Wäre der texanische Gouverneur Rick Perry US-Präsident, ließe er eine Flugverbotszone über Syrien errichten. Nicht zuletzt, um dessen „Partner“ Iran auszuschalten. Wäre Michele Bachmann im Weißen Haus, würde sie unbedingt dafür sorgen, dass die US-Schuldenzahlungen nicht länger die chinesischen Streitkräfte aufrüsten.

Rick Santorum, der frühere Senator, würde endlich Afrika, „das Land (sic), das einmal am Abgrund stand“, an amerikanischen Werten genesen lassen. So weit eine Auswahl der Aussichten für Amerika und die Welt, falls einer dieser drei Präsidentschaftskandidaten die Nominierung der Republikaner erränge.

Beste Chancen für Mitt Romney

Die Chancen für das Eintreten eines solchen Ernstfalls stehen nach der elften TV-Debatte der Republikaner in sechs Monaten nicht günstig. Weder Bachmann noch Perry, die nach kurzem Hoch in den Umfragen abgestürzt sind, noch Santorum, der nie oben mitspielte, sind ernsthaft wählbar.

Bei Mitt Romney, dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, ist das anders. Wenig geliebt in der eigenen Partei, nie über 25 Prozent Zustimmung in der Basis hinauskommend, hat er die besten Chancen. Und er denkt nicht daran, sie durch allzu exotische Anbiederung an die Tea-Party-Klientel zu verscherzen. Moralische Klarheit ist nicht seine Sache. Gerade das macht ihn unter denen, die reinen Gewissens sind, suspekt.

Über „Nationale Sicherheit“ sollten die acht Kandidaten debattieren, von CNN und zwei konservativen Think Tanks in der Washingtoner Constitution Hall geladen. Und zwei Stunden lang mühten sie sich, zu Wort zu kommen und die „talking points“ loszuwerden, die sie in ihren Wahlkampfreden abarbeiten.

Barack Obama als gemeinsamer Buhmann

Von der iranischen Atomrüstung bis zur Grenzsicherung gegenüber Mexiko, über die sich angeblich Ströme von Illegalen wälzen, von einer Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze (Patriot Act) bis zum Sicherheitsrisiko der Schuldenkrise reichten die Themen.

Einig waren sie nur in einem: Barack Obama ist ein lascher, die Erwähltheit Amerikas leugnender, sich für die USA fortgesetzt entschuldigender, Israel verratender, den „Sieg“ in Irak verspielender, im Grunde unamerikanischer Versager als Oberkommandierender und Präsident. Kein Wort fiel über die Tötung Osama Bin Ladens ; kein gutes über Libyen. Man war unter sich.

Gäbe es Sieger nach Punkten und Applausstärke auszurufen, müsste es Ron Paul sein. Der skurrile Abgeordnete aus Texas, dessen radikalen libertären Überzeugungen wie schon 2008 junge Leute begeistern, hält nichts davon, der Tea Party oder dem alten Establishment seiner Partei nach dem Mund zu reden.

Für Paul sind beide Kriege illegal, Anmaßung und eine Verschwendung von „Blut und Geld“. Freundschaft könne man weder erkaufen noch erobern, sagte er. Und an Perry gewandt: „Was würden wir sagen, wenn China eine Flugverbotszone über den USA errichtete? Wir würden es nicht mögen, nicht wahr?“

Die USA sollten sich endlich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, stöhnte er unter dem Jubel im Saal, statt „Geld von unseren Armen zu nehmen und es den Reichen in armen Ländern hinterher zu werfen“.

Ron Paul, von Beruf Gynäkologe, ist für eine Legalisierung von Marihuana, „Medikamente und Alkohol töten mehr Leute“. Und er verteidigt zäh die Grundrechte der Amerikaner gegen jeden, der sie im Namen der Terrorbekämpfung einschränken will.

Allein: Es dürften kaum zehn Prozent der Wähler sein, die Paul folgen können und wollten. Man wird diesen rumpelstilzchenhaften Ehrenmann, der die Debatten aufmischt, bald vermissen.

Alle blickten auf Newt Gingrich

Doch die Augen ruhten auf Newt Gingrich, den neusten Umfragefavoriten nach dem Abstürzen von Herman Cain.

Der frühere Fraktionsführer der Republikaner während der Clinton-Ära, als Lobbyist und Autor zum Multimillionär aufgestiegen, ist Historiker und wähnt sich seinen Kollegen und erst recht den Medien gegenüber überlegen.

Gingrich war es vorbehalten, indigniert über die kurze Reaktionszeit von 30 Sekunden zu klagen, als könnte ein Mann seiner Gedankenschwere sich unmöglich dazu herablassen. Schneidend argumentierte er dann gnädig für jede denkbare Verhörmethode, um Geständnisse von Gefangenen unter Terrorverdacht zu erwirken.

Er werde sich als Präsident nicht rechtfertigen, wenn US-Drohnen mutmaßliche Terroristen in Ländern töten, „die es nicht selbst tun“. Ja, und er zwänge den Iran in einem Jahr in die Knie, indem er Teheran die Ölexporte sperre. Die USA könnten sich leicht selbst mit Energie versorgen. Den Europäern, die iranisches Öl brauchen, werde er „gut gelaunt mitteilen, dass wir genug davon haben.“

Der Zweite Weltkrieg als Vorbild

Der Historiker bemühte mehrfach den Zweiten Weltkrieg als Beispiel für überlegenes amerikanisches Handeln: „Damals meinten wir es ernst.“ Nur bei der Mobilmachung gegen undokumentierte Einwanderer wollte er nicht ganz mittun. Manche hätten Kinder und Kindeskinder, besuchten Kirchen und seien in Amerika verwurzelt.

Da müsse man human sein, meinte Gingrich offenkundig mit Blick auf Latino-Wähler. Es war erstaunlich, wie viel Zeit auf illegale Einwanderer verwandt wurde.

Es ist seit Jahren ein Phantomproblem: Die Festnahmen (2010: 447.731 Menschen) an der Grenze sind gegenüber ihrem Höhepunkt im Jahr 2000 um 75 Prozent zurückgegangen. Im Bezirk El Paso sogar um 96 Prozent. Es hat sich in Mexiko und Mittelamerika herumgesprochen, dass es kaum noch Arbeit gibt in den USA.

Grenzzäune gegen wen?

Die meterhohen, elektrisch geladenen Grenzzäune, die Bachmann und Cain gegen die Flut an der 3169 Kilometer langen Grenze aufstemmen wollen, hätten ein Rinnsal aufzuhalten. Über lange Zeit, während sich die Kandidaten gegen die Illegalen um die Wette rüsteten (nie über die Schimäre aufgeklärt von dem schwachen Moderator Wulf Blitzer), fiel der Name Barack Obama nicht mehr.

Kurz vor dem Ende kam Mitt Romney wieder mit Vorwürfen auf den Mann zu sprechen, der doch an allem schuld ist. Fast schien es, als hätten sie ihn gerne vergessen.