Yingluck Shinawatra

In Thailand regiert zum ersten Mal eine Frau

Für Yingluck Shinawatra ist der Weg auf den Chefsessel der thailändischen Regierung frei. Das Parlament stimmte mit großer Mehrheit für die 44-Jährige. Die Schwester des im Exil lebenden Ex-Ministerpräsidenten Thaksin wird die erste Frau in diesem Amt.

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Erstmals in der Geschichte des südostasiatischen Landes steht eine Frau an der Spitze der Regierung. Die 44-Jährige ist die Schwester des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin, der im Exil lebt.

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Thailands Parlament hat erstmals eine Frau an die Regierungsspitze gewählt. Yingluck Shinawatra (44) bekam am Freitag 296 der 500 Stimmen. Nur drei Abgeordnete stimmten gegen sie, 197 enthielten sich der Stimme. Die Schwester des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra tritt ihr Amt offiziell an, sobald der König seine Zustimmung gibt. Die Bestätigung gilt als Formsache.

Yingluck und die Pheu-Thai-Partei hatten die Wahlen am 3. Juli klar mit 53 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Regierungspartei kam nur auf knapp 32 Prozent. Pheu Thai verbündete sich dennoch mit vier Koalitionspartnern und verfügt jetzt über 300 der 500 Stimmen im Parlament. Sie selbst sowie der Parlamentspräsident und seine beiden Stellvertreter durften bei der Wahl am Freitag nicht abstimmen.

Die Pheu-Thai-Partei hat umfassende Veränderungen angekündigt, darunter die Anhebung des Mindestlohns auf 300 Baht (sieben Euro) am Tag, Stützungsmaßnahmen für Bauern und massive Infrastrukturinvestitionen. Nächste Woche soll das Kabinett stehen. Das Gegenlager der ehemaligen Regierungspartei vertritt eher die Interessen der wohlhabenderen Bevölkerungsschichten.

Yinglucks Bruder Thaksin flüchtete knapp zwei Jahre nach dem Sturz vor einer zweijährigen Gefängnisstrafe wegen Amtsmissbrauchs ins Exil. Er gilt als De-facto-Chef der Partei und ist nach Angaben von Mitgliedern an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt.

Bereits Anfang der Woche hatten die Abgeordneten den Politikveteran Somsak Kiatsuranont zum Parlamentspräsidenten gewählt. Somsak gilt als Integrationsfigur. Er hatte sich während der gewalttätigen Straßendemonstrationen zwischen rivalisierenden politischen Lagern immer im Hintergrund gehalten.

Yingluck Shinawatra startet Charme-Offensive

Yingluck Shinawatra gilt als das politisches Naturtalent: Die fotogene neue Ministerpräsidentin hat Thailand im Sturm genommen. Kein Mensch kannte die Geschäftsfrau, als sie vor kaum drei Monaten aus dem Nichts als Spitzenkandidatin der Opposition ins Rampenlicht rückte. Zwar ist sie als Schwester von Thaksin Shinawatra mit einem riesigen Sympathie-Bonus gestartet. Doch hat sie dann Freund und Feind überrascht.

Wenn die Millionärin unter sengender Sonne strahlend lächelnd im Reisfeld steht und vor dem älteren Bauern respektvoll knickst, liegt ihr das Volk zu Füßen. Politische Gegner entwaffnet sie mit Charme. Nie ist ihr ein Wort der Kritik an anderen über die Lippen gekommen. Seit ihrem Wahlsieg hat Yingluck (reimt sich in Thai auf ying rak – sehr geliebt) aber auch eine Menge zunächst skeptischer Parteigänger auf ihre Seite gezogen. Nicht ein Mal ist sie in eines der in Thailand zahlreichen politischen Fettnäpfchen getreten. Sie hält bislang überzeugend an den Wahlversprechen fest und nimmt in parteiinternen Strategietreffen wie selbstverständlich die Führungsrolle ein.

Als Chefin ist sie eigentlich auch in ihrem Element: Yingluck, die in Kentucky in den USA Politik und Verwaltungswesen studierte, hat zeitlebens im Shinawatra-Firmenimperium gearbeitet – stets an der Spitze, versteht sich, erst in einer Mobilfunk-, dann in einer Immobilienfirma. „Ich weiß, wie man managt“, sagte sie im Wahlkampf selbstbewusst. „Ich weiß, wie man Entscheidungen trifft.“ Yingluck ist verheiratet und hat einen neunjährigen Sohn.

Das habe sie von ihrem 18 Jahre älteren Bruder Thaksin gelernt, sagt Yingluck. Sie ist das neunte Kind des Clans. Thaksin nahm die kleine Schwester mit Spitznamen Pou (Krabbe) unter seine Fittiche, als die Mutter früh starb. „Mein Klon“, sagte er wenig taktvoll. Yingluck ging darüber hinweg. „Ich möchte, dass das Volk mir eine Chance gibt“, sagte sie im Wahlkampf. „Vertraut mir, so wie ihr meinem Bruder vertraut habt." Der große Bruder hängt wie ein großer Schatten über Yingluck und der Partei. Sie muss noch beweisen, dass er nicht aus dem Exil in Dubai sämtliche Fäden zieht.

In Thailand geht Yinglucks Charmeoffensive erst einmal weiter. Die erste Frau auf dem höchsten Regierungsposten bringt frischen Wind in eine Politlandschaft, die bisher von Männern dominiert war.

Mode und Trends gehören in Zukunft zum Programm. „Ich lese alles, Zeitungen, Zeitschriften und Modemagazine, um auf der Höhe der Zeit zu sein“, sagte Yingluck. Das Chefbüro wird nach Angaben von Protokollchef Parada Thenbumrung jetzt neu dekoriert, in rosa und pink. Das seien die Lieblingsfarben der neuen Chefin, habe er aus der Partei gehört, sagte er der Zeitung „Nation“. Sie werde die Waffen der Frau zum Wohl des Volkes einsetzen, versprach Yingluck kokett.