Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an Tomas Tranströmer. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Der 80-jährige Tranströmer ist bereits der achte schwedische Gewinner in der mehr als 100-jährigen Geschichte des wichtigsten Literaturpreises der Welt.
„Durch seine dichten, durchlässigen Bilder verschafft er uns einen frischen Zugang zur Realität“, hieß es in der Begründung der Königlichen Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm.
Im vergangenen Jahr wurde der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa ausgezeichnet. Letzte deutschsprachige Gewinner waren Herta Müller im Jahr 2009, Elfriede Jelinek 2004 und Günter Grass 1999.
Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Der Literaturnobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht – dem Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel (1833-1896). Seit 1901 ist er fast jährlich vergeben worden.
Tranströmer ist international anerkannt
Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer (80) gilt seit langem international als einer der bedeutendsten Lyriker. Der Sohn einer schwedischen Journalistenfamilie studierte in den 50er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte in seiner Geburtsstadt Stockholm.
Seinem erlernten Beruf als Psychologe blieb Tranströmer bis zu einem schweren Schlaganfall 1990 treu. Auch nach dem schriftstellerischen Debüt 1954 arbeitete er weiter als Anstaltspsychologe mit jugendlichen Straftätern. Später war er halbtags als Berufsberater in verschiedenen Arbeitsämtern tätig.
Tranströmers Gedichtbände sind in rund 50 Sprachen übersetzt. Sein Gesamtwerk besteht aus weniger als 100 Texten.
Im Gefolge der 68er-Bewegung wandten sich viele Leser von Tranströmer ab. Seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie leiste keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen, lautete der Vorwurf der Kritiker. Tranströmer betonte in diesem Zusammenhang, dass sein Schaffen nicht auf Ideologien, sondern auf Visionen zurückzuführen sei.
Tranströmer lebt seit seinem Schlaganfall mit seiner Frau Monica Bladh zurückgezogen in Stockholm. Obwohl der Lyriker an einem weitgehenden Verlust des Sprechvermögens (Aphasie) leidet, brachte er in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau 1993 seine Memoiren „Die Erinnerungen sehen mich“ (Hanser Verlage/1999) und in den folgenden Jahren mehrere neue Gedichtbände heraus.
Wichtige Werke von Tomas Tranströmer
Zu den bedeutendsten Werken des schwedischen Lyrikers Tomas Tranströmer gehören:
- „Das große Rätsel“, Gedichte, 2005, Hanser Verlag
- „Die Erinnerungen sehen mich“, Autobiografie, 1999, Hanser Verlag
- „Sämtliche Gedichte“, 1997, Hanser Verlag
- „Für Lebende und Tote“, Gedichte, 1993, Hanser Verlag
- „Der wilde Marktplatz“, Gedichte, 1985, Hanser Verlag
Mit dem Literatur-Nobelpreis wurden seit 1950 ausgezeichnet:
1950: Bertrand Russell, Großbritannien
1951: Pär Lagerkvist, Schweden
1952: François Mauriac, Frankreich
1953: Winston Churchill, Großbritannien
1954: Ernest Hemingway, USA
1955: Halldór Laxness, Island
1956: Juan Ramón Jiménez, Spanien
1957: Albert Camus, Frankreich
1958: Boris Pasternak, Russland (durfte Preis nicht annehmen)
1959: Salvatore Quasimodo, Italien
1960: Saint-John Perse, Frankreich
1961: Ivo Andric, Jugoslawien
1962: John Steinbeck, USA
1963: Giorgos Seferis, Türkei/Griechenland
1964: Jean-Paul Sartre, Frankreich (lehnte ab)
1965: Michail Scholochow, Russland
1966: Schmuel Agnon, Polen/Israel und Nelly Sachs, Deutschland/Schweden
1967: Miguel Asturias, Guatemala
1968: Yasunari Kawabata, Japan
1969: Samuel Beckett, Irland
1970: Alexander Solschenizyn, Russland
1971: Pablo Neruda, Chile
1972: Heinrich Böll, Deutschland
1973: Patrick White, Großbritannien/Australien
1974: Eyvind Johnson, Schweden und Harry Martinson, Schweden
1975: Eugenio Montale, Italien
1976: Saul Bellow, Kanada/USA
1977: Vicente Aleixandre, Spanien
1978: Isaac Bashevis Singer, Polen/USA
1979: Odysseus Elytis, Griechenland
1980: Czeslaw Milosz, Polen/USA
1981: Elias Canetti, Bulgarien/Großbritannien
1982: Gabriel García Márquez, Kolumbien
1983: William Golding, Großbritannien
1984: Jaroslav Seifert, Tschechoslowakei
1985: Claude Simon, Frankreich
1986: Wole Soyinka, Nigeria
1987: Joseph Brodsky, Russland/USA
1988: Nagib Machfus, Ägypten
1989: Camilo José Cela, Spanien
1990: Octavio Paz, Mexiko
1991: Nadine Gordimer, Südafrika
1992: Derek Walcott, St. Lucia
1993: Toni Morrison, USA
1994: Kenzaburo Oe, Japan
1995: Seamus Heaney, Irland
1996: Wislawa Szymborska, Polen
1997: Dario Fo, Italien
1998: José Saramago, Portugal
1999: Günter Grass, Deutschland
2000: Gao Xingjian, China/Frankreich
2001: V.S. Naipaul, Trinidad/Großbritannien
2002: Imre Kertész, Ungarn
2003: J.M. Coetzee, Südafrika
2004: Elfriede Jelinek, Österreich
2005: Harold Pinter, Großbritannien
2006: Orhan Pamuk, Türkei
2007: Doris Lessing, Großbritannien
2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio, Frankreich
2009: Herta Müller, Deutschland
2010: Mario Vargas Llosa, Peru
2011: Tomas Tranströmer, Schweden
dpa/dapd/nbo



