Berliner Oberstufe

Guido Westerwelle spricht mit Schülern über 9/11

Vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 besuchte Außenminister Guido Westerwelle die deutsch-amerikanische John- F.-Kennedy Schule in Berlin. Mit den Schülern gedachte er der Opfer und beantwortete Fragen.

Foto: Reto Klar

Maximilian Fischbach fühlt sich wie in einem Agenten-Film. Um ihn herum stehen Beamte des Bundeskriminalamts in schwarzen Anzügen, die Knöpfe im Ohr tragen und Nachrichten in ihre Mikrofone flüstern. Der 18 Jahre alte Schüler blickt auf die Autoschranke, die sich jetzt öffnet, nur ein paar Meter vor dem Haupteingang der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf. Zwei schwarze Limousinen gleiten ein. Maximilian denkt in diesem Moment an James Bond, an Sean Connery oder Daniel Craig, wie er später sagt.

Aus dem Wagen steigt Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Er lächelt und gibt Maximilian die Hand.

Der Minister besuchte am Freitag die Oberstufe der deutsch-amerikanischen Schule, um über die Anschläge vom 11. September 2001 zu sprechen.

Es ist 7.56 Uhr. Maximilian und seine Schulkameradin Manuela Schwarz (18) weisen dem deutschen Außenminister den Weg über ihren Schulhof. Kurz vor Stundenbeginn spielen Schüler auf dem Pausenhof, Basketbälle fliegen durch die Luft. Westerwelles hellblaue Krawatte flattert im Wind, er stoppt kurz, hebt die rechte Hand, bückt sich etwas hinunter zu einem kleinen Jungen mit runder Brille: High five. Westerwelle schlägt ein.

„Und was habt ihr für Schwerpunktfächer?“, fragt der Außenminister die zwei Schüler, die die Moderation übernehmen. Politik und Geschichte, antworten sie. Die Entourage durchmisst die große Bibliothek der Schule. „Hier gibt es keine Zulasskontrollen?“, erkundigt sich Westerwelle. Nein, sagt Maximilan. Natürlich ein Scherz des Außenministers, er gibt sich selbstironisch.

Im „Science Study Room“, dem Studierzimmer, geht es dann ernsthafter zur Sache. In zwei Reihen haben die Schüler einen Stuhlkreis gebildet, in dessen Mitte Sonnenblumen stehen. Westerwelle setzt sich. Hinter ihm stehen zwei Flaggen, zur Rechten eine deutsche, zur Linken eine amerikanische.

Maximilian stellt die erste Frage. Wie hat der Außenminister die Anschläge erlebt? „Ich habe sie genau erlebt wie viele andere auch. Und zwar zunächst einmal als Mensch – und nicht als Politiker.“ Das zweite Flugzeug habe er live in die Twin Towers einschlagen sehen. „Mein erster Gedanke waren Freunde, die ich schon sehr lange und gut kenne und die in New York wohnen.“ Maximilian denkt an seine eigenen Erlebnisse. Zum Zeitpunkt des Anschlags war er selbst in Washington.

Einer der 40 Schüler fragt, ob das Ansehen Deutschlands unter dem Afghanistankrieg gelitten habe. Der Außenminister trinkt einen Schluck Wasser. „Ich kann nicht sehen, dass das Ansehen Deutschlands gelitten hat.“

Nächste Frage. Eine Schülerin bezweifelt, dass die strengen Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen sinnvoll sind, etwa das Verbot von 100-Milliliter-Flaschen. Es gebe immer eine persönliche und eine regierungsamtliche Meinung, sagt Westerwelle vieldeutig.

„May I have your attention?“, unterbricht ihn eine Lautsprecher-Stimme. „Yes of course“, sagt Westerwelle. Die Schüler lachen. Die Stimme ruft dazu auf, nun der Opfer der Anschläge zu gedenken. Gemeinsam mit dem Außenminister schweigen die Schüler. Anschließend fragt ein Schüler, was 9/11 für die deutsch-amerikanischen Beziehungen bedeute. „In der Stunde der Not wächst man zusammen“, sagt Westerwelle und sieht den Schüler an. „Das kennst du ja auch: Wenn alles gut läuft, hast du viele Freunde. Wenn es nicht so gut läuft, merkst du, wer zu dir steht.“ Das, sagt der Außenminister, sei bei Staaten genauso wie bei Menschen.