Afghanistan-Einsatz

Wehrbeauftragter sieht erhebliche Ausrüstungsmängel

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Foto: dpa

Viele Probleme sind lange schon bekannt – doch auch im achten Jahr des Einsatzes nicht gelöst, erklärt der Wehrbeauftragte Königshaus.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), kehrt am Montag von einer achttägigen Afghanistan-Reise zurück. Es war nach einem Kurzbesuch Ende Mai seine erste ausgedehnte „Bestandsaufnahme“ im neuen Amt bei den deutschen Soldaten in Kabul, Kandahar, Masar-i-Scharif, Feisabad und Kundus.

Morgenpost Online: Herr Königshaus, wie ist Ihr erster Eindruck nach einer Woche in Afghanistan: Sind die von Ihnen kritisierten Ausrüstungsmängel wirklich ein „Drama“?

Hellmut Königshaus: Bei der Ausrüstung kann man deutliche Verbesserungen spüren. Einige neue Fahrzeuge sind bereits angekommen. Und Vieles ist angeschoben – aber eben noch nicht umgesetzt. Natürlich ist das niemandem vorzuwerfen, denn bestimmte Ausrüstungsgegenstände kann man nicht einfach im Outdoor-Laden an der Ecke kaufen. Trotzdem: Einige Probleme sind nach wie vor da, durchaus erhebliche. Die Soldaten äußern auch Beschwerden, die ihre persönlichen Belastungen betreffen. Einige sind im Einsatz auf Stehzeiten von sechs Monaten und mehr gekommen, das ärgert sie. Meine Kritik war also keine Übertreibung.

Morgenpost Online: Nun erleben die Soldaten in Afghanistan aber gerade einen Umbruch in Sachen Sicherheitslage und Strategie.

Königshaus: Das ist tatsächlich so. Dadurch, dass jetzt in Kundus und Masar-i-Scharif die neuen Ausbildungs- und Schutzbataillone gebildet werden, ändern sich viele Strukturen. Als Folge treten Probleme auf, die es bisher nicht gab. Ich will zusehen, dass die schnellstmöglich beseitigt werden. Ich habe vorhin bereits mit dem Minister darüber gesprochen.

Morgenpost Online: Wie haben Sie die mediale Diskussion über das Ausrüstungs-Drama erlebt?

Königshaus: Die Diskussion hat sich ja, denke ich, weniger an meiner konkreten Aussage entzündet, als vielmehr an dem, was dort zusammenfassend von anderen transportiert wurde. Worüber ich gesprochen hatte, war in erster Linie auch die Tatsache, dass wir im achten Jahr des Einsatzes sind und dass wir gleichwohl noch immer diese Mängel haben – ganz egal, welche das nun konkret sind.

Zum Beispiel ist für viele Soldaten in Kundus zunächst einmal unverständlich, wenn sie bei solchen Temperaturen in Afghanistan noch immer in Zelten schlafen müssen. Oder dass sie immer noch so schlechte und relativ teure Internet- und Telefonverbindungen in die Heimat haben. Diese langfristigen Defizite sollten meine Äußerungen zum Ausdruck bringen.

Morgenpost Online: Sie sind bald 100 Tag im Amt. Macht Ihnen der neue Job Spaß?

Königshaus: Ich habe natürlich einige Erfahrungen gemacht, die waren aber alles andere als spaßig. Weil ich mich nicht nur mit den schönen Seiten des militärischen Alltags befassen darf, sondern auch mit teilweise ziemlich schwierigen Schicksalen konfrontiert werde, insbesondere bei Soldaten, die im Einsatz Verwundung erlitten haben oder gar bei Hinterbliebenen von Gefallenen. Aber insgesamt würde ich sagen, es war erfüllend. Auf jeden Fall ist es befriedigend zu sehen, dass man doch relativ schnell zu Abhilfe beitragen kann, eben weil man auch Kontakte zu denen hat, die auch Entscheidungen treffen.

Morgenpost Online: Der Verteidigungsminister legt am Montag sein Modell für die Bundeswehr der Zukunft vor. Was erwarten Sie?

Königshaus: Ich lasse das gelassen auf mich zukommen –- mit einer Ausnahme: Dass – egal, welche Struktur gefunden wird – diese nicht zulasten der Soldatinnen und Soldaten geht. Und dass natürlich auch der Bund als Dienstherr zu seinen Verpflichtungen steht, wie jeder andere Arbeitgeber auch. Das heißt, wenn der Dienstherr relativ schnell Personal abbaut – wie das im Moment ja diskutiert wird – dann muss er auch das einhalten, was er seinen Mitarbeitern einmal in Aussicht gestellt hat.

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