Ex-Minister

Guttenberg plant selbst verfasste Memoiren

Nach seinem Rücktritt will Ex-Verteidigungsminister Guttenberg seine Memoiren schreiben. "Es sind eigene Gedanken", sagte er selbstironisch.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister Memoiren über seine bisherige politische Laufbahn schreiben. Er kündigte vor dem "Großen Zapfenstreich" zu seinem Abschied an, „das eine oder andere in der Erinnerung“ aufzuschreiben.

„Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde“, sagte er ironisch mit Blick auf die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit. Der 39-Jährige sprach von einem schmerzlichen Abschied. Er wolle die nächste Zeit auch für Reue und Buße nutzen, sagte Guttenberg.

Besonders freue er sich darauf, sich die notwendige Zeit für seine Familie zu nehmen. „Ich hoffe, dass ich nicht zur Plage für meine Familie werde.“ An seinen Nachfolger Thomas de Maizière gerichtet sagte Guttenberg: „Ich weiß die Bundeswehr in guten Händen.“ Er schloss seine Rede mit den Worten:„Gottes Segen der Bundeswehr. Ich melde mich ab.“

Ob die politische Karriere Guttenbergs irgendwann wieder in die Erfolgsspur kommt, ist noch offen. Im Moment stehen die Zeichen aber auf Rückkehr. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihm dafür die Tür bereits einen Spalt geöffnet, und CSU-Chef Horst Seehofer hat sie sogar weit aufgestoßen.

Zunächst aber wird sich der bislang beliebteste Politiker Deutschlands eine Auszeit nehmen. Als erstes wird er sich den staatsanwaltlichen Ermittlungen zu den Plagiatsvorwürfen um seine Doktorarbeit stellen. Bis es zu einem Prozess und Urteil kommt, können Wochen und Monate vergehen.

Über die Zeit danach gibt es bisher nur Spekulationen. Mehrere Medien berichteten, der Ex-Minister könnte vorübergehend mit seiner Familie in die USA ziehen – ein Wunsch, den die Guttenbergs schon vor dem Einzug von „KT“ in den Bundestag 2002 hatten. Eine amerikanische Beratungsfirma soll ihm schon ein Angebot gemacht haben. Es gilt aber als eher unwahrscheinlich, dass er darauf eingeht.

Seinen Wohnsitz in Berlin will Guttenberg dem Vernehmen nach auf jeden Fall behalten. Aus dem politischen Berlin verschwindet er trotzdem bis auf weiteres. Neben seinem Ministeramt und den Parteiämtern hat er auch sein Bundestagsmandat nach achteinhalb Jahren niedergelegt – obwohl er 2009 das beste Ergebnis aller Direktkandidaten erzielt hat.

Sein Büro im Wahlkreis Kulmbach bleibt dagegen als Anlaufstelle für Bürger geöffnet. „Oberfranken werde ich ... nicht im Stich lassen“, hatte er nach seinem Rücktritt erklärt. „Ebenso wenig meine politische Heimat, die CSU.“

Die Spekulationen, ob und wann er aus Oberfranken den Weg zurück auf die größeren politischen Bühnen in München oder Berlin findet, werden auch nach dem Zapfenstreich anhalten. 450 Gäste wurden am Donnerstagabend zum Abschied im Verteidigungsministerium erwartet, darunter Merkel.

Viele eingeladene Spitzenpolitiker sagten aber ab, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan. Sie hatten ihre Einladung nur 24 Stunden vor dem Zapfenstreich per E-Mail erhalten. Die beiden CDU-Granden waren die heftigsten Kritiker Guttenbergs in der Union während der Plagiatsaffäre.

Aber auch andere Spitzenpolitiker nahmen die Einladung nicht an. Die meisten begründeten die Absage mit Wahlkampfterminen – ein Beleg dafür, dass die Rückkehr zum politischen Alltag nach der Aufregung über den Fall Guttenberg längst erfolgt ist.