbeck, USA

1963: Giorgos Seferis, Türkei/Griechenland

1964: Jean-Paul Sartre, Frankreich (lehnte ab)

1965: Michail Scholochow, Russland

1966: Schmuel Agnon, Polen/Israel und Nelly Sachs, Deutschland/Schweden

1967: Miguel Asturias, Guatemala

1968: Yasunari Kawabata, Japan

1969: Samuel Beckett, Irland

1970: Alexander Solschenizyn, Russland

1971: Pablo Neruda, Chile

1972: Heinrich Böll, Deutschland

1973: Patrick White, Großbritannien/Australien

1974: Eyvind Johnson, Schweden und Harry Martinson, Schweden

1975: Eugenio Montale, Italien

1976: Saul Bellow, Kanada/USA

1977: Vicente Aleixandre, Spanien

1978: Isaac Bashevis Singer, Polen/USA

1979: Odysseus Elytis, Griechenland

1980: Czeslaw Milosz, Polen/USA

1981: Elias Canetti, Bulgarien/Großbritannien

1982: Gabriel García Márquez, Kolumbien

1983: William Golding, Großbritannien

1984: Jaroslav Seifert, Tschechoslowakei

1985: Claude Simon, Frankreich

1986: Wole Soyinka, Nigeria

1987: Joseph Brodsky, Russland/USA

1988: Nagib Machfus, Ägypten

1989: Camilo José Cela, Spanien

1990: Octavio Paz, Mexiko

1991: Nadine Gordimer, Südafrika

1992: Derek Walcott, St. Lucia

1993: Toni Morrison, USA

1994: Kenzaburo Oe, Japan

1995: Seamus Heaney, Irland

1996: Wislawa Szymborska, Polen

1997: Dario Fo, Italien

1998: José Saramago, Portugal

1999: Günter Grass, Deutschland

2000: Gao Xingjian, China/Frankreich

2001: V.S. Naipaul, Trinidad/Großbritannien

2002: Imre Kertész, Ungarn

2003: J.M. Coetzee, Südafrika

2004: Elfriede Jelinek, Österreich

2005: Harold Pinter, Großbritannien

2006: Orhan Pamuk, Türkei

2007: Doris Lessing, Großbritannien

2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio, Frankreich

2009: Herta Müller, Deutschland

2010: Mario Vargas Llosa, Peru

2011: Tomas Tranströmer, Schweden