China hat am Dienstag offenbar erstmals öffentlich zugegeben, der weltweit größte Produzent von klimaschädlichem Kohlendioxid zu sein. Bei einem Briefing in Peking im Vorfeld des UN-Klimagipfels im mexikanischen Cancún sagte der chinesische Klimabeauftragte Xie Zhenhua, sein Land stehe mit seinen CO2-Emissionen derzeit „weltweit an erster Stelle“.

Bislang hatte China stets vermieden, sich als weltweit größten CO2-Produzenten zu bezeichnen, obwohl Experten und internationale Organisationen wie die Internationale Energiebehörde (IEA) dies als erwiesen ansehen. Die chinesische Regierung verwies lieber auf den Pro-Kopf-Ausstoß, der bei China mit seiner Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen deutlich unter den Pro-Kopf-Emissionen der etablierten Industrieländer liegt.

Peking beharrt darauf, dass die USA und andere entwickelte Staaten mit ihren hohen CO2-Emissionen der vergangenen Jahrzehnte die Hauptverantwortung für den Klimawandel tragen. Xie erklärte, die USA müssten auf dem Klimagipfel in Cancún ihre historische Verantwortung wahrnehmen und eine „Führungsrolle“ einnehmen.

China hatte im vergangenen Jahr angekündigt, seinen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 40 bis 45 Prozent pro Einheit seines Bruttoinlandprodukts im Vergleich zu 2005 zu verringern. Damit steigt bei zu erwartendem anhaltenden Wachstum der chinesischen Wirtschaft weiterhin der CO2-Ausstoß, wenn auch wegen der größeren Bemühungen, den Anteil an sauberen Energieträgern zu steigern, deutlich langsamer als bisher. Bei dem erfolglosen Kopenhagener Klimagipfel im vergangenen Jahr waren China und die USA als Bremser im Ringen um ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll kritisiert worden.

AFP/ks