Auch die US-Demokraten sind vor geografischen Patzern im Wahlkampf nicht gefeit. Das stellte Präsident Barack Obama bei seiner ersten Wahlkampf-Rede unter Beweis. Die Zuhörer in Osawatomie, einer Kleinstadt im US-Staat Kansas, saßen kaum auf ihren Stühlen, da begrüßte sie Obama mit den Worten, es sei "großartig" in Texas zu sein.
Das Publikum lachte, und der US-Präsident schaute kurz zur Seite – vermutlich zu seinen Beratern. Dann korrigierte er schnell den falschen Bundesstaat in den richtigen: "Kansas". Schließlich rettete er die Situation einigermaßen elegant, in dem er seine familiären Wurzeln in Kansas betonte.
Trotzdem brachte ihm der geografische Ausrutscher in den sozialen Netzwerken viel Häme ein.
Doch während man beim US-Präsidenten schon aufgrund seiner Erfahrung immerhin von einer Verwechslung ausgehen darf, haben sich in den vergangenen Wochen mehrere republikanische Präsidentschaftsanwärter durch geografisches oder politisches Unwissen als mögliche Obama-Gegner geradezu disqualifiziert.
Bisheriger Höhepunkt dürfte die Aussage Michele Bachmanns gewesen sein, sie würde als US-Präsidentin die US-Botschaft in Teheran schließen. Die USA unterhalten allerdings keine diplomatische Residenz mehr in Teheran, seit diese 1979 von militanten Studenten gestürmt wurde und 52 Diplomaten mehr als 440 Tage als Geiseln gehalten wurden.
Schon einmal hatte Bachmann sich zum Iran geäußert, als sie behauptete, das Land habe den USA und Israel mit einem Atomschlag gedroht. Als Reaktion darauf hatte Bachmann das Pentagon aufgerufen, einen Kriegsplan gegen das Land zu entwickeln. Inzwischen liegt die furios in die Vorwahlen gestartete Bachmann, die sich im Übrigen auch für Waterboarding als Foltermethode stark macht, mit nur noch fünf Prozent Zustimmung abgeschlagen am Ende des Bewerberfeldes.
Ein ähnlicher ahnungsloser Republikaner hat unterdessen das Handtuch geworden: Herman Cain, bis zu seiner Kandidatur ohne jegliche politische Vita, stürzte am Ende zwar über seine außereheliche Affäre. Doch auch seine mangelnden außenpolitischen Kenntnisse dürften dem früheren Boss einer Pizza-Kette geschadet haben.
Während eines im Fernsehen übertragenen Interviews mit der US-Tageszeitung "Milwaukee Journal Sentinel" fiel Cain auf die Frage des Reporters nach der Situation in Libyen fast gar nichts ein.
Nach langer, peinlicher Pause fragt Cain den Reporter schließlich, ob es denn korrekt sei, dass "Präsident Obama" die Aufständischen in Libyen unterstützt habe. Cain wirkt in dem Interview wie ein überforderter Abiturient bei der mündlichen Prüfung . Übermüdet sei er gewesen, sagten seine Berater später. Für viele US-Amerikaner war der Auftritt eher der Beleg dafür, wie bankrott die politische Kultur in den USA wirklich ist.
Besonders peinlich war der Aussetzer auch deshalb, weil sich Cain zuvor für seine eigene Borniertheit gefeiert hatte: "Wenn die mich fragen, wer ist der Präsident von Usbeki-beki-beki-stan-stan, dann sage ich: Keine Ahnung! Wissen Sie's?" Den müsse er nicht kennen, spottete Cain. Tatsächlich ist Usbekistan wegen der geografischen Nähe zu Afghanistan ein wichtiger Partner für die USA.
Auch Rick Perry , smarter Gouverneur aus Texas, galt noch vor wenigen Wochen als möglicher Herausforderer Obamas. Doch inzwischen ist der äußerlich an den Typ perfekter Schwiegersohn erinnernde Politiker kein ernsthafter Kandidat mehr.
Wäre er Präsident, so Perry, ließe er eine Flugverbotszone über Syrien errichten. Nicht zuletzt, um dessen Partner Iran auszuschalten. Besonders in Erinnerung bleibt aber der Auftritt Perrys mit seinen republikanischen Konkurrenten Anfang November bei einer Fernsehdebatte .
Währenddessen hatte Perry angekündigt, nach seiner Wahl zum Präsidenten drei Ministerien abschaffen zu wollen. Allerdings fielen ihm nur das Bildungs- und Handelsministerium ein, bei dem dritten Ressort, dem Energieministerium, musste er passen: „Was war noch mal das dritte? Das dritte kann ich nicht, tut mir leid, ich kann nicht. Ups“, sagte er schließlich nach quälend langen 53 Sekunden .
Frei von Peinlichkeiten blieben bislang die Kandidaten Newt Gingrich und Mitt Romney. Inzwischen führt Gingrich die Umfragen an. Der 67-jährige Historiker und Dinosaurier des Politikbetriebes galt bislang als chancenlos. Doch jetzt ist ausgerechnet er die letzte Hoffnung der Konservativen.
Denn sein Mitbewerber Mitt Romney gilt der Basis der Republikaner als zu liberal in Sachen Abtreibung oder etwa Waffenrecht. Übel genommen wird ihm auch, dass er im US-Bundesstaat Massachusetts die Krankenversicherung einführte – und Obama dieses Modell später als seine eigene Reform verkaufte.
Das wiederum macht ihn für Wähler der politischen Mitte attraktiv. Er wäre wohl Obamas gefährlichster Gegner – wenn ihn die Basis denn lässt.
pku


