Erster grüner Regierungschef

Kretschmann gewählt - mit Stimmen der Opposition

Erstmals führt in Deutschland ein Grüner ein Bundesland. Der Landtag von Baden-Württemberg hat Winfried Kretschmann zum Ministerpräsidenten gewählt. Dabei bekam der Grüne auch Stimmen aus den Reihen von CDU und FDP.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Der baden-württembergische Landtag wählte den 62-jährigen Winfried Kretschmann mit 73 von 138 abgegebenen Stimmen. Die CDU musste nach knapp 58 Jahren erstmals die Regierungsbank verlassen.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Knapp sieben Wochen nach der Landtagswahl ist der historische Machtwechsel in Baden-Württemberg perfekt: Der Landtag wählte am Donnerstag Winfried Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten in Deutschland. Der frühere Grünen-Fraktionschef erhielt in Stuttgart 73 von 138 Stimmen. Da die grün-rote Koalition 71 Abgeordnete hat, bekam der 62-Jährige mindestens zwei Stimmen aus den Reihen der Opposition von CDU und FDP. 65 Abgeordnete stimmten gegen Kretschmann, Enthaltungen gab es nicht.

Kretschmann führt nun die erste grün-rote Koalition in einem Bundesland an. Mit seiner Wahl ist die 58 Jahre lange Dominanz der CDU in Baden-Württemberg durchbrochen. Die neuen Koalitionspartner hätten sich bei der Wahl des Ministerpräsidenten höchstens einen Abweichler leisten können, da mindestens eine Stimme mehr als die Hälfte des Landtags für die Wahl nötig war.

Umso mehr freute sich Kretschmann über die für ihn abgegeben Stimmen aus dem Oppositionslager. „Ich nehme es als Auftrag, dass es nicht meine Aufgabe ist, zu polarisieren, sondern zusammenzuführen“, sagte Kretschmann am Donnerstag in Stuttgart im SWR-Fernsehen. Er sei vor der Abstimmung im Landtag „schon etwas nervös“ gewesen, räumte der Grünen-Politiker ein.

Bei seiner Vereidigung wählte der Grünen-Politiker die Eidesformel mit Gottesbezug: „Ich schwöre, sowahr mir Gott helfe.“ Am Nachmittag sollten die Minister vereidigt werden. Danach will Kretschmann erstmals eine Kabinettssitzung im Regierungssitz, der Villa Reitzenstein, abhalten.

Stolperfalle Stuttgart 21

Grün-Rot hatte bei der Landtagswahl am 27. März vier Sitze mehr im Parlament als CDU und FDP erobert. Am Montag unterschrieben beide dann den Koalitionsvertrag. Die Vereinbarung trägt den Titel „Der Wechsel beginnt“. Grün-Rot will vor allem den Ausstieg aus der Atomenergie, den Ausbau der Gesamtschulen sowie eine stärkere Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen vorantreiben.

Als Stolperfalle in der Koalitionsvereinbarung gilt das milliardenteure Bahnprojekt Stuttgart 21: Der Juniorpartner SPD befürwortet im Gegensatz zu den Grünen den Umbau des Bahnhofs. Bis Mitte Oktober soll ein Volksentscheid darüber stattfinden. Kretschmann sagte nach der Vereidigung, er hoffe, „dass wir nicht in die Baugrube fallen“.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen