Pakistan

So lebten die Berliner Islamisten im Terrorcamp

Der Deutsch-TürkeYusuf O. hat mit Anschlägen am Brandenburger Tor gedroht. Jetzt wurde er in Wien festgenommen. Er ist nicht der einzige Berliner, der sich in Pakistan in einem Terrorlager ausbilden lassen hat.

Foto: Florian Flade / Webshot

In Österreich wurde ein Berliner festgenommen , den deutsche Sicherheitsbehörden mit internationalem Haftbefehl suchten. Der Islamist Yusuf O. hatte mit Anschlägen in Deutschland gedroht und galt als gefährlich. Doch er ist längst nicht der einzige Islamist aus der Hauptstadt, der zur Terrorausbildung in Pakistans entlegenen Nordwesten reiste. Ein knappes Dutzend Berliner Islamisten soll sich zeitweise am Hindukusch getummelt haben – unter ihnen auch Frauen und Kinder.

Der nun festgenommene Yusuf O. gehörte zu einer der ersten Ausreisewelle in die pakistanischen Terrorlager. Er zog mit seinem Freund, dem Berliner Fatih T. (27), im Frühjahr 2009 in den Dschihad. Die beiden Islamisten schlossen sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Wasiristan einer Terrorgruppe an und legten den Grundstein für eine Berliner Dschihadisten-Kolonie, die in den Folgemonaten rasch anwuchs. Aus verschiedenen Bezirken Berlins radikalisierten sich junge Muslime – darunter Deutsch-Türken, Araber, vor allem aber Konvertiten – und entschlossen sich, im pakistanischen Wasiristan ein neues Leben zu beginnen. Sie verkauften ihre Habseligkeiten, um die Reise zu finanzieren, und machten sich über Flughäfen in Ungarn, Österreich und der Türkei auf den Weg in die Terrorlager.

Die Aufrufe der Deutschen Taliban-Mudschahedin (DTM) an deutsche Muslime, in den Heiligen Krieg zu ziehen, zeigten augenscheinlich Wirkung. Im September 2009 machten sich zwei weitere Islamisten aus Berlin samt Ehefrauen auf den Weg nach Pakistan. Der Konvertit Danny R., seine Ehefrau Amirah, sowie der Deutsch-Ungar Thomas U. und dessen ebenfalls konvertierte Frau Stefanie ließen ihr Leben in Deutschland hinter sich, um in Wasiristan im Dschihad zu führen.

"Abu Abdullah der Deutsche“

Danny R. aus Berlin-Reinickendorf, der sich in Wasiristan „Abu Abdullah der Deutsche“ nannte, starb nur wenige Monate nach seiner Ankunft in den Terrorlagern. Im April 2010, nur einen Tag vor seinem 22.Geburtstag, wurde er bei einem Schusswechsel mit pakistanischen Soldaten getötet. Dannys Ehefrau Amirah brachte nur vier Monate später den gemeinsamen Sohn zur Welt. Die US-Drohnenangriffe auf die Terroristenverstecke, der Mangel an Grundnahrungsmitteln und die teilweise katastrophalen hygienischen Zustände in den Terrorcamps demoralisierten die Berliner Taliban offenbar zusehends. Im Spätsommer 2010 beendeten Konvertit Thomas und Ehefrau Stefanie desillusioniert ihr Dschihad-Abenteuer in Wasiristan.

Das Islamistenpärchen plante, über den Iran und die Türkei nach Dänemark zu reisen. Von dort aus wollten sie über die Grenze nach Deutschland. Am 1.September 2010 endete die Reise am Flughafen Istanbul. Türkische Behörden verhafteten das Berliner Paar. Seitdem sitzen Thomas, der sich im Terrorcamp „Abu Hamza der Ungar“ nannte, und Stefanie in Haft. Das Paar wartet auf seine Abschiebung nach Deutschland. Thomas' Ehefrau war hochschwanger als sie Wasiristan verließ. Das Kind wurde in einem türkischen Gefängnis geboren. Die Kolonie der Berliner Gotteskrieger in Wasiristan ist merklich kleiner geworden – doch von einem Ende der Deutschen Taliban-Mudschahedin wollen Sicherheitsbehörden jedoch noch nicht sprechen.