Freisprüche aufgehoben

Mordfall Politkowskaja wird neu aufgerollt

Späte Genugtuung? Der umstrittene Prozess um die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja soll noch einmal aufgerollt werden. Das Oberste Gericht Russlands hob die Freisprüche von drei Männern vom Februar auf und ordnete die Wiederaufnahme des Verfahrens an.

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Im Fall der ermordeten kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat der Oberste Gerichtshof Russlands die Freisprüche vom Februar gegen vier Angeklagte aufgehoben.


Die Richter seien mit den Freisprüchen der damaligen Geschworenen-Jury nicht einverstanden, meldete die Agentur Interfax in Moskau. Das Gericht entsprach damit dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft. Das Verfahren muss deshalb neu aufgerollt werden.


Die Verdächtigen waren aus Mangel an Beweisen aus der Haft entlassen worden. Politkowskaja, die für die regierungskritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ arbeitete, wurde 2006 vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen.

Menschenrechtler hatten die Arbeit der Ermittler als „lückenhaft und pannenreich“ kritisiert und die Freisprüche als berechtigt bezeichnet, weil die Schuld der vier Männer nicht nachgewiesen wurde.


Gleichwohl waren Staatsanwaltschaft, Angehörige und Freunde Politkowskajas überzeugt davon, dass die damals Angeklagten etwas mit dem Mord zu tun haben. Nach dem Täter und Auftraggeber der Bluttat wird weiter gesucht. Die Freisprüche kamen damals überraschend, auch weil in Russland Angeklagte bislang fast immer verurteilt wurden.


Nach den Freisprüchen hatte das Moskauer Militärgericht den Fall zurück an die Ermittlungsbehörde verwiesen. Der Mord an Politkowskaja, die auch mit ihren kritischen Berichten über die Tschetschenien-Kriege international bekanntgeworden war, gilt als politisch motiviertes Verbrechen.