Nato-Aufklärungsflugzeuge überwachen inzwischen rund um die Uhr die militärischen Aktionen des Gaddafi-Regimes in Libyen. Man habe die Entscheidung getroffen, den Einsatz von Awacs-Maschinen im Mittelmeerraum von bislang zehn auf 24 Stunden täglich auszudehnen, sagte der amerikanische Nato-Botschafter Ivo Daalder. Ziel sei, "ein besseres Bild davon zu bekommen, was wirklich in diesem Teil der Welt vor sich geht."

Mit den Awacs-Flugzeugen verfügt die Nato über ein ausgeklügeltes Aufklärungs- und Frühwarnsystem. Mit ihren pilzförmigen Radaraufbau können die Maschinen Objekte in bis zu 400 Kilometern Entfernung orten und identifizieren. Das elektronische Auge kann ein Gebiet von mehr als 312.000 Quadratkilometern überblicken – das ist fast die Fläche Deutschlands. Die Abkürzung Awacs steht für "Airborne Warning And Control System" (luftgestütztes Warn- und Überwachungssystem).

Inzwischen bemühen sich Großbritannien und Frankreich um ein Mandat der Vereinten Nationen für eine Flugverbotszone. Grund für die Vorbereitung einer Resolution des Sicherheitsrates seien Berichte, dass der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi Kampfhubschrauber gegen Zivilisten einsetze, sagte der britische Außenminister William Hague in London. In Paris und New York hieß es, die Vorbereitungen würden in enger Abstimmung mit den USA und Deutschland erfolgen. Diplomaten sagten, die Unterstützung der Vetomächte Russland und China für den militärischen Schritt sei schwierig, aber nicht unmöglich zu gewinnen.

Die Außenminister mehrerer Golf-Staaten drängen auf eine Flugverbotszone, mit der das libysche Volk vor Luftangriffen der Gaddafi-treuen Truppen geschützt werden soll. Der UN-Sicherheitsrat müsse die Menschen in dem nordafrikanischen Land schützen, sagte der Generalsekretär des Kooperationsrates der Golfstaaten in Abu Dhabi.

Aus Diplomatenkreisen hieß es, die Nato könnte mit der Durchsetzung der Flugverbotszone beauftragt werden. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte, die Organisation würde dies nur übernehmen, sollte der Sicherheitsrat sie damit beauftragen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach sich gegen eine Militäraktion gegen Libyen aus.

Die Arabische Liga verlangt für die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen eine Genehmigung durch den UN-Sicherheitsrat. Man werde eine solche Maßnahme nicht pauschal unterstützen, sagte Hescham Jussef, Sprecher der Liga, der Nachrichtenagentur AP. "Wir werden kein unilaterales Vorgehen unterstützen, und wir werden keine Einmischung des Auslands in die inneren Angelegenheiten Libyens tolerieren", sagte Jussef.

Zuvor hatte der Sprecher des französischen Außenministeriums, Bernard Valero, gesagt, der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, habe gegenüber Frankreichs Außenminister Alain Juppé gesagt, die 22 Mitglieder der Liga unterstützten eine solche Zone.

Nato-Botschafter Daaler wies darauf hin, dass die intensiv diskutierte Flugverbotszone nur eine "begrenzte Wirkung" auf tieffliegende Hubschrauber habe könnte, die von den Streitkräften Gaddafis eingesetzt werden. "Die Aktivität in der Luft ist nicht der entscheidende Faktor bei den Unruhen", sagte der Nato-Botschafter. "Es sind andere Dinge, die für die Vorgänge am Boden verantwortlich sind."

Unterdessen ist der Vorsitzende des libyschen Nationalrats, Mustafa Abdul Jalil, mit Delegationen europäischer Staaten zusammengetroffen und hat mit diesen die Möglichkeiten einer Flugverbotszone sowie von Luftschlägen diskutiert, berichtete ein dem Rat nahestehendes Mitglied der libyschen Opposition. Über den Stand der Diskussionen und die Teilnehmer auf europäischer Seite wollte er nichts sagen.

US-Präsident Barack Obama betonte, dass die USA und ihre Verbündeten angesichts der anhaltenden Kämpfe in Libyen noch immer ein militärisches Eingreifen erwägten. Die USA stünden an der Seite des libyschen Volkes, das "inakzeptabler" Gewalt ausgesetzt sei.

Eine militärische Reaktion sei zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht wahrscheinlicher geworden als vor dem Ausbruch der Gewalt in Libyen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Während dieser die Bewaffnung von libyschen Rebellen nicht gänzlich ausschließen wollte, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, dass dies illegal sei, sofern die Vereinten Nationen ein bestehendes Waffenembargo nicht modifizierten oder aufhöben. "Bezüglich Libyens gibt es ein Waffenembargo, was bedeutet, dass es einen Verstoß für jedes Land darstellt, Waffen an irgendjemanden in Libyen zu liefern", sagte Sprecher P. J. Crowley.

dpa/dapd/AFP/mac