Der scheidende italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den früheren EU-Kommissar Mario Monti implizit als seinen Nachfolger empfohlen. Der 68-jährige Wirtschaftswissenschaftler arbeite „im Interesse des Landes“, heißt es in einem Glückwunschtelegramm Berlusconis an Monti, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.
Das Telegramm bezieht sich darauf, dass Monti am Mittwoch den Titel eines Senators auf Lebenszeit erhielt. Monti war seit Mitte der 1990er Jahre fast ein Jahrzehnt EU-Kommissar. Die Mailänder Börse legte am Morgen angesichts steigender Hoffnung auf ein Ende der politischen Hängepartie in Italien um mehr als drei Prozent zu.
Unter dem Druck der Schuldenkrise hatte Berlusconi am Dienstagabend angekündigt, er werde nach der Verabschiedung zentraler Spar- und Reformpläne durch das Parlament sein Amt abgeben. Staatschef Napolitano erklärte, nach dessen Rücktritt werde er „umgehend“ Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung einleiten.
Berlusconis Partei zieht nun erstmals eine Einheitsregierung unter Montis Führung des früheren EU-Wettbewerbkommissars Mario Monti in Betracht. Dies sagte am Donnerstag Fraktionschef Fabrizio Cicchitto. Allerdings gebe es auch noch die Option, die Wahlen vorzuziehen. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte der Politiker. Bisher hatte sich die die Partei Volk der Freiheit strikt gegen eine Einheitsregierung ausgesprochen.
Unterdessen forderte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, rasch für politische Klarheit zu sorgen. Die Unsicherheit darüber, wer Berlusconi als Regierungschef nachfolgen solle, um das hoch verschuldete Land aus der Krise zu führen, heize die Volatilität an den Finanzmärkten an, sagte Lagarde. Der italienische Aktienmarkt präsentierte sich am Vormittag aber versöhnlich mit leichten Aufschlägen. Händler sagten, Anleger hofften, Italien werde bald eine neue Regierung haben.
AFP/dpa/ap




